Unitymedia Kabel BW Kabel BW plant Tempooffensive

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Der Kabelnetzbetreiber Unitymedia Kabel BW will von November an die angebotenen Geschwindigkeiten im Internet erhöhen und ein eigenes Internetfernsehen auf den Markt bringen. Das Jahr 2014 war aber bisher auch von technischen Problemen geprägt.

Lutz Schüler, der Chef von  Unitymedia Kabel BW,   will der Telekom Kunden abjagen. Foto: Kabel BW
Lutz Schüler, der Chef von Unitymedia Kabel BW, will der Telekom Kunden abjagen. Foto: Kabel BW

Stuttgart - Der Kabelnetzanbieter Unitymedia Kabel BW will von Anfang November an in Baden-Württemberg eine neue Offensive gegen den Marktführer Deutsche Telekom starten. Vom 3. November an soll bei neuen Verträgen das angebotene Tempo im Internet deutlich beschleunigt werden. Zudem geht das bereits in Hessen und Nordrhein-Westfalen unter dem Namen Horizon angebotene Internetfernsehen an den Start, das ebenfalls eine Alternative zum Telekom-Internetfernsehen Entertain bieten sollen.

Im Vergleich zu den bisherigen Standardanschlüssen wird die maximal mögliche Downloadgeschwindigkeit im Internet von 150 Megabit je Sekunde auf 200 Megabit gesteigert. Der Standardanschluss mit 100 Megabit je Sekunde wird auf 120 Megabit beschleunigt. Die Preise im Grundangebot würden deshalb nicht erhöht, versicherte Lutz Schüler, der Chef von Unitymedia Kabel BW in Stuttgart. Bisherige Kunden können sich frei entscheiden, ob sie auf das neue Tempo umsteigen, benötigen aber im Einzelfall einen neuen Router. Oft genügt aber schon ein Softwareupdate.

„Wir wollen bei gleichem Preis der schnellste Anbieter sein“, sagte Schüler Das jetzige Tempo sei auch nur eine Momentaufnahme. 400 Megabit je Sekunde seien bereits angepeilt.

Nur bei dem neuen Fernsehangebot schlügen sich die zusätzlichen Programminhalte und technischen Möglichkeiten in höheren monatlichen Kosten im Vergleich zum konventionellen TV-Angebot nieder. Als Kabelanbieter profitiere man von den besseren technischen Möglichkeiten, weil auch auf den letzten Metern zum Kunden leistungsfähige Antennenkabel verlegt seien. Die Telekom müsse hingegen Kupferkabel für höheres Tempo ausrüsten. „Wir bieten in 63 Prozent der Fälle auch immer die versprochene Geschwindigkeit“, sagte Schüler. Das sei deutlich besser als bei den Telefonanbietern.

Der Kabelanbieter will von der TV-Erfahrung profitieren

„Ich glaube, dass viele Kunden sich nicht so recht vorstellen können, dass ihr Fernsehen durch ein dünnes Telefonkabel kommt“, sagte Schüler. „Uns kennen hingegen viele schon lange als Fernsehanbieter und vertrauen uns.“ Als Kabelanbieter sei man angesichts der traditionell engen Verbindungen zu den Fernsehanbietern auch in der Lage bei den Inhalten für das neue Internetfernsehen attraktive Pakete zu schnüren. Man wolle mit einer Vielzahl von Anbietern zusammenarbeiten und sei deshalb auch mit dem US-Anbieter Netflix im Gespräch, der mit seinem Internet-TV auf den deutschen Markt vordringt.

Schüler räumte allerdings ein, dass Unitymedia Kabel BW in Baden-Württemberg auch einiges Vertrauen zurückgewinnen müsse. Eine zu Ostern dieses Jahres umgesetzte technische Verknüpfung des Netzes von Kabel BW mit der Infrastruktur von Unitymedia sei holpriger verlaufen als gedacht. Die vorher getrennt operierenden Anbieter hatten vor drei Jahren fusioniert. Bis August sei es daher bei rund zehn Prozent der Kunden zu technischen Schwierigkeiten und Ausfällen gekommen. „Wir mussten gleichzeitig den technischen Ursachen auf den Grund kommen und die Kundenbeschwerden abarbeiten. Das war eine schwierige Phase“, sagte Schüler. Man habe die Kunden aber durch Gutschriften und andere Vergünstigungen entschädigt und ihnen die technischen Ursachen erklärt. Die Zahl der Beschwerden habe sich in dieser Zeit gegenüber dem Normalmaß verdoppelt. „Wir hatten aber nicht mehr Kündigungen als üblich“, sagte Schüler.

Man sei sich sicher, dass es bei der für Anfang November geplanten Beschleunigung des Netzes, die durch eine bessere Datenkomprimierung möglich wird, nicht zu derartigen Problemen kommen werde. Auch bei der Einführung des Internetfernsehens profitiere man von den Erfahrungen aus einigen Anlaufschwierigkeiten in Hessen und Nordrhein-Westfalen. „Dass alles in jedem Einzelfall reibungslos ablaufen wird, kann aber niemand versprechen“, sagte Schüler. „Wir müssen uns in Deutschland entscheiden: Wollen wir neue Technologien? Dann müssen wir aber auch damit leben, dass sie eine Anlaufphase haben.“

Die Offensive von Unitymedia Kabel BW ist Teil einer Entwicklung, bei der die Konturen von Kabelnetzbetreibern, Telekommunikationsfirmen, Internetunternehmen und TV-Anbietern verschwimmen. Die Betreiber setzen vermehrt auf Angebote aus einer Hand, die sowohl Telefon, Internet als auch Fernsehen umfassen.