Rosés werden immer anspruchsvoller erzeugt. Ihr Marktanteil steigt von neun auf 14 Prozent. Aus sechs Finalisten wählen unsere Leserinnen und Leser nun den Sieger der Württembergischen Roséweinmeisterschaft. Unter zehn Euro gibt es sehr hohe Qualität.

Lokales: Uwe Bogen (ubo)

Was macht einen Sommerabend auf der Terrasse draußen leicht, frisch und fruchtig? Ein guter Rosé ist Glück im Glas! Die Farbe ist mal schillernd, mal tiefpink, mal lachsfarben, mal ziemlich hell mit nur einem Hauch von Rot. Ist ein Rosé eine Mischung aus Rot- und Weißwein, wie viele meinen? In aller Regel nein. Rosé entsteht aus Rotweintrauben. Die rote Farbe beim Rotwein kommt aus den Schalen. Für den Rosé werden Trauben so schonend gepresst, dass der Saft nur wenig Farbstoff mitbekommt.

Anders verhält es sich beim Schillerwein, den bei der Württembergischen Roséweinmeisterschaft aus dem Studio S des Pressehauses Stuttgart Daniel Drautz, der Geschäftsführer der Genossenschaftskellerei Heilbronn und Vertreter der Jungwinzergruppe Triebwerk, vorgestellt hat. Dieser Rotling, wie ihn Önologen nennen, wird aus einem Gemisch weißer und roter Trauben hergestellt und verdankt seinen Namen der schillernden Farbe, nicht etwa dem in Marbach geborenen Dichter Friedrich Schiller, wie mitunter zu hören ist.

So unterhaltsam wie lehrreich

Bei den Weinproben, die Holger Gayer, Weinkolumnist und Geschäftsführender Redakteur unserer Zeitung moderiert, kann man immer etwas lernen – und wird dabei noch sehr gut unterhalten. Am langen, gemütlichen Holztisch fachsimpelt, informiert und amüsiert er wieder im Austausch mit Dieter Blankenhorn. Der Leiter der Staatlichen Lehr- und Versuchsanstalt in Weinsberg war schon im vergangenen Dezember Experte bei der Verleihung des ersten Publikumspreises im Weinland Württemberg in vier Kategorien von Rot und Weiß. Dieser neue, von unserer Zeitung erdachte Wettbewerb lässt erstmals die Verbraucher abstimmen. Bisher war es allein Sache von „Weinpäpsten“, die fürs Marketing der Winzer wichtige Auszeichnungen zu vergeben. In der Weinbranche kam die neue Verbraucherwahl so gut an, dass es nun eine Fortsetzung zunächst bei den Rosés gibt, den Umsatzbringern im Sommer. Im Dezember werden dann zum zweiten Mal die besten Rot- und Weißweine aus Württemberg prämiert.

Finalisten wurden aus 50 eingereichten Weinen ausgewählt

Drink Pink: Für die Vorauswahl bei der württembergischen Suche nach dem Superstar der Rosés haben die vier Weinkolumnisten unserer Zeitung – mit Holger Gayer sind dies Kathrin Haasis, Harald Beck und Michael Weier – sowie mit Dieter Blankenhorn bei einer sechsstündigen Blindverkostung (war wohl harte Arbeit, getrunken wird dabei nicht, sondern stets ausgespuckt!) unter 50 eingereichten Weinen die sechs Finalisten ausgewählt, unter denen unsere Leserinnen und Leser in den nächsten zehn Tagen den Sieger per Online-Abstimmung wählen. Die wichtigsten Erkenntnisse der Runde: Die Qualität der heimischen Rosé-Weine ist in den letzten Jahren deutlich gestiegen. Man muss also nicht mehr Flaschen aus Frankreich ordern. Weil die Nachfrage, keineswegs nur bei Frauen, wie das Klischee besagt, beim „Terrassenwein“ immer größer wird, geben sich die Winzer immer mehr Mühe dafür.

„Man muss ehrgeizig sein, wenn die Ansprüche hoch sind, oft bleibt Freizeit auf der Strecke“, sagt Joachim Fischer, Betriebsleiter vom Weingut Herzog von Württemberg, das mit I love Monrepos 2021 ins Rennen geht, einem Rosé aus Spätburgunder und Lemberger.

