Ulm OB Gönner tritt nicht mehr zur Wahl an

Von SIR/dpa 

Ulms Bürgermeister Ivo Gönner tritt bei der nächsten Bürgermeisterwahl Ende des Jahres nicht mehr an. Das verkündete der 63-jährige Sozialdemokrat am Mittwoch in einer Gemeinderatssitzung.

Ulms Oberbürgermeister Ivo Gönner (SPD) lässt sich nicht mehr zur Wahl aufstellen. Foto: dpa
Ulms Oberbürgermeister Ivo Gönner (SPD) lässt sich nicht mehr zur Wahl aufstellen. Foto: dpa

Ulm - Nach fast einem Vierteljahrhundert im Amt ist es für den Ulmer Oberbürgermeister Ivo Gönner (SPD) Zeit für einen Umschwung. „Ich habe noch nie was davon gehalten, wenn man aus dem Amt rausgetragen werden muss oder verjagt werden sollte“, sagte Gönner am Donnerstag in Ulm. Nun wolle er einen Wechsel im Rathaus einleiten. Nach drei Amtszeiten wird er am 29. November nicht erneut zur OB-Wahl antreten. Nachrufe wolle er aber keine: „Das ist keine Beerdigung“, sagte der 63-Jährige.

Als mögliche Kandidaten zur Nachfolge von Gönner gelten der Landtagsabgeordnete und Stadtrat Martin Rivoir (SPD) sowie Finanzbürgermeister Gunter Czisch (CDU). Aus „Respekt und Anerkennung gegenüber dem scheidenden OB“ wolle Czisch erst im Juli verkünden, ob er kandidieren werde. Eine Empfehlung für den Wahlkampf aussprechen werde Gönner nicht. „Ich habe mir für den Wahlkampf vorgenommen: äußerste Zurückhaltung und Neutralität.“

Baumaßnahmen wie das Schnellbahnnetz zwischen Stuttgart und Ulm, das bis 2021 geplant ist, hat Gönner besonders vorangetrieben. Den ersten ICE wolle er schon erleben, sagte der OB - „vielleicht mit einer Seniorenkarte“. Der Sozialdemokrat war auch trotz Skepsis seiner Partei ein starker Verfechter des Bahnhofprojekts Stuttgart 21. Bis zum Ende seiner Amtszeit wolle er noch den Erwerb der Hindenburgkaserne in Ulm in trockene Tücher legen. Auf dem Areal sollen Wohnungen und möglicherweise Flüchtlingsunterkünfte entstehen, was ein „wichtiger Befreiungsschlag“ für Ulm wäre.

Nach dem Ende seiner Amtszeit will Gönner keine Parteiämter übernehmen

Nach dem Ende seiner Amtszeit will Gönner keine Parteiämter übernehmen - er könne sich vorstellen, wieder als Anwalt zu arbeiten. „Allerdings nicht in Prozessen gegen die Stadt Ulm“, sagte der Oberbürgermeister, der vor seiner Wahl zum Stadtrat 1980 als Strafverteidiger tätig war. Seine ehrenamtliche Aufgabe als Präsident des Verbandes kommunaler Unternehmen sowie seine Mitgliedschaft im Präsidium des deutschen Städtetags werde er zum Ende des Jahres beziehungsweise Ende Februar 2016 aufgeben.

In die Fußstapfen des Sozialdemokraten zu treten wird wohl nicht einfach werden, parteiübergreifend genießt er hohes Ansehen. „Der heutige Stellenwert Ulms als florierendes Oberzentrum an der Donau ist ohne Ivo Gönner nicht denkbar“, teilte die Bundestagsabgeordnete für den Wahlkreis Ulm, Ronja Schmitt (CDU), mit. Auch der Kreisvorstand der Ulmer Grünen und die Grünen-Mitglieder des Gemeinderats zollten ihren Respekt. „Der OB hat viele wichtige Projekte für Ulm auf den Weg gebracht.“