Trends bei Augenbrauen Feilen am perfekten Rahmen des Gesichts

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Die Kosmektik hat die Augenbrauen entdeckt: Derzeit müssen sie füllig sein und dafür gibt es Tricks von der Farbe über Extensions bis zum Permanent Make up.

Vor dem eigentlichen Microblading wird die Form der Augenbrauen festgelegt, damit  sie nachher natürlich aussehen. Foto: Lg/Leif Piechowski
Vor dem eigentlichen Microblading wird die Form der Augenbrauen festgelegt, damit sie nachher natürlich aussehen. Foto: Lg/Leif Piechowski

Stuttgart - Der weiße Faden saust mit einem leise flirrenden Geräusch über die Stirn der Kundin und nimmt alle Minihärchen oberhalb der Augenbrauen mit. Die Fadentechnik ist Jahrhunderte alt und stammt ursprünglich aus Indien. Helena Ott hat die Fingerfertigkeit, die beiden Fadenschlingen so mit den Fingern ihrer beiden Hände zu dirigieren, dass sie zum Enthaarungsinstrument werden. Vorsicht ist geboten, denn was weg ist, ist weg. Mitsamt der Haarwurzel. „Wellness fühlt sich anders an, aber es ist auszuhalten“, beteuert die Kundin. „Der Schmerz ist komprimierter als beim Zupfen.“ Nach nur fünf Minuten verlässt sie mit exakt in Form getrimmten Härchen Helena Otts Brauen-Bar im Milaneo wieder.

Fülle ist angesagt

Erst seit zwei Jahren ist das Styling der Augenbrauen hierzulande wieder in den Vordergrund getreten. Trends gab es beinahe in jedem Jahrzehnt: Marlene Dietrich, die ihre abrasierten Brauen durch dünne Striche ersetzte oder die dicken, dunklen Balken, die in den 1960ern Mode waren. In den 90ern wurde dagegen kräftig gezupft, denn schmale Brauen waren angesagt. Derzeit muss es wieder füllig sein: Bold Brows heißt der Trend auf Neudeutsch.

Viele Brauen sind überzupft

„Den Leuten ist bewusst geworden, dass die Brauen der Mittelpunkt des Gesichts sind“, erklärt Helena Ott das Phänomen. „In den USA gab es schon in den 1990ern Brow Bars. Unter den Stylisten dort waren echte Gurus und die Promis gaben Unsummen für das Styling der Augenbrauen aus“, weiß Aleksandar Zavacki. Der Augenbrauen- und Wimpern-Artist ist Inhaber des Studios Glamour Us. Dort, hoch über den Dächern der Königstraße, werden ausschließlich die Härchen rund ums Auge gepflegt. Neben der typgerechten Beratung über Form, Farbe und den sympathischen Schwung gehört auch die Schadensbegrenzung dazu. Weil beispielsweise die Brauen regelmäßig rasiert wurden und jetzt hart wie Bartstoppeln sind. „Viele Kundinnen und viele Männer sind überzupft“, klagt auch Helena Ott.

Männer auf dem Behandlungsstuhl

Zunehmend setzen sich Männer bei ihr auf den Behandlungsstuhl: einmal färben und zupfen bitte. Mancher hat zu großzügig Hand an die Brauen gelegt. Männerbrauen sind geradliniger und kräftiger als jene von Frauen und wirken unnatürlich, wenn sie zu dünn geraten sind. Dann empfiehlt die Fachfrau ein Pflegeöl, damit das, was noch da ist, länger wächst und so dichter wirkt. Auch Extensions helfen. Die gibt es nicht nur beim Haupthaar und den Wimpern, sondern auch bei den Augenbrauen. Etwa eine Stunde dauert eine Sitzung, bei der einzelne Härchen in der gewünschten Farbe und Länge zwischen die eigenen geklebt werden. Zavacki ist darauf spezialisiert. Er lernte die Technik in London kennen und bot in Stuttgart als erster Extensions an. Allerdings hält die Pracht nur zwei bis drei Wochen.

Sich mit fremden Härchen zu schmücken ist uralt. In der Antike half man mit Ziegenhaar nach und im Barock war Mäusefell gefragt, um volle Augenbrauen vorzutäuschen. Geklebt wurde zum Beispiel mit Baumharz. „Die Augenbrauen sind charakteristischer für ein Gesichts als die Augen“, sagt Zavacki und zitiert eine Studie des kanadischen Neurowissenschaftlers Javid Sadr. Der machte einen Bildertext mit Fotos von Prominenten. Wenn aus dem Porträt die Augen herausretuschiert waren, wurden die Personen anhand der Augenbrauen identifiziert. Wurden jedoch die Augen belassen und Brauen aus dem Foto entfernt, war die Trefferquote niedriger.

Augenbrauen bestimmen das Gesicht

Augenbrauen sind auch so etwas wie ein Lügendetektor: ein Lächeln kann falsch sein, aber die Augenbrauen verraten, was das Gegenüber tatsächlich denkt und fühlt. Menschen, die an Alopecia – dauerhaftem Haarausfall – leiden oder sich einer Chemotherapie unterziehen mussten, hilft Permanent Make Up. Microblading ist der Fachausdruck und nicht zu verwechseln mit einem Tattoo, das viel tiefer in die Hautschichten gestochen wird. Zavacki beruhigt Skeptiker: „Das sieht ganz natürlich aus.“ Im Atelier Zeitlos hat sich Ibo – so der Künstlername – auf Microblading spezialisiert. Zwischen ein und sechs Jahre hält die Zeichnung auf der Haut. Make-Up-Artistin Charis Wolf wird sich ihre Brauen von Ibo auf diese Art optisch verdichten lassen. „Ich habe mir das lange überlegt und man braucht Vertrauen“, gesteht sie. „Aber ich möchte morgens einfach gerne mit schönen Augenbrauen aufstehen.“

Manches ist Köperverletzung

Ibo hat feste Prinzipien: „Man muss vorausdenken, was in fünf oder zehn Jahren sein wird“, sagt er. Dicke Balken malt er in kein Gesicht, denn die Mode wechselt im Laufe der Jahre. Zwei Sitzungen sind notwendig, damit das Ergebnis natürlich aussieht – und vor allem auf die Qualität der Farbe kommt es an: „Sonst wird das Make Up blau“, sagt er. So manche Frau, die beim Microblading sparen wollte, kam später zu ihm, um den Blaustich neutralisieren zu lassen oder um schlampig gesetzte Brauen zu korrigieren. „Da sieht man manchmal Dinge, die sind schon Körperverletzung“, ärgert er sich.

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