Waffendebatte in den USA Joe und sein tödlicher Keks

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Nach den jüngsten Schulmassakern nimmt die Waffendebatte in den USA bizarre Züge an. Schon das Knabbern an einem Keks, der Pistolenform annimmt, kann fatale Folgen für ein Kind haben.

 Foto: dpa/Symbolfoto
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Washington - Josh Welsh saß in seiner Schule und knabberte an einem Keks. Minutenlang bearbeitete der Achtjährige das süße Teigstückchen mit seinen Zähnen. Das Ergebnis ließ eine Lehrerin erschaudern. Sie sagte, der Keks habe wie eine Pistole ausgesehen. Josh sagte, er habe doch nur einen Berg aus dem süßen Teilchen machen wollen. Die Erklärung half nicht. Der Junge wurde für zwei Tage vom Unterricht suspendiert. Der Fall aus Baltimore im US-Bundesstaat Maryland ist ein Beispiel für die bizarren Wendungen, die eine ernsthafte Debatte in Amerika genommen hat. Vor knapp sechs Monaten tötete ein Amokläufer in der Grundschule von Newtown 20 Kinder. Seither ist das Thema Gegenstand hitziger politischer Auseinandersetzungen, die Bestrafung kindlichen Verhaltens wird zu einer Art Ersatzhandlung.

Da war die Geschichte von Melody Valentin, einer Fünftklässlerin aus Philadelphia. Sie wurde von der Schulleitung ermahnt, weil sie ein Papierstück weggeschmissen haben soll, das nach Ansicht von Lehrern eine Waffe dargestellt hat. Da war die Geschichte des Mädchens aus einem Kindergarten in Mount Carmel in Pennsylvania. Sie wurde nach Hause geschickt, weil sie mit einer Seifenblasen-Pistole spielte und gesagt haben soll, sie werde erst eine Freundin und dann sich selbst erschießen. Der Anwalt der Familie des Kindes sprach von hysterischen Reaktionen.

Und da war Josh Welsh mit dem Keks, der zu einer Waffe wurde. Sein Anwalt sagt, die Vorwürfe gegen seinen acht Jahre alten Mandanten seien lächerlich. Jedes Puzzle, das Florida oder Idaho zeige, habe mehr Ähnlichkeit mit einer Waffe als der angeknabberte Keks. Über die Beschwerde von Josh Welshs Eltern gegen die Suspendierung ist noch nicht entschieden. Doch Nicholaus Kipke schlägt bereits Kapital aus der Geschichte. Der republikanische Abgeordnete aus Baltimore verschaffte Josh eine lebenslange Mitgliedschaft in der mächtigen Waffenlobby-Organisation National Rifle Association. Er habe sich dafür geschämt, wie die Schulbehörde mit dem Jungen umgegangen sei, sagte Kipke unter dem Applaus seiner Parteifreunde. Nur Josh Welsh gab sich gelassen. Er spielte während der öffentlichen Veranstaltung mit seinem Handy.




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