VfB-Ausblick Die Furcht vor dem Fehlstart

Geschockt: Vedad Ibisevic blickt dem Ball nach seinem Fehlschuss hinterher. Foto: dapd
Geschockt: Vedad Ibisevic blickt dem Ball nach seinem Fehlschuss hinterher. Foto: dapd

Stuttgart - Als Vedad Ibisevic nach seiner doppelten Fahrkarte gegen den VfL Wolfsburg aus elf und danach aus sechs Metern (88. Minute) frisch geduscht aus der Kabine kam, da ließ er im Gespräch mit den Reportern keinen gebrochenen Mann erkennen. Das ist hinsichtlich der bevorstehenden Aufgaben der Stuttgarter Profifußballer ein gutes Zeichen. Schließlich wird der VfB in dieser Woche mit den beiden Auswärtsspielen in der Europa League bei Dynamo Moskau am Dienstag (18 Uhr MESZ, Kabel 1) und danach beim deutschen Rekordmeister Bayern München am Sonntag in der Bundesliga (17.30 Uhr) nicht ohne den Torriecher des Bosniers auskommen, will er erfolgreich sein. Da ist es gut zu wissen, dass „Vedo“ Ibisevic ein Spielertyp zu sein scheint, der nach seinen Wochen des persönlichen Glücks beim VfB auch nach einem für ihn besonders herben Rückschlag schnell wieder auf die Beine kommt.

Den Sieg gegen Wolfsburg so dicht vor Augen – und am Ende durch das späte Tor des Niederländers Bas Dost sogar noch mit 0:1 verloren; aus emotionaler Sicht hätte es die VfB-Profis zum Auftakt der 50. Bundesliga-Saison kaum härter treffen können. Dass der Wolfsburger Trainermanager Felix Magath in der Sommerpause bei der Zusammenstellung seines Kaders einen guten Job gemacht hat, war während der 90 Minuten vor den 48.000 Fans in der Mercedes-Benz-Arena deutlich zu sehen. Wolfsburg war vom spielerischen Potenzial nicht nur verglichen mit Dynamo Moskau ein Schwergewicht. Dem VfL ist in dieser Bundesliga-Saison einiges zuzutrauen. Umso schmerzlicher ist es da für den VfB, dass letzten Endes nichts Zählbares heraussprang, obwohl sogar ein (dann allerdings schmeichelhafter) Sieg drin gewesen wäre.

Weil das Polster mit dem 2:0-Hinspielsieg dick genug ist, dürfte für die Stuttgarter in Moskau trotz dieser Enttäuschung aber nichts mehr anbrennen. Denn auch gegen Wolfsburg war zu sehen, dass die VfB-Defensive um den Leitwolf und Kapitän Serdar Tasci meist gut steht – die Situation vor dem 0:1 durch den frei am langen Pfosten stehenden Dost einmal ausgenommen. Doch wie Tasci, den seine Karbonschiene nicht beeinträchtigte, zeigte auch der zweite Innenverteidiger Maza ein gutes Spiel. So bildet die VfB-Viererkette ein Bollwerk, an dem sich Dynamo die Zähne ausbeißen dürfte.

Schlimmeres ist da fünf Tage später zu befürchten, wenn der VfB in der Münchner Allianz-Arena antreten muss. In der Höhle der „Mia-san-mia“-Bayern gibt es traditionell wenig zu holen: In 56 Pflichtspielen in Liga und Pokal seit 1960 gelangen dem VfB nur sieben Siege. Auch wenn die Stuttgarter – auch dies ist nicht mehr als eine Ausnahme – im März 2010 mit 2:1 beim Rekordmeister gewannen. So droht der Elf von Bruno Labbadia in dieser Saison nach dem bitteren 0:1 gegen Wolfsburg möglicherweise ein Fehlstart mit null Punkten nach zwei Spieltagen. Mit einer schnellen Rehabilitation würde es in diesem Fall auch nichts werden. Denn anschließend geht die Bundesliga in die Länderspielpause – und der VfB stünde bereits früh in der Saison vor dem zweiten Heimspiel am 15. September gegen Fortuna Düsseldorf gehörig unter Zugzwang.