Zum Tod von Charlie Daniels Eine Hymne für den Ku-Klux-Klan

Er hat mal mit Bob Dylan gespielt und auch mit Leonard Cohen. Aber bekannt wurde Charlie Daniels als konservativer Country-Star. Aber vor allem in seinen jungen Jahren hat er sich manchmal geärgert, wer da mitgrölte bei seinen Liedern.

Charlie Daniels war einer jener US-Stars, die in Europa nur relativ wenige kennen. Foto: AFP/Rick Diamond
Charlie Daniels war einer jener US-Stars, die in Europa nur relativ wenige kennen. Foto: AFP/Rick Diamond

Nashville - Rednecks in den 70er-Jahren hatten gleich mehrere Hymnen, die sie grölen konnten, um zu drohen, ein extrem konservativer Teil der USA werde sich allen Modernisierungen und Liberalisierungen widersetzen. Eine davon war „Sweet Home Alabama“ von Lynyrd Skynyrd. Eine andere stammte von der gerade auf dem Weg vom Südstaatenrock zum Country befindlichen Charlie Daniels Band: „The South’s gonna do it again“. Was Daniels da zu wildem Gefiedele ins Mikrofon jauchzte, das klang Rechtsextremen noch viel süßer als „Sweet Home Alabama“: als drohe der rassistische Süden da, bald wieder einen Bürgerkrieg vom Zaun zu brechen. Dabei hatte, Daniels der nun am 6. Juli 2020 im Alter von 83 Jahren in Nashville gestorben ist, das alles ganz anders gemeint.

Wem gehören Symbole, wer kann sie für sich reklamieren? Mit dieser Frage ging die Gegenkultur in den USA in den Sechzigern und Siebzigern arg lässig um. Der fatalste Versuch, anders, aufmüpfig und provokant zu sein, betraf die Symbolik des alten Sklavenhalter-Südens. Dessen Erben kämpften zwar mit allen Mitteln, auch mit offenem Terror, Mord und Totschlag gegen die Bürgerrechtsbewegung und die Gleichstellung der Afroamerikaner. Aber in der Gegenkultur machte sich eine verwegene Idee breit: Die US-Flagge Stars and Stripes stand in ihren Augen für die Herrschaft des Geldes, für den Vietnam-Krieg, für einen autoritären Staat. Also akzeptierte sie die Konföderierten-Flagge und manches andere aus der Mir-san-mir-Mythologie des Südens als Signal der Abgrenzung.

Der Süden auf dem Marsch

Noch mal zum Mitschreiben: Liberale, Freaks und Langhaarige wollten gegen Konservative protestieren, indem sie die Symbole der Ultrakonservativen und der einstigen Sklavenhalter für sich nutzen. Immerhin, im Musikbereich war der andere, ärmere Süden, der weniger Wert auf Geld und Status und mehr Wert auf Lebensqualität und menschliche Wärme setzte, durchaus auf dem Marsch.

Daniels kam aus dieser Bewegung. Er hatte auf der LP „Nashville Skyline“ von Bob Dylan mitgewirkt, mit der die Ikone der Linken den weißen Country für sich wiederentdeckte. Das hatte dem Multiinstrumentalisten Daniels viele Türen geöffnet. Er spielte mit Leonard Cohen und Ringo Starr und auf weiteren Dylan-Alben. Aber der belastbare eigene Erfolg blieb aus. Tatsächlich sollte die Charlie Daniels Band erst 1979 ihren Durchbruch im ganzen Land erleben, mit dem rasch Klassikerstatus erringenden Hit „The Devil went down to Georgia“. Da hatte Daniels gelernt: Je konservativer er wurde, desto beliebter wurde er.

Waffen und Familie

1973 aber schämte er sich noch für Missverständnisse. „The South’s gonna do it again“, dieses Lied nannte und grüßte einfach viele Musikerkollegen aus dem Süden, von Elvin Bishop über die Marshall Tucker Band bis hin zu ZZ Top. Mit dem, was der Titel ankündigte, dass der Süden nachlegen würde, war nur gemeint, dass nun noch viel mehr tolle Musik von hier kommen werde. Aber Daniels’ eigentliche Intentionen zählten nicht. Am Ende nutze sogar der Ku-Klux-Klan den Song für Werbekampagnen im Radio. Ein Klansmann wurde Daniels nie, aber sehr viel konservativer. Immer wieder hat er sich später gegen die modernen Ausformungen jener Aufbruchsbewegung gestellt, deren Teil er mal war. In seinen schlimmsten Momenten hat er im besten Trump-Ton gewütet, die Medien versuchten, „den Amerikanern eine sozialistische Agenda den Schlund hinunter zu rammen“. Auch die National Rifle Association konnte stolz auf ihn sein. „Ich liebe mein Land. Ich liebe meine Waffen. Ich liebe meine Familie“, zählte er in bedenklicher Reihenfolge auf, wie seiner Meinung nach jeder Amerikaner ticken sollte. Aber die Dinge sind eben nie so ganz klar und einfach. Im April 2014 hat der da schon 77-jährige erzkonservative Knochen ein liebevoll-schwungvolles Album mit Bob-Dylan-Covern veröffentlicht, „Off the Grid“, das man durchaus mal gehört haben sollte.




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