Ärger über Unrat auf den Fildern Mit der Sonne kommt der Verpackungsmüll

Ausgetrunken und weggeworfen: Manche ist der Weg zum nächsten Mülleimer offenbar zu weit. Foto: dpa/Gregor Fischer
Ausgetrunken und weggeworfen: Manche ist der Weg zum nächsten Mülleimer offenbar zu weit. Foto: dpa/Gregor Fischer

Kaffeebecher, Burger-Boxen, Pizzaschachteln: Gabi Seiffer aus Filderstadt ist entsetzt darüber, wie viel Abfall überall herumliegt. Zwei Städte bestätigen, dass sich durch Corona einiges geändert habe.

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Filder - Gabi Seiffer aus Bernhausen ist eine passionierte Radlerin. Sie ist viel draußen – und entsprechend viel sieht sie dabei. Vor allem viel Müll. Pappbecher, Boxen von Burgern, Döner-Alufolie liegen in Grünstreifen, am Fleinsbach, auf Parkplätzen. „Eine Unart, die immer mehr um sich greift, ist, den Verpