Verdammt zum Kinoerfolg: „Fack ju Göhte 2“ Der Klassenkampf geht weiter

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Ein Kleingauner, der sich als Lehrer ausgibt, und seine multikulti Pisa-Versager-Klasse sind die größten deutschen Kinohelden. Nach dem Megaerfolg von „Fack ju Göhte“ liegt die kommerzielle Messlatte für die Fortsetzung hoch. Haben der Regisseur Bora Dagtekin und sein Hauptdarsteller Elyas M’Barek genügend Komik auf die Leinwand gebracht?

Werden diese Lehrer – Karoline Herfurth als Lisi Schnabelstedt  und Elyas M’Barek als Zeki Müller - in „Fack ju Göhte 2“ endlich die deutsche Bildungskrise lösen? Foto: Constantin Film Verleih GmbH 14 Bilder
Werden diese Lehrer – Karoline Herfurth als Lisi Schnabelstedt und Elyas M’Barek als Zeki Müller - in „Fack ju Göhte 2“ endlich die deutsche Bildungskrise lösen? Foto: Constantin Film Verleih GmbH

Stuttgart - Jetzt heißt es improvisieren. Die eher schlecht organisierten Problemkids von der Goethe-Gesamtschule sind auf Projektreise in Thailand. Und so, wie sie zuhause ohne Hausaufgaben und Manieren in den Unterricht kommen, sind sie nun ohne Zelte und Schlafsäcke angerückt. Die Liste an Erforderlichem ist zwar als Elternbrief rausgegangen. Aber wie sagt Zeynep? „Meine Eltern verstehen nur Türkisch!“ Und warum hat sie das Ganze dann nicht erläutert? „Der Brief war doch an meine Eltern!“ In dem als deutsche Schwergewichtshoffnung für Kinoumsätze startenden Klamauk „Fack ju Göhte 2“ sind die multikulturellen Kids kein bisschen schlauer als im schwindelerregend erfolgreichen Vorgängerfilm.

Schlimmer noch als die Vorstellung, im Freien schlafen zu müssen, ist allerdings der Gedanke an den Komfort der Rivalen. Die recht einheitlich biodeutschen Streber von der elitären Konkurrenzpenne, vom Schiller-Gymnasium, residieren in selbst gebauten Holzhütten mit Wlan, Solarstrom und Klimaanlage. In „Fack ju Göhte 2“ wird auch ein wenig der Klassenkampf geführt, und nicht unbedingt nur der zwischen Schulklassen.

Absichtlich schreiend geschmacklos

Das Wir-haben-nix-dabei-Problem der Goethe-Gang wird aber schnell gelöst. Schließlich gab es in Thailand mal einen Tsunami. In Strandnähe liegt noch das Holz zerschmetterter Hütten nebst einem Wirrwarr von Habseligkeiten der Ertrunkenen. Dieses Mahnmal sieht der Film vor allem als Wertstoffhof. Die Kids kramen mit fröhlichem „Krass, aber nützlich“-Gebaren nach Brauchbarem.

Ist das schreiend geschmacklos? Vermutlich. Aber die Kategorie „schreiend geschmacklos“ war schon die Geschäftsgrundlage von „Fack ju Göhte“, der 2013 als Teenie-Gaudi antrat und zum Überflieger überhaupt wurde. Mit rund 7,3 Millionen Besuchern hat er sich als vierterfolgreichster deutscher Film seit Beginn der Statistikführung in die Bestenlisten eingetragen. Bei solchen Einspielcoups hören die Geschmacksdiskussionen eben auf.

Große Auftritte für Chantal

Dass der Megaerfolg auch eine Belastung für die unvermeidliche Fortsetzung sein würde, war jedem Fan klar. „Fack ju Göhte 2“ ist unter dem Erwartungsdruck entstanden, erneut Fabelzahlen zu produzieren. Musste der Regisseur und Drehbuchautor Bora Dagtekin da nicht notwendig verkrampfen?

Spuren des Erfolgs zeigt „Fack ju Göhte 2“ durchaus. Fragt sich nur, ob man ihm ausgerechnet die als Fehler ankreiden soll. Beliebte Charaktere aus dem ersten Teil werden noch konsequenter mit großen Auftritten versehen. Die Kamera hängt sich für den nächsten Gag und Spruch an ihre Lippen. So umschmeichelt wird nicht nur die Zentralfigur, der von Elyas M’Barek gespielte Kleingauner Zeki Müller, der sich noch immer erfolgreich als Lehrer ausgibt, sondern vor allem dessen begriffsstutzigste Schülerin, die von Jella Haase gespielte Chantal.

Keine Schießbudenziele

Die ist endgültig ein Amalgam aller Unterschichtcharaktere der neuen deutschen Popkultur geworden, eine Verdichtung von Cindy aus Marzahn, den Prollkarikaturen aus Kai Twilfers Bestseller „Schantall, tu ma die Omma winken!“ und den Kurzzeithelden zahlloser Dokusoaps und Castingshows.

Nur dass Dagtekin, das muss man ihm lassen, solche Figuren nicht als Schießbudenziele für den Spott der Überheblichen freigibt. Er solidarisiert sich mit ihnen, inszeniert verherrlichend einen „Dumm ist cool“-Gag nach dem anderen. Man könnte zwar fragen, ob er da nicht den Teufel mit dem Beelzebub austreibt. Aber stellt man solche Fragen einem Titelverteidiger, der die 7,3-Millionen-Zuschauer-Latte reißen muss?




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