Umstrittener Wahlwerbespot Wer ist Thomas Brauner und warum wirbt die CDU mit ihm?

Die Szene aus dem CDU-Werbespot war bei einer Wahlkampfveranstaltung von Armin Laschet in Erfurt entstanden. Foto: dpa/Martin Schutt
Die Szene aus dem CDU-Werbespot war bei einer Wahlkampfveranstaltung von Armin Laschet in Erfurt entstanden. Foto: dpa/Martin Schutt

Ein Wahlwerbespot der CDU sorgt derzeit für Wirbel. Der Grund: Eine Szene zeigt, wie Thomas Brauner, ein Querdenker, bei einer Wahlkampfveranstaltung von Armin Laschet auf die Bühne springt.

Digital Unit : Jana Matisowitsch (jam)
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Es sind nur sieben Sekunden, doch diese kurze Szene in einem Wahlwerbespot der CDU reicht, um für Aufregung zu sorgen. Zu sehen ist ein Mann, der sich bei einer Wahlkampfveranstaltung von Armin Laschet unter einer Absperrung hindurch duckt, um auf die Bühne zum Kanzlerkandidaten der CDU zu gelangen – mitten in der Coronapandemie ohne Maske und Abstand.

Laschet bleibt gelassen und gibt sich gesprächsbereit. Die Stimme einer Sprecherin kommentiert die Szene mit den Worten „Erst denken, dann reden. Und auch mit denen, die eine kritische Haltung haben. Ja, gerade mit denen.“

Bei dem Mann handelt es sich um Thomas Brauner, ein Angehöriger der Querdenker-Bewegung, der in den vergangenen Monaten bereits mehrfach negativ auffiel. Laut der Deutschen Presse-Agentur (dpa) wurde Brauner, ein ehemaliger Busfahrer aus Thüringen, durch eine Aktion im September 2020 bekannt. Damals hatte er Kinder im Schulbus aufgefordert, ihre Masken abzunehmen.

Auf seinem Kanal im Messengerdienst Telegram zeigt er sich neben einem als „Volkslehrer“ bekannt gewordenen Rechtsextremisten und vergleicht die Corona-Maßnahmen mit der Vernichtungspolitik des Nationalsozialismus. Erst vor wenigen Tagen teilte er einen Aufruf, in der Region Stuttgart einen Impfbus zu „verjagen“.

Kritik bleibt nicht aus

Die Kritik ließ nach der Veröffentlichung des Wahlwerbespots nicht lange auf sich warten. SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach twitterte: „Armin Laschet macht damit Werbung, dass er sich von einem Nazi-nahen Querdenker und Gefährder hat anschreien lassen. Während Kommunalpolitiker und andere vor solchen Leuten geschützt werden müssen.“

 

 

Lauterbachs Parteikollegin Katarina Barley findet in den sozialen Medien ebenfalls klare Worte. „Das Schlimme ist, dass die CDU genau weiß, wen sie da in ihren Werbefilm aufgenommen hat. Sie biedern sich bewusst bei diesen sog. Querdenkern an.“

 

In der CDU heißt es hingegen, bei den Mitgliedern komme das Video sehr gut an. Die Szene zeige, dass Laschet keinem Konflikt aus dem Wege gehe. Doch der Zeitpunkt der Veröffentlichung sei mehr als unglücklich gewählt, findet Janosch Dahmen, Bundestagsabgeordneter der Grünen.

 

 

Am Tag der Werbespotveröffentlichung wurden die Hintergründe eines tödlichen Angriffs auf einen Tankstellen-Mitarbeiter bekannt. In Idar-Oberstein wurde ein 20-Jähriger erschossen, nachdem er einen Kunden auf die Maskenpflicht hingewiesen hatte. Der mutmaßliche Täter hatte ausgesagt, dass er die Corona-Maßnahmen ablehne. Er habe sich in die Ecke gedrängt gefühlt und „keinen anderen Ausweg gesehen“.

 




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