Unverpackt-Laden in Stuttgart-Ost Ein neuer Lebensmittelpunkt für Nachhaltigkeit

Johanna Nocke und Fabian Stuhlinger im Hinterhof ihres Wandel.Handels. Foto: Björn Springorum
Johanna Nocke und Fabian Stuhlinger im Hinterhof ihres Wandel.Handels. Foto: Björn Springorum

Die Verbraucherinitiative Wandel.Handel hat viel vor: In der ehemaligen Wagenburgapotheke in Stuttgart-Ost plant sie Unverpackt-Laden, Foodsharing-Spot, Bistro und nachhaltige Verbraucherinitiative in einem. Ein Besuch vor Ort.

WhatsApp E-Mail LinkedIn Flipboard Pocket Drucken

Stuttgart – Solidarisch, nachhaltig, fair. Fast schon Zauberwörter im urbanen Zusammenleben der Gegenwart. Immer mehr Stuttgarter:innen hinterfragen ihre Muster, möchten umweltverträglicher leben und entsprechend einkaufen. Im Westen geht das schon ganz gut. Das Foodsharing-Café Raupe Immersatt am Hölderlinplatz, der Unverpackt-Laden in der Vogelsangstraße oder der Mitgliederladen Plattsalat in der Gutenbergstraße sind Anlaufstellen für städtisches Umdenken.

Jede:r gibt, was möglich ist

Bald bekommt auch der Osten eine. In der ehemaligen Apotheke an der Wagenburgstraße 123 wollen Johanna Nocke und Fabian Stuhlinger diesen Sommer den Wandel.Handel eröffnen – ein Mitgliederladen, der biologische Produkte fair, nachhaltig, umsatzunabhängig und selbstbestimmt anbietet. Wer Mitglied wird, zahlt einen monatlichen Beitrag, der die Fixkosten des Projekts decken soll. Dafür gibt es Lebensmittel mit geringem Aufschlag. „Man kann natürlich auch ohne Mitgliedschaft einkaufen, zahle dann aber ein wenig mehr“, so Fabian bei unserem Besuch in der Wagenburgstraße.

Im Grunde gilt das solidarische Prinzip „man gibt, was man kann“. Wem der monatliche Beitrag zu hoch ist, redet einfach mit den Macher:innen. Wer mehr geben will, kann das herzlich gerne tun. „Eine Solidargemeinschaft funktioniert so: Man hilft einander“, betont Fabian. Der Zuspruch, den das Projekt bislang schon erfahren hat, zeigt es recht deutlich: Der Osten ist bereit für seine eigene kleine Utopie. Wie immer fängt es mit dem ersten Schritt an.

Nachhaltige Leichtigkeit

Den sind Johanna und Fabian längst gegangen. Sie haben sogar schon eine Location gefunden – Hinterhof inklusive, ein anheimelnder Ort mit pittoresk verfallener Scheune. Dort wollen sie Urban Gardening betreiben, Gemüse anbauen, Foodsharing betreiben. „Im Wandel.Handel wollen wir gemeinsam die Praxis üben“, sagt Johanna. „Nach nachhaltigen Lösungen suchen, sie debattieren und anbieten. Wandel.Handel soll in das große Thema eine gewisse Leichtigkeit bringen – mit einer gleichgesinnten Gemeinschaft, die an einem Ort unkompliziert zusammenkommen kann. Deswegen wollen wir auch ein kleines Bistro in dem Laden einrichten – als Ort des Austausches.“

Vom Denken zum Handeln

Diesem Projekt vorausgegangen war eine jahrelange und eingehende Beschäftigung der beiden mit dem komplexen Thema Nachhaltigkeit. „Wir haben mehr und mehr gemerkt, dass wir nicht nur unsere Freizeit damit verbringen wollen“, so Fabian. Der Erfolg ihrer Crowdfunding-Kampagne und die große Resonanz im Quartier geben ihnen Recht. Denn dass wir an unserem Konsumverhalten etwas ändern müssen sei eigentlich alles klar, meint Johann: „Die Problematik ist nicht, dass wir nicht über diese Themen Bescheid wissen. Die Problematik ist eher, vom Denken zum Handeln zu kommen. Das ist ein großer Schritt, doch ich finde es gerade jetzt in dieser Zeit wichtig, dass wir eine Vorwärtsbewegung machen ehe sich wieder alte Gewohnheiten einschleichen.“

Niemandem auf die Füße treten

Derzeit beteiligen sich 20 Menschen aktiv an der Gemeinschaft, noch mal 40 gehören zur erweiterten Wandel.Handel-Community. Ein guter Grundstock, um Solidarität und Nachhaltigkeit zu leben. Und ein echtes Stuttgart-Ost-Eigengewächs. „Für uns war klar, dass wir das Projekt hier im Osten verwirklichen wollen“, erzählt Fabian. „Weil wir hier wohnen, aber auch, weil sich viele Menschen hier einen solchen Laden wünschen. Wir haben durch dieses Projekt so viele wunderbare Menschen aus dem Viertel kennengelernt, von denen wir vorher gar nichts wussten. Manchmal wohnen sie nur zwei Häuser weiter“, so Fabian. Das Quartier zusammenbringen, das ist auch so ein Wunsch der beiden. Und es Stuttgart ein bisschen leichter machen, nachhaltig und eigenverantwortlich zu leben. „Nachhaltigkeit bedeutet für uns, so zu leben, dass man niemandem auf die Füße tritt – weder Mensch noch Tier oder Natur.“




Unsere Empfehlung für Sie