Zwei Frauen haben es ins Finale geschafft

Noch immer ist der harte Wengerterberuf mehrheitlich in Männerhand. Beim württembergischen Rosé-Wettbewerbe haben es aber zwei Frauen ins Finale geschafft: Anita Landesvatter ist mit einer Rebfläche von sechs Hektar erfolgreich in Brackenheim. Ihr 2020er Diefenbacher König Rosé trocken wird an diesem Abend als „eleganter, feiner und frischer Wein aus Lemberger und einem Hauch Muskat-Trollinger“ gerühmt. Die zweite Frau unter den Nominierten ist Antje Friedrich mit der Rosa Monde Cuvée Rosé 2020, die als Marketingleiterin der Marbacher Weingärtner Tradition mit Innovation verbinden will. Aus Pfaffenhofen ist Rainer Wachtstetter mit einem 2021er Muskat-Trollinger Rosé trocken nach Stuttgart angereist, den Kolumnist Michael Weier als „herrlich melodisch“ lobt. Dieser Wein sei „nicht zu laut“, sondern mit Süße und Säure „perfekt ausbalanciert“.

Bis zum 20. Mai können Vorschläge für Rot und Weiß eingereicht werden

Verführerisch himbeerrosa leuchtet der 2021er Rosé Erste Begegnung von Christian Escher aus Schwaikheim im Glas. Bei der Blindverkostung war Kolumnist Harald Beck gleich begeistert davon. Weil bei dieser Art des Testens alle Angaben fehlen, wusste er nicht, dass die Restsüße knapp 13 mg/l beträgt, es sich also um einen feinherben Wein handelt. Die Säure gleicht die Süße aus. Daniel Drautz vom Heilbronner Triebwerk, der sich an diesem Abend als Fan eines gekühlten Trollingers zu erkennen gibt, berichtet, dass viele Kunden zwar immer trockene Weine verlangen, weil deren Image besser seien, sich beim Probieren am Ende aber oft für halbtrockene Weine entscheiden.

Der Blick geht beim Team um Projektleiter Nico Bosch und Regisseur Ingo Dalcolmo weiter nach vorn: Für die zweite Württembergische Weinmeisterschaft in Rot und Weiß können sich Winzer noch bis zum 20. Mai anmelden per Mail unter: weinmeisterschaft@stuttgart-zeitung.de

Die gesamte Weinprobe inklusive der Rosé-Probe der Württembergischen Weinmeisterschaft findet man unter: swm-network.de/weinproben/#weinproben. Die vorgestellte Edition Rosé (alle sechs nominierten Flaschen) kann weiterhin für 49,90 Euro bestellt werden unter: www.shop711.de/collections/online-weinproben

Die Rosé-Finalisten bei der Württembergischen Weinmeisterschaft

Das Weingut Escher
 ist mit dem Rosé Erste Begegnung (6,50 Euro) 2020 ins Finale gekommen. Die Cuvée aus klassischen Sorten des Anbaugebiets bietet schöne Aromen von Erdbeere und Kirsche und besticht durch ihre Frische.

Das Weingut Herzog von Württemberg
 geht mit dem I love Monrepos 2021 (8 Euro) ins Rennen, der Rosé aus den Sorten Spätburgunder und Lemberger bietet klare Aromen von Kirsche und Erdbeere und bietet viel Trinkspaß.

Das Weingut Wachtstetter
schickt einen Muskat-Trollinger Rosé trocken 2021 (7,90 Euro) ins Rennen, der vor allem durch seine Eleganz besticht. Der Wein duftet nach reifen Früchten und balanciert Süße und Säure perfekt aus.

Die Weingärtner Marbach
bringen bei ihrem 2020er Rosa Monde Cuvée Rosé (6,50 Euro) fast alle Sorten des Anbaugebiets in die Flasche – und zaubern daraus einen wunderbaren, kräftigen Aromen und einer sehr schönen Balance.

Das Weingut Anita Landesvatter
bietet mit dem Rosé Diefenbacher König Rosé trocken 2020 (8 Euro) einen sehr eleganten Wein auf, der aus Lemberger und „einem Hauch Muskat-Trollinger“ gekeltert wurde. Fein und frisch ist dieser Vertreter.

Das Heilbronner Triebwerk
, die Jungwinzer der Genossen, feiert den Schillerwein trocken (9,90 Euro). Mit hochwertigen Rebsorten gelingt ihnen ein Verschnitt aus weißen und roten Sorten, der zu allerhöchsten Weihen verhilft. weih

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