Umgestaltung Stuttgarter Marktplatz An der Fontäne scheiden sich die Geister

Von Josef Schunder 

Die Verwaltung präsentiert neue Vorschläge zur Umgestaltung des Stuttgarter Marktplatzes. Den Stadträten gefallen sie. Das Projekt ist ein Fall für die Etatberatungen im Herbst.

Die  Gestaltung der Kernfläche des Marktplatzes  und die Sanierung des Marktbrunnens dürften etwa 4,7 Millionen Euro kosten. Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth
Die Gestaltung der Kernfläche des Marktplatzes und die Sanierung des Marktbrunnens dürften etwa 4,7 Millionen Euro kosten. Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth

Stuttgart - Ein Schandfleck ist der Stuttgarter Marktplatz in den Augen von OB Fritz Kuhn keineswegs. Dennoch sieht die Stadtverwaltung großen Verbesserungsbedarf – und jetzt nimmt sie bei ihren Bemühungen nach jahrelanger Flaute wieder Fahrt auf. Am Dienstag legten Kuhn, Baubürgermeister Peter Pätzold (beide Grüne) und Verkehrsplaner Stephan Oehler dem Ausschuss für Umwelt und Technik die Grundzüge ihrer planerischen Vorstellungen vor. Und sie ließen sie auch gleich absegnen, ehe eine detaillierte Beschlussvorlage erarbeitet wird, denn vergebliche Arbeit will man vermeiden.

Künftig soll der Platz so aussehen: Die lang gestreckten Treppenstufen vor der Rathausfront sind erhalten, die diagonalen Treppenstufen zwischen der Rathausfront und der Sitzgruppe beim Marktbrunnen aber fast komplett beseitigt. Der Platz ist dann zwischen dem Modehaus Breitling und dem Übergang zu Schulstraße und Schillerplatz barrierefrei begehbar. Der Marktbrunnen ist auf dasselbe Geländeniveau gehoben. Die Marktstraße zwischen Marktplatz und Breuninger verschwindet im neuen, hellen Granitpflaster des Marktplatzes. Dieses Pflaster wird einheitlich wirken, kein Kassettenmuster mehr aufweisen wie zuvor. Zwischen dem Brunnen und der großen Platzfläche kann man wie auf der bisherigen Fläche des Taxistandes und dem Trottoirbereich vor der früheren BW-Bankfiliale im Breuninger-Bau im Straßencafé sitzen. Vor dem früheren Haufler-Laden und dem Tritschler-Haus sprudelt eine Wasserfontäne, die man stilllegen kann, wenn gerade Markt ist oder der Platz für das Weindorf genutzt wird. Diese Fontäne ist eine Option, zu der die Verwaltung rät.

Verwaltung will „sanierungsbedürftigen“ Brunnen anheben

Der Ideenentwurf als solcher kam bei den meisten Stadträten sehr gut an. An der Wasserfontäne allerdings schieden sich die Geister. „Passt die wirklich an diesen Ort?“ fragte Jürgen Zeeb (Freie Wähler). Vielleicht würde das Wasser fatalerweise auch mal sprudeln, wenn man es wegen Veranstaltungen gar nicht brauchen könnte. Auch der Stadtist Ralph Schertlen lehnte die Fontäne ab, wohingegen Bezirksvorsteherin Veronika Kienzle (Grüne) darauf hinwies, dass die Fontäne „den Platz an der dortigen Kante fassen soll“. Die großen Fraktionen sind aufgeschlossen für das Fontänenfeld. Die Idee sei gut, sagte Alexander Kotz (CDU). Sein Kollege Fritz Currle, Wengerter von Beruf, könnte sich hier allerdings auch einen „Weinbrunnen“ vorstellen. Andreas Winter (Grüne) bekannte sich ebenfalls zum Fontänenfeld.

Dass die Verwaltung am anderen Ende des Platzes den ohnehin gerade „sanierungsbedürftigen“ Brunnen anheben und sein Umfeld aufwerten will, begrüßte fast das ganze Gremium. Suse Kletzin (SPD) warb dafür, dass die Verwaltung sich für Überlegungen an der Architekturfakultät der Uni Stuttgart öffnet, mit einem Mini-Café-Pavillon endlich wieder für eine bessere Außengastronomie auf dem Platz zu sorgen. Bezirksvorsteherin Kienzle merkte an, man möge mit neuen Sitzmöbeln und Bewirtungsaufbauten vorsichtig sein. „Die Verträge sollten so sein, dass man die Möbel für Veranstaltungen leicht wegrücken kann.“

Für Pätzold steht die große Richtung fest

Luigi Pantisano (SÖS) hielt sämtliche Meinungsbekundungen für voreilig. Man müsse noch einen Wettbewerb für Architekten und Landschaftsplaner ausloben, forderte er. „Wettbewerbe gab es schon genug. Nichts, was dabei vorgeschlagen wurde, war besser als dies hier“, urteilte FW-Fraktionschef Zeeb. Bürgermeister Pätzold verspricht sich von einem neuerlichen Wettbewerb auch nichts. Schon beim Wettbewerb 2005, bei dem das Büro Schneidermeyer obsiegt hatte, sei klar geworden, dass man hier Details klären müsse, aber keine Gestaltungsalter­nativen brauche.

Die große Richtung steht für ihn fest. Die Details will die Verwaltung in einer Beschlussvorlage darstellen. Die Gestaltung der Kernfläche und die Sanierung des Marktbrunnens dürften etwa 4,7 Millionen Euro kosten. Wenn man das Umfeld wie die Marktstraße einbezieht und ein Fontänenfeld anlegt, komme man auf etwa 5,9 Millionen Euro, hieß es. Damit ist das Projekt ein Fall für die Etatberatungen im Herbst. Die Planung könnte 2018 erstellt werden, die Baumaßnahme 2019/2020 folgen.

Aber nicht alle freuen sich so ungetrübt wie die CDU darüber, „dass wir das angehen“. Technikbürgermeister Dirk Thürnau (SPD) warnte: So ein heller Belag, wie er gewünscht sei, werde unter der Last der Nutzungen schnell fleckig und dunkel. Daher müsse man sich frühzeitig über die Pflege und den Aufwand dafür unterhalten.

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