Tour Ginkgo in Fellbach „Die Last für die Eltern ist auch heute noch riesengroß“

Von Von unserer Redaktion 

Seit 25 Jahren organisiert Christiane Eichenhofer die Tour Ginkgo. Ein Gespräch mit der Initiatorin zur Jubiläumsaktion.

Die Radler der Tour Ginkgo gehen für den Nachsorgedienst des Olgahospitals ins Rennen. Foto: Christiane-Eichenhofer-Stiftung
Die Radler der Tour Ginkgo gehen für den Nachsorgedienst des Olgahospitals ins Rennen. Foto: Christiane-Eichenhofer-Stiftung

Fellbach - Seit 1992 ist Christiane Eichenhofer mit der Sammelbüchse unterwegs – und hat mit der Tour Ginkgo eine Benefiz-Aktion ins Leben gerufen, die in der Region nicht nur auf große Resonanz stößt, sondern bereits über zwei Millionen Euro an Geld- und Sachspenden erbracht hat. 2017 wird erneut fürs die Klinik-Nachsorge des Stuttgarter Olgahospitals gesammelt. Warum das notwendig ist, erklärt Christiane Eichenhofer im Interview.

Christiane Eichenhofer Foto: Sascha Sauer
Frau Eichenhofer, die Tour Ginkgo war bereits 2012 fürs Olgahospital unterwegs. Warum schicken Sie Ihre Radler erneut für den Nachsorgeverein ins Rennen?
Vor fünf Jahren ging es darum, die Nachsorge am Klinikum überhaupt erst aufzubauen. Es gab keine Einrichtung, an die sich Eltern wenden konnten, wenn sie mit schwerkranken Kindern aus dem Krankenhaus entlassen wurden und plötzlich allein zuhause waren. Die Folge waren Rückschläge – und Eltern, die nachvollzieh-barerweise völlig überlastet waren.
Besteht der Bruch zwischen stationärer und ambulanter Versorgung nicht schon lange?
In gewisser Weise schon. Als ich als Kind in den 70er Jahren an Leukämie erkrankte, gab es kaum Hilfe für meine Eltern. Eine Familienunterkunft an Krankenhäusern existierte damals nicht. Die Situation war extrem belastend für meine Eltern, meine Geschwister und natürlich auch für mich. Wochenlang war ich in München, während das Familienleben weitergehen musste. Die Erfahrung gibt mir den Antrieb, die Strukturen im Gesundheitswesen zu verbessern. Was heute anders ist: Viele Kinder, die früher bei der Geburt starben, kommen heute durch. Die Medizin hat enorme Fortschritte gemacht. Konsequenz ist, dass chronische Schäden zunehmen, mit denen Betroffene zurechtkommen müssen.
Sind Patienten nicht besser da aufgehoben, wo sie beste medizinische Versorgung gibt?
Kindern geht es nicht anders wie Erwachsenen. Die Zeit im Krankenhaus ist belastend. Im gewohnten Umfeld steigt die Lebensqualität, auch wenn die Gesundheit vielleicht nie wieder ganz hergestellt werden kann. In der Folge liegt die ganze Last aber bei den Eltern. Sie müssen plötzlich wie medizinisches Fachpersonal agieren. Aber ihnen fehlt die Ausbildung und die jahrelange Erfahrung, die sie dafür bräuchten. Deshalb braucht es die Unterstützung.
2012 hatte die Tour überwältigenden Erfolg.
Ja, wir haben damals 450 000 Euro an Spenden zusammengetragen. Das war unglaublich – und mehr, als wir seither je geschafft haben. So konnte „Olgäle sorgt nach“ eine Ärztin einstellen, die seit 2013 mehr als 100 Familien begleitet hat.
Und nun reicht das Geld nicht mehr?
Es gibt zwar einen gesetzlichen Anspruch auf Nachsorge, aber die Kassen decken die Kosten nur zu 75 Prozent. Wenn wir das erreichte Niveau bewahren wollen, müssen wir weiter Geld zusammentragen. Dass die Nachsorge den Familien hilft, beweist das große Engagement der Olgahospital-Ärzte, die uns mit Feuereifer unterstützen. Die Last der Eltern von schwerkranken Kindern ist groß genug. Wir dürfen ihnen nicht noch finanzielle Lasten aufbürden.
Für die Tour und die gute Sache haben Sie prominente Unterstützung gefunden.
Ministerpräsident Winfried Kretschmann hat sich bereit erklärt, die Schirmherrschaft für 2017 zu übernehmen. Das freut uns ungemein. Viele Unternehmer stärken uns den Rücken, etwa Alfred Ritter oder Steffen Hahn. Unter den Radlern sind Prominente, oft frühere Leistungssportler, die helfen möchten, mit ihrem guten Namen für die Aktion zu werben. Ohne sie alle wäre die Tour Ginkgo nicht möglich.
Wie sieht die Fellbacher Hilfe aus?
Die Beziehungen zu Fellbach sind intensiv, deshalb haben wir auch zwei Tourstopps hier. Bedeutende Unternehmen, nico und die SDK, zählen zu unseren Paten. Oberbürgermeisterin Zull war seit ihrem Amtsantritt eine Förderin, viele Schulen, Betriebe und Vereine unterstützen uns.
Was wünschen Sie sich für die Tour Ginkgo?
Ich wünsche mir, dass viele Menschen zu unseren Etappenstopps kommen und sich dafür interessieren, was wir machen und worum es geht. Und natürlich freuen wir uns, wenn die Menschen überzeugt sind, über Spenden und jegliches Engagement für die Tour und „Olgäle sorgt nach“.



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