Vorerst kein neuer Chef fürs ZKM Karlsruhe Der 75-Jährige hat laute Fürsprecher

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Das Land will Schaden vom ZKM abwenden – und beugt sich deshalb den Stimmen, die Peter Weibel noch länger als ZKM-Chef sehen wollen.

Peter Weibel würde das ZKM gern weiterhin leiten. Foto: dpa/Uli Deck
Peter Weibel würde das ZKM gern weiterhin leiten. Foto: dpa/Uli Deck

Stuttgart - Eigentlich wollte eine Suchkommission bereits in den nächsten Wochen einen möglichen Nachfolger für den ZKM-Chef Peter Weibel präsentieren. Auf Wunsch des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst wurden die Gespräche mit potenziellen Kandidaten aber unterbrochen. Die Staatssekretärin Petra Olschowski beugt sich damit dem öffentlichen Druck, der in den vergangenen Wochen und Monaten rund um das ZKM in Karlsruhe aufgebaut wurde. So hat nicht nur der 75-jährige Peter Weibel eine erneute Verlängerung seines Vertrag ins Spiel gebracht, auch mehrere seiner Künstlerfreunde und Mitarbeiter aus dem Haus haben sich öffentlich für ihn verwendet.

Potenzielle Nachfolger sollen nicht geschädigt werden

Kulturschaffende, Bürger und die Fördergesellschaft haben sich zu Wort gemeldet“, sagt Petra Olschowksi, außerdem habe es eine Unterschriftenaktion gegeben. Wie berichtet, will sie deshalb Gespräche mit Weibel über eine mögliche Verlängerung seines Vertrags aufnehmen, der noch bis Ende 2020 läuft. Damit will Olschowski Schaden von ZKM abwenden, wie sie nun erklärte. „Man kann über so eine Stimmungslage nicht einfach hinweggehen“, so die Staatssekretärin.

Die Diskussion werde sehr heftig geführt, deshalb sei die Situation prekär. „Das Risiko ist groß, einen Nachfolger, der hochkompetent ist, in dieser Stimmungslage zu verbrennen“, so Olschowksi. Da es sich beim ZKM um eine Stiftung handelt, ist es möglich, dass ein Vorstand auch jenseits des Rentenalters arbeitet, das in staatlichen Museen üblich ist. Erst im vergangenen Jahr hatte das baden-württembergische Ministerium Peter Weibels Vertrag noch einmal verlängert, aber auch eine Suchkommission eingesetzt, die die Nachfolge in die Wege leiten sollte. Mehrere dieser Kandidaten kämen allerdings aus dem Umfeld des ZKM, erklärte Olschowski jetzt, einige hätten angesichts der aktuellen Ereignisse signalisiert, dass sie nicht in dieser Situation nach Karlsruhe kommen wollten. „Sie fühlen sich Peter Weibel verbunden und wollen nicht im Konflikt mit ihm starten.“

Der Stiftungsrat hätte die Möglichkeit, einen Nachfolger durchzusetzen

Zuständig für Weibels Nachfolge ist der Stiftungsrat, in dem Vertreter vom Land und der Stadt Karlsruhe sitzen und der von einem Kuratorium beraten wird. Es wäre also möglich, am bereits laufenden Verfahren festzuhalten und eine Kandidatin oder einen Kandidaten zu ernennen. Sie halte es aber für ein Gebot der Vernunft, nicht gegen alle beratenden Gremien zu entscheiden und die Entscheidung einfach durchzusetzen, sagt Petra Olschowski. „Was sonst passiert, könnte allen schaden“, so die Staatssekretärin, „wir sollten einen Moment der Ruhe einlegen, wir haben ja keinen Druck.“

Die Berliner Volksbühne, die nach dem Weggang des langjährigen Intendanten Frank Castorf in eine große Krise stürzte, ist für die Staatssekretärin ein Negativbeispiel, das zeige, welches Risiko in einer solchen Nachfolgedebatte stecke und wie leicht man scheitern könne. Das will Olschowski für das ZKM vermeiden und auch den Ruf der international renommierten Kandidaten, die im Gespräch seien, nicht gefährden. Offen ließ Petra Olschowkis, um wie viele Jahre Peter Weibels Vertrag verlängert werden könnte. Sie sehe auch ihn in der Verantwortung, den Übergang gut mitzugestalten.