Verbraucherschutzminister Peter Hauk in Fellbach Spinat mit unerwünschter Fleischbeilage

Von Michael Käfer 

Der Verbraucherschutzminister Peter Hauk lobt die Arbeit des Chemischen und Veterinäruntersuchungsamts (CVUA) in Fellbach.

Das CVUA entdeckt: Kröten im Spinat und  Zähne im Brot. Foto: dpa
Das CVUA entdeckt: Kröten im Spinat und Zähne im Brot. Foto: dpa

Fellbach - Als Lektüre kurz vor dem Mittag-essen ist der 61 Seiten dicke Jahresbericht des Chemischen und Veterinäruntersuchungsamts (CVUA) Stuttgart nur sehr bedingt geeignet. Die Mitarbeiter der in Fellbach beheimateten und von Maria Roth geleiteten Prüfbehörde listen darin auch besonders kuriose Fälle aus der Lebensmittelüberwachung auf. So hatte eine Frau in einem Bauernbrot einen Zahn samt Wurzel entdeckt. „Leider war keine genauere Aussage möglich, von welcher Spezies der Zahn stammen könnte“, merken die Autoren trocken an. Als „auch für Nicht-Vegetarier als nicht mehr zum Verzehr geeignet“, beurteilen die Fachleute eine Portion Tiefkühlspinat. Darin fand sich eine – vermutlich bei der Ernte mit eingesammelte – Erdkröte.

Am Mittwoch stellte der Verbraucherschutzminister Peter Hauk den Jahresbericht 2015 der Lebensmittel- und Futtermittelüberwachung – darunter auch die Bilanz des CVUA in Fellbach – vor: „Die Verbraucher können sich darauf verlassen, dass die Kontrolle der Lebensmittel, des Trinkwassers und der Futtermittel im Land funktioniert“, sagte er. Während viele Fälle vermutlich auf Unachtsamkeit zurückzuführen sind, offenbart ein anderes Beispiel, mit welcher kriminellen Energie manch ein Lebenmittelverarbeiter ans Werk geht. In den Buletten einer Metzgerei wurden nicht nur ein buntes Spektrum krankmachender Keime, sondern zudem extrem hohe Konzentrationen von Reinigungs- und Desinfektionsmitteln gefunden. Vermutlich hatte der Metzger versucht, Gammelfleisch durch die Zugabe von Desinfektionsmitteln wieder aufzupeppen. „Es kann nicht sein, dass wenige schwarze Schafe die ganze Branche in Verruf bringen“, sagte Hauk.

Für Aufmerksamkeit sorgt auch ein Kürbisgewächs

Für viel Aufmerksamkeit sorgte auch ein Kürbisgewächs: „Tod durch Zucchini“, lautete die eine oder andere Schlagzeile. Hintergrund sind giftige Bitterstoffe, sogenannte Cucurbitacine, die sogar durch Kochen nicht zerstört werden und die Schleimhäute in Darm und Magen angreifen. Normalerweise ist das Gemüse durch die in ungewollten Kreuzungen entstehenden Bitterstoffe zwar ungenießbar, aber manche Menschen haben einen stark eingeschränkten Geschmackssinn.

Die 243 Mitarbeiter des CVUA, die sich 183 Planstellen teilen, haben im vergangenen Jahr insgesamt 15 811 Lebensmittel unter die Lupe genommen. Die Beanstandungsquote stieg dabei gegenüber dem Vorjahr von 15 auf 17 Prozent. Während es sich dabei oft lediglich um falsch deklarierte Lebensmittel handelt, ist im gleichen Zeitraum aber auch die Zahl der entdeckten gesundheitsschädlichen Proben von 45 auf 59 angestiegen. Die Bandbreite reichte von Salmonellen im Sesammus über Kunststoffteile im Brot bis hin zu überhöhten Chromgehalten in Lederwaren, denn sogenannte Bedarfsgegenstände zählen ebenfalls zum Untersuchungsspektrum (siehe Hintergrund). Von den 2277 in 2015 untersuchten Bedarfsgegenständen waren wie schon im Vorjahr 21 Prozent auffällig.

Die Arbeit der Spezialisten ist von Bedeutung für die wirtschaftliche Existenz von Tierzüchtern

Zumindest was die öffentliche Aufmerksamkeit angeht, steht die Tiergesundheitsdiagnostik etwas im Schatten der Lebensmittelüberwachung. Gleichwohl ist die Arbeit der Spezialisten von großer Bedeutung für die Gesundheit, aber auch die wirtschaftliche Existenz von Tierzüchtern. So kam es 2015 beispielsweise zu einer ungewöhnlich hohen Zahl an Ausbrüchen der Infektiösen Hämatopoetischen Nekrose. Die 1987 erstmals in Europa ausgebrochene Fischseuche kann innerhalb von wenigen Tagen den gesamten Bestand einer Forellenzucht vernichten.