ZDF-Krimikomödie: „Höhenstraße“ Lauter quälende Kleingeister

In der schwarzen Krimikomödie „Höhenstraße“ zeigt der Österreicher David Schalko („Braunschlag“) sein Land als Hort des Bösen: Zwei falsche Polizisten ziehen eine Entführung durch.

Buchstäblich in Räuberzivil: die falschen Polizisten Roli (Nicholas Ofczarek, li.) und Ferdi (Raimund Wallisch) Foto: ZDF 9 Bilder
Buchstäblich in Räuberzivil: die falschen Polizisten Roli (Nicholas Ofczarek, li.) und Ferdi (Raimund Wallisch) Foto: ZDF

Stuttgart - Eine lauschige Nacht auf Wiens Höhenstraße. Ein paradiesgartennacktes junges Liebespaar keucht und schwitzt in einem geparkten Auto vor sich hin und hat keinen Blick für das Panorama der nächtlichen Stadt. Aber dann wird der innige Sex doch gestört – von zwei Polizisten, die an die Scheiben klopfen und ihre Wir-müssen-mal-nach-dem-Rechten-schauen-Routine abspulen.

Das könnte bei einer kleinen Peinlichkeit bleiben, wäre „Höhenstraße“ nicht eine Krimigaudi von David Schalko. Dieser 1973 in Niederösterreich geborene Regisseur und Autor setzt die große Tradition seiner Landsleute fort, die eigene Heimat als Ekzem der Menschheitsgeschichte zu schildern. Also werden die Polizisten bald richtig unverschämt, als seien Bürgerrechte ein Kinderglaube wie der an lila Einhörner und rosa Drachen.

Eine Kontrolle entgleist

Auch wenn die Liebenden bald nackt vor ihren Quälgeistern stehen und obwohl sie das geforderte Schmiergeld nicht aufbringen können – sie kommen noch glimpflich davon, gemessen an dem, was die nächsten Kontrollierten erwartet. Als die Ordnungshüter einen weiß- und einen dunkelhäutigen Mann entdecken, ist ihnen gleich alles klar: Das müssen ein Illegaler und sein Schlepper sein.

So wie diese Kontrolle entgleist, wird deutlich: Roli (Nicholas Ofczarek) und Ferdi (Raimund Wallisch) können keine Polizisten sein. Nicht einmal österreichische in einer Satire von David Schalko. Es handelt sich um zwei ehemalige Wachleute, die allabendlich in Uniformen und mit einem falschen Polizeiauto, das sie tagsüber vorsichtshalber unter einer Plane verstecken, ihre Mitbürger für läppische Vergehen abzocken.

Schikane und Rassismus

Schalko geht es nicht um kriminellen Broterwerb. Der Mann, der etliche Wiener „Tatort"-Folgen gedreht hat, seine sehr skeptische Einschätzung der Werte seiner Mitmenschen aber noch viel besser in den Serien „Braunschlag“ und „Altes Geld“ entfalten konnte, will auf anderes hinaus. Ihm geht es um eine Sehnsucht nach obrigkeitlicher Macht, um Schikanewillen und Gemeinheit, teils aus sexueller Frustration, um selbstgewissen Rassismus und aggressive Kleingeistigkeit. Roli und Ferdinand entführen ihre neuesten Opfer (nennen das aber Festnahme) und fädeln eine Lösegelderpressung ein, bei der Roli sich als Kriminalmajor bei den Erpressten einschleicht.

Alle Figuren, die in „Höhenstraße“ auftauchen, marschieren ein paar Meter neben der Straße der Vernunft durchs Leben. Manchmal ist das wunderbar komisch, manchmal schrammt es am Mitleidlosen entlang, aber immer ist Schalkos Programm ganz klar. Er versucht sich ein Land auszudenken, in dem die Gestalten des Ibiza-Videos zur gewählten Führungselite gehören können. Weil das Ergebnis so aussieht wie in „Höhenstraße“, möchte Schalko wohl, dass wir ächzen: „Das kann doch gar nicht wahr sein!“ Und von uns Deutschen möchte er vielleicht, dass wir sagen: „Sieht es hinter den Gardinen wirklich nur in Österreich so aus?“

Ausstrahlung: Mittwoch, 12. Juni 2019, 20.15 Uhr