Bundesliga Warum der VfB Stuttgart den Videobeweis lieben müsste

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Von allen Teams der Fußball-Bundesliga hat eine Mannschaft bislang klar von der Einführung des umstrittenen Video-Schiedsrichters profitiert: der VfB Stuttgart.

Die VfB-Fans in der Kurve haben eine klare Haltung zum Videobeweis – obwohl gerade ihr Club der Hauptnutznießer ist. Foto: Baumann
Die VfB-Fans in der Kurve haben eine klare Haltung zum Videobeweis – obwohl gerade ihr Club der Hauptnutznießer ist. Foto: Baumann

Stuttgart - In Augsburg dudelte schon die Tormusik aus der Puppenkiste. Fans und Spieler des FC bejubelten das Ausgleichstor zum 1:1, ehe Schiedsrichter Tobias Stieler das Stadion mit einer zum Rechteck geformten Handbewegung zum Verstummen brachte. Videobeweis: Abseits, kein Tor. Der VfB und seine Anhänger durften sich freuen.

Dass im Gästeblock im Moment der Tor-Aberkennung ein Plakat mit der Botschaft „Videobeweis abschaffen!“ hochgehalten wurde, wirkte unfreiwillig komisch – und verdeutlicht das aktuelle Spannungsverhältnis zwischen Fans, Vereinen und Verbänden auf paradoxe Weise.

Schließlich hat der Bundesliga-Aufsteiger nicht nur bei jenem 1:0-Sieg in Augsburg von dem technischen Hilfsmittel profitiert. Der VfB Stuttgart ist auch über die gesamte Saison betrachtet der Hauptnutznießer des kleinen Helferleins aus Köln, das seit Beginn dieser Saison in der Bundesliga zum Einsatz kommt und noch immer umstritten ist. Den Nutzen für den VfB belegen aktuelle Auswertungen des Portals sportwetten.bild.de.

Auch der Videoschiedsrichter irrt

So revidierte der offiziell als Video Assistant Referee (VAR) bezeichnete Zweitschiedsrichter in den vergangenen 27 Spielen des VfB elfmal eine Entscheidung. Zehnmal profitierten die Stuttgarter – so viel wie kein anderes Team in der Liga. Für Werder Bremen und RB Leipzig etwa gab es noch keine einzige positive Beeinflussung. Nur einmal gereichte der VAR dem VfB zum Nachteil: Am dritten Spieltag auf Schalke (1:3) entschied der Schiedsrichter erst nach dem Funkkontakt mit Köln auf Strafstoß für die Gastgeber. Zu Recht, wie man hinzufügen muss, schließlich gibt die Statistik keinerlei Aufschluss über die Richtigkeit der nachträglichen Entscheidungen.

Dazu bedarf es der Einzelfallprüfung. Nach dieser waren vier der insgesamt zehn Fälle, in denen der Videoassistent in VfB-Spielen zugunsten der Roten zum Einsatz kam, falsch oder zumindest fragwürdig. Darunter die Rote Karte gegen den Freiburger Abwehrspieler Caglar Söyüncü beim 3:0-Sieg im Hinspiel in Stuttgart oder der (verschossene) Elfmeter von Simon Terodde am zweiten Spieltag gegen den FSV Mainz 05 (1:0). In anderen Fällen ging es um die Frage Freistoß oder Elfmeter beziehungsweise Gelb oder Rot – weshalb sich am Ende eine Frage definitiv nicht beantworten lässt: wo der VfB in der Tabelle ohne den Videobeweis stünde.

Hauptstreitpunkt Elfmeter

Denn selten ist der Fall so klar wie beim eingangs erwähnten Spiel in Augsburg mit dem aberkannten Abseitstor. Oder wie beim 3:2-Sieg in Köln. Dort nahm Schiedsrichter Sören Storks das vermeintliche 2:0 der Gastgeber nach einem Foul an VfB-Torwart Ron-Robert Zieler zurück. In den meisten Fällen der bisherigen Saison (knapp 60 Prozent) griff der Videoschiedsrichter bei strittigen Strafstößen ein. Es folgen Torentscheidungen. Nur in wenigen Szenen ging es um einen Platzverweis.

Fakt ist: Nach dem Tohuwabohu der Hinrunde scheint sich das System einzuspielen. Auch weil sich die Videoassistenten an die Vorgabe halten, nur noch in eindeutigen Situationen einzugreifen. Waren es in der Hinrunde noch 48 revidierte Entscheidungen (2,82 pro Spieltag), darunter elf falsche, reduzierte sich die Quote in der Rückrunde auf 1,33 pro Spieltag. Klare Fehlentscheidungen ließen sich keine mehr entdecken.

Nur die Champions League sperrt sich noch

Entsprechend hat sich die große Aufregung gelegt. Vergangene Woche verständigten sich die Bundesliga-Clubs darauf, von der nächsten Saison an den Test- in den Regelbetrieb zu überführen. In der zweiten Liga steht eine Testphase bevor. Bei der Weltmeisterschaft in Russland wird der Videoschiedsrichter sicher zum Einsatz kommen. Nur die Uefa mit der Champions League sperrt sich noch.

„Viele Fehlentscheidungen sind durch den Videobeweis korrigiert worden. Und im Vergleich dazu waren nur ganz wenige Entscheidungen unglücklich“, gibt VfB-Sportvorstand Michael Reschke das allgemeine Meinungsbild in der Bundesliga wider. Der Mann hat gut reden. Hieß es früher einmal: Über die Saison gleicht sich alles aus, muss der Leitsatz nun korrigiert werden: Für die einen mehr, für die anderen weniger. Bislang steht der VfB Stuttgart klar auf der Gewinnerseite.




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