VfB-Legende Karl Allgöwer wird 60 Für immer Wasen-Karle

Keiner hat im VfB-Trikot so oft gejubelt wie Karl Allgöwer. Foto: Baumann 21 Bilder
Keiner hat im VfB-Trikot so oft gejubelt wie Karl Allgöwer. Foto: Baumann

Karl Allgöwer, der erfolgreichste Torschütze der VfB-Geschichte, wird 60 Jahre alt. Unser Redakteur hat seine persönlichen Erinnerungen an einen in vielerlei Hinsicht ungewöhnlichen Fußballspieler niedergeschrieben.

Sport: Marko Schumacher (schu)
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Stuttgart - An jenem Mittwochabend im Dezember 1983, eine Woche vor meinem zwölften Geburtstag und drei Wochen vor dem Start des Privatfernsehens, durfte ich ausnahmsweise länger aufbleiben. Das dritte (und damit noch letzte) Programm übertrug live das Bundesliga-Auswärtsspiel des VfB Stuttgart beim Hamburger SV, obwohl sonst in der „Sportschau“ immer nur Ausschnitte von drei Partien kamen. Jetzt aber gastierte der Tabellenführer zum Abschluss der Vorrunde beim amtierenden Deutschen Meister und Europapokalsieger der Landesmeister – was für ein Spiel!

Bitterkalt muss es im Hamburger Volksparkstadion gewesen sein, jedenfalls bedeckte eine Reifschicht den Rasen, auf dem sämtliche HSV-Spieler ihren Dienst in langen schwarzen Unterhosen verrichteten. Ich selbst saß im warmen Wohnzimmer und zitterte ebenfalls, vor Aufregung. Dan Corneliusson, der ansonsten nicht übermäßig treffsichere Stürmer aus Schweden, hatte den VfB überraschend in Führung gebracht, doch die Hamburger drängten immer stärker auf den Ausgleich. Die Spannung wurde unerträglich, mein Vater, ansonsten Nichtraucher, rauchte Kette.

„Allgöwer, Allgöwer, ALL-GÖ-WER“

Nie werde ich den Moment vergessen, als kurz vor Schluss nach einem Bodenabschlag Karl Allgöwer nahe der Mittellinie an den Ball kam und ohne lange Unterhosen loslief Richtung HSV-Tor. „Allgöwer, Allgöwer“, rief Peter Ziehe, der Reporter des Süddeutschen Rundfunks mit immer lauter werdender Stimme. Und schließlich, nachdem Allgöwer den HSV-Tormann Uli Stein mit dem rechten Außenrist überlistet hatte: „ALL-GÖ-WER!!!“ Es war das 2:0, es war die Entscheidung.

Während Allgöwer an der Seitenlinie unter einem Berg jubelnder VfB-Ersatzspieler versank, darunter auch Mannschaftsbetreuer Richard Steimle im beigen Trenchcoat, lag ich zuhause im Wohnzimmer mit meinem Vater in den Armen. Ein halbes Jahr später wurde der VfB Deutscher Meister, knapp vor dem HSV, daran änderte auch das Rückspiel-0:1 im Neckarstadion nichts. Auf dem Marktplatz stand ich hinterher vor dem Rathausbalkon und und schaute stolz hinauf zu meinen Helden. Es war meine erste Meisterschaft als Anhänger des VfB Stuttgart, so schön und unbeschwert sollte es nie mehr werden.

In den 80er Jahren gab es viele VfB-Idole

Wer in den sorgenfreien 80er Jahren in Stuttgart aufgewachsen ist und VfB-Fan war, der konnte viele Idole haben. Erst Hansi Müller, den eleganten Spielmacher aus Stuttgart-Rot, dessen Pässe so gepflegt waren, wie sein pechschwarzes Haar; dann Asgeir Sigurvinsson, den stillen, kraftvollen, genialen Mittelfeldregisseur aus Island, den die verhassten Bayern verkannt hatten, was die Sache noch schöner machte; die Förster-Brüder oder Guido Buchwald, wenn man ein Freund kompromissloser Abwehrkunst war; oder später natürlich Jürgen Klinsmann, den größten aller VfB-Stürmer.




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