Ziegenhof Kohl im Schwäbischen Wald Diese Geißen haben nichts zu meckern

Von  

Simon Kohl betreibt im Haupterwerb einen Ziegenhof mit 60 Geißen. Er lebt von den Milchprodukten, die er in der eigenen Käserei herstellt – und vom Fleisch der Zicklein. Wichtig ist ihm dabei immer das Wohl der Tiere.

Seit rund vier Jahren kann Simon Kohl von seinem Ziegenhof leben. Foto: Gottfried Stoppel 5 Bilder
Seit rund vier Jahren kann Simon Kohl von seinem Ziegenhof leben. Foto: Gottfried Stoppel

Plüderhausen - Neugierig schnuppert das kleine braune Kitz an der Hose, meckert kurz und springt davon: zu den anderen Zicklein, die über einen Baumstamm klettern oder auf die schmale Brüstung an der Wand steigen. „Ziegen sind schlimmer als Kinder, die probieren alles aus“, sagt Simon Kohl und lacht.

Rund 60 Geißen leben in seinem großen Stall, dazu kommen derzeit noch einmal fast doppelt so viele Zicklein. Dass diese ihr – zugegeben meist kurzes – Leben mit ihren Müttern verbringen dürfen, ist nur eine der vielen Besonderheiten des Ziegenhofs Kohl, der zwischen Breitenfürst und Pfahlbronn liegt. Eigentlich ist Simon Kohl Forstwirt. Um sich das Mähen des familieneigenen Gartengrundstücks zu ersparen, hat er sich vor 15 Jahren die ersten Burenziegen angeschafft – diese Rasse ist für die Landschaftspflege besonders geeignet. Weil die Nachbarn seine Tiere mieteten, wurden der Bedarf und damit die Herde immer größer.

Die ganze Familie hilft auf dem Ziegenhof Kohl mit

Nach dem Zivildienst hatte sich für Kohl die Frage gestellt: Zurück in den alten Beruf oder ganz auf die Ziegenhaltung setzen? Simon Kohl wagte den Sprung in die Landwirtschaft – mithilfe seiner Eltern. Der Vater arbeitete im Stall mit, die Mutter machte eine zweijährige Ausbildung zur Hofkäserin. Der Betrieb stellte auf Milcherzeugung um und deswegen auf die bunte deutsche Edelziege. Zudem schaffte Kohl zwei französische Böcke an, deren Gene für noch bessere Euter sorgen sollen. „Irgendwie bin ich in das Thema reingerutscht, und dafür, dass es von uns niemand so richtig gelernt hat, sind wir zufrieden“, sagt der 36-Jährige.

Seit mittlerweile vier Jahren kann Simon Kohl von seinem Ziegenhof leben; er verkauft Ziegenmilchprodukte und das Fleisch der Zicklein. Das Wohl seiner Tiere ist ihm dabei wichtig. Das zeigt sich nicht nur in der Klassifizierung als Biolandbetrieb, an dem großen luftigen Stall mit Blick auf den Wald, an der angeschlossenen Weide mit dem für Ziegen idealen Steilhang. Sondern es zeigt sich zum Beispiel auch daran, dass Simon Kohl wochenlang auf einen Großteil der Ziegenmilch verzichtet – weil die Zicklein an den Eutern ihrer Mütter trinken dürfen, die natürliche Bindung erhalten bleiben soll.

Die streng riechenden Böcke leben getrennt von der Herde

„Viele Betriebe arbeiten mit Kuhmilchpulver und Automaten, an welchen die Zicklein trinken. Aber das ist doch kein richtiger Ziegenhof“, meint Simon Kohl. Er geht einen anderen Weg: Bevor die Lämmer kommen, haben seine Ziegen eine zweimonatige Melkpause. In der Zeit, in der die Zicklein da sind, kann Kohl nur mit rund 50 Litern Milch täglich rechnen – zu Normalzeiten geben seine Ziegen mehr als das Doppelte.

Mitte Februar ist der Großteil der Zicklein zur Welt gekommen, am 1. April ist der erste Schlachttermin. „Wir richten uns beim Geburtstermin nach Ostern“, erläutert Kohl und ergänzt: „Unser System funktioniert nur, wenn wir das Fleisch der Zicklein verkaufen können. Aber es gibt immer noch Vorurteile, die Angst, dass das Fleisch bockelt“, sagt er. Damit dies nicht passiert, leben die zwei Böcke der Herde in einem extra Gehege – denn sie sondern den strengen Duftcocktail ab, der sich auch im Fleisch festsetzt.

Der Ziegenhalter schwärmt von der Qualität des Fleisches, die sich offensichtlich langsam herumspricht: „Wir haben 50 Vorbestellungen für ganze Zicklein“, erzählt Kohl, der jedes Jahr rund 20 Tiere für die eigene Nachzucht behält. Die Jungtiere dürfen ein Jahr zur Landschaftspflege auf die Weide. Kohl hält nichts davon, die Ziegen sofort decken zu lassen: „Die Tiere sind dann noch arg klein.“

Quark, Joghurt und verschiedene Käsesorten entstehen in der Hofkäserei

Sein Tag beginnt mit dem Melken der Ziegen, die wie Kühe durch einen Melkstand gehen. Dann arbeitet er in die Käserei – durch Kurse hat sich Simon Kohl mittlerweile das Handwerkszeug dafür angeeignet. Joghurt, Frischkäse, Camembert, griechischer Weichkäse und verschiedene weitere Käsesorten verlassen die Manufaktur. „Manche holen sich auch Ziegenmilch und die Molke“, sagt Kohl; einige Kunden kämen sogar aus dem Heilbronner Raum. Die Produkte verkauft er im Hofladen, an die regionale Gastronomie, aber auch über einige Supermärkte. Den regionalen Absatz zu vergrößern und einen Mitarbeiter einzustellen, das sind seine nächsten Ziele. Aber: „Der Kunde am Regal entscheidet über Betriebe wie unseren mit.“




Veranstaltungen

Unsere Empfehlung für Sie