Trump greift Republikaner an Jetzt kann er kämpfen, wie er will

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Nach der Veröffentlichung des Videos aus dem Jahre 2005 geht Donald Trump jetzt gegen die Mitglieder seiner eigenen Partei los.

Donald Trump will jetzt auf seine eigene Art um Amerika kämpfen. Foto: AP
Donald Trump will jetzt auf seine eigene Art um Amerika kämpfen. Foto: AP

Washington - Die US-Republikaner drohen im Chaos zu versinken. Präsidentschaftsbewerber Donald Trump hat der eigenen Partei den Krieg erklärt. Unter Konservativen macht sich inzwischen die Sorge breit, womöglich nicht nur die Präsidentschaftswahl, sondern auch die Mehrheit im US-Kongress zu verlieren. Die Tumulte bei den Republikanern haben Hillary Clinton in den Umfragen wieder deutlich vor Trump gebracht. Dennoch kann sich die Kandidatin der Demokraten noch lange nicht beruhigt zurücklehnen.

Auf die Kritik aus dem Partei-Establishment an einem Video aus dem Jahr 2005, in dem Trump mit sexuellen Übergriffen auf Frauen prahlt, reagierte der Geschäftsmann aus New York jetzt mit einer Twitter-Tirade. Er schrieb unter anderem: „Illoyale Republikaner sind noch schlimmer als die verbrecherische Hillary. Sie gehen von allen Seiten auf dich los. Sie wissen nicht, wie man gewinnt. Ich werde es ihnen beibringen.“

Trump greift dritten Mann im Staat an

Ziel der Digitalattacke war das Partei-Establishment in Washington, das bei Trumps Anhängern ähnlich unbeliebt ist wie die Kandidatin der Demokraten. Und im Zentrum der Angriffe Trumps stand Paul Ryan, der als Sprecher des US-Repräsentantenhauses dritter Mann im Staat ist. Ryan hatte wegen des Videos und des pöbelnden Auftrittes von Trump in der zweiten TV-Debatte gegen Clinton erklärt, nicht mehr öffentlich für den eigenen Präsidentschaftskandidaten Wahlkampf machen zu wollen.

Das ließ Trump allerdings nicht unwidersprochen stehen. Er twitterte: „Paul Ryan sollte lieber mehr Zeit auf den Haushalt, den Arbeitsmarkt und illegale Einwanderung verwenden und nicht seine Zeit verschwenden, um den Kandidaten der Republikaner bekämpfen.“ Schließlich erklärte Trump auch noch, dass er alle Fesseln abgeworfen habe: „Jetzt kann ich für Amerika kämpfen, wie ich es will.“

Ryan und andere etablierte Republikaner hoffen, mit der Distanzierung von Trump die konservative Mehrheit im Repräsentantenhaus und im Senat bei der Wahl am 8. November zu retten, um Clinton nach einem eventuellen Wahlsieg Paroli bieten zu können. Das wäre eine Wiederholung der Blockadetaktik, mit der die US-Konservativen in den vergangenen Jahren viele politische Vorhaben des amtierenden US-Präsidenten Barack Obama durchkreuzt haben.

Den Republikanern droht die Spaltung

Lange Zeit schien diese Mehrheit sicher zu sein. Doch inzwischen fürchtet das Establishment, von Trumps loyaler Anhängerschaft bei den Wahlen abgestraft zu werden. Vor allem die Kandidaten für beide Parlamentskammern, die dem Establishment nahestehen, sorgen sich. Trump deutete bereits an, dass er im Falle einer Wahl zum Präsidenten hart gegen seine Kritiker zuschlagen werde. Eine Sprecherin des Populisten sagte, sie bekomme massenweise Textnachrichten, in denen Wähler erklärten, sie wollten für Trump stimmen, aber nicht für andere Republikaner. Geschieht das, dann droht der republikanischen Partei die Spaltung. In US-Zeitungen werden Trump-Anhänger zitiert, die ihren Kandidaten trotz seiner sexistischen Haltung gegenüber Frauen weiterhin für präsidial halten. Der „ganze Quatsch über Trump“ sei vielleicht ein Skandal, sagte etwa eine Frau aus Pennsylvania: „Aber John F. Kennedy war auch kein Unschuldslamm , und jeder liebt John F. Kennedy.“

Clinton baut ihre Führungsposition aus

Die Tumulte bei den Konservativen haben der demokratischen Kandidatin Hillary Clinton einen signifikanten Vorsprung in den Wahlumfragen eingebracht. Nach einer Erhebung von Reuters/Ipsos, die nach dem zweiten TV-Duell am Sonntagabend gemacht wurde, kommt Clinton landesweit derzeit auf 45 Prozent, Trump dagegen nur auf 37. Eine Woche zuvor lag der Abstand bei nur fünf Prozentpunkten. Auch in den sogenannten Swing States, die für einen Wahlsieg eines Kandidaten wichtiger sind als die landesweit erzielten Stimmen, baute Clinton ihre Führungsposition aus. Das Wahlkampfteam der Ex-Außenministerin rechnet sich sogar Chancen aus, Staaten wie Georgia und Arizona gewinnen zu können, die seit Jahren fest in republikanischer Hand sind.

Allerdings birgt das Chaos im gegnerischen Lager auch Gefahren für Clinton. Die Schlammschlacht, die sich in den nächsten Tagen bis zum letzten TV-Duell am 19. Oktober noch verstärken dürfte, könnte potenzielle Wähler abstoßen. Das scheine Trumps Strategie zu sein, sagte John Podesta, Chef des Clinton-Wahlkampfteams: „Sie wollen, dass die Leute von unserem demokratischen Dialog angeekelt sind und nicht zur Wahl gehen.“Das andere Problem für die Ex-Außenministerin: Die Enthüllungsplattform Wikileaks könnte möglicherweise noch vor der Wahl kompromittierende Unterlagen veröffentlichen, die Clinton schaden könnten.

http://www.stuttgarter-nachrichten.de/inhalt.tv-duell-clinton-gegen-trump-die- highlights-der-debatte-in-videos.619c4546-87a5-44ed-8d88-7079529229c




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