Weltkriegs-Museum macht dicht Panzer zum Schnäppchenpreis

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Weil Besucher ausbleiben und das Geschäft schlecht läuft, muss ein Weltkriegs-Museum in der Normandie seine Panzer-und Militaria-Sammlung versteigern. Ein originaler amerikanischer Sherman-Panzer kostet zwischen 200 000 und 400 000 Euro.

Vater Patrick Nerrant mit seinen Söhnen Stéphane (links) und Olivier vor ihrem Sherman M4-Panzer, der am 18. September versteigert wird. Foto: Normandy Tank Museum 15 Bilder
Vater Patrick Nerrant mit seinen Söhnen Stéphane (links) und Olivier vor ihrem Sherman M4-Panzer, der am 18. September versteigert wird. Foto: Normandy Tank Museum

Canetan - Wer sich schon immer einen Panzer, einen Jeep, eine Selbstfahrlafette oder einen schweren Militär-Lkw aus dem Zweiten Weltkrieg in den Vorgarten stellen wollte, kann bald bei einer Versteigerung in Frankreich sein Glück versuchen: Das Normandy Tank Museum muss wegen akuten Geldproblemen schließen und versteigert seine illustre Sammlung.

Bei der Auktion am 18. September in der Gemeinde Catz (135 Einwohner), die zwischen den Städten Carentan und Bayeux liegt, kommt unter anderem ein originaler, 1944 gebauter US-M4-Sherman-Panzer unter den Hammer. Mit 55 000 Exemplaren ist das Stahlungetüm der meistgebaute Panzer überhaupt. Der Schätzpreis liegt zwischen 200 000 und 400 000 Euro.

 

Panzer, Jeeps und Geschütze kommen unter den Hammer

Versteigert werden noch weitere Kampf- und Schützenanzer, außerdem Lastwagen, Militärjeeps und Motorräder, Flugabwehrgeschütze, Ausstellungsfiguren in Kampfmontur und sogar ein kleines Flugzeug aus dem Zweiten Weltkrieg. Insgesamt stehen 130 Stücke des Normandy Tank Museums bei der Auktion „The D-Day Sale“ zum Verkauf, wie das Auktionshaus Artcurial in Paris mitteilt.

„Aus wirtschaftlichen Gründen habe ich mich entschlossen, das Museum zu schließen und die gesamte Sammlung zu verkaufen“, sagt der Gründer des Museum in der Gemeinde Catz bei Canetan, Patrick Nerrant. Das erst 2013 eröffnete Museum habe in diesem Jahr einen Besucherrückgang von 30 Prozent verkraften müssen, vor allem weil Touristen Frankreich aus Angst vor Terroranschlägen gemieden hätten. „Wir dachten, das Museum werde mehr Leute anziehen. Die Terroranschläge haben aber die Besucherzahlen stark negativ beeinflusst.“

Familie sammelt seit den 1980er Militaria

Der frühere Air-France-Pilot Nerrant sammelt zusammen mit seinem Vater Patrick und seinem Bruder Oliver seit den 1980er Jahren Panzer und andere Militärfahrzeuge aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs. Ihr Museum befindet sich nahe der fünf Strände, an denen die Alliierten am 6. Juni 1944 im Kampf gegen Nazi-Deutschland landeten. In der Region gibt es einen regen Tourismus rund um den D-Day. Nerrant bietet den Museumsbesuchern auch Überflüge über die Schauplätze der Gefechte und Panzerfahrten an. Bei den Anwohnern machte er sich damit nicht nur Freunde: Es gab mehrere Petitionen gegen das Projekt, wie er berichtet. Auch das habe ihn dazu bewogen, das Projekt einzustellen.

Museum auf dem Airfield A10

Das Normandie Tank Museum befindet sich in einer 3000 Quadratmeter großen Lagerhalle auf dem Gelände des früheren Airfield A10 nahe der Kleinstadt Carentan auf der französischen Halbinsel Cotentin. Hier fand vom 8. bis zum 15. Juni 1944 im Rahmen der alliierten Operation Overlord auf der französischen Halbinsel Cotentin im Département Manche statt. Carentan liegt im Hinterland des Strandabschnittes Utah, an dem die Amerikaner am 6. Juni landeten.

Nachdem es den Landungstruppen nicht gelungen war, am 6. Juni die Verbindung der beiden amerikanischen Brückenköpfe Utah- und Omaha-Beach herzustellen, beschloss das US-Oberkommando einen Angriff auf Carentan durch die 101. Luftlandedivision. Da Carentan in der deutschen Verteidigung der Normandie eine Schlüsselstellung einnahm und von hier ein Gegenangriff gestartet werden konnte, war die Eroberung der Stadt ein erklärtes Hauptziel der Alliierten.

Schlacht um Carentan

Um die Invasionstruppen mit Nachschub zu versorgen wurde der Flugplatz A10 Airfield planiert und am 19. Juni – 13 Tage nach Beginn der Invasion – eröffnet. A10 Airfield war eine wichtige Ausgangsbasis für Jagdbomber zur Luftunterstützung und für die Landung von Transportflugzeugen. Innerhalb weniger Wochen wurden auf dem Rollfeld mehr als 320 000 Soldaten eingeflogen und über 100 000 Tonnen Material abgefertigt.

Von hier aus begann auch der Angriff der 101st US-Airborne Division (Fallschirmspringer). US-Regisseur Stephen Spielberg hat die Schlacht um Carentan in seiner TV-Serie „Band of Brothers“ verfilmt. Auch in dem amerikanischen Kriegsfilm „Der längste Tag“ aus dem Jahr 1962, einem der aufwändigsten und teuersten Kriegsfilme aller Zeiten, spielt die Eroberung von Carentan eine zentrale Rolle.




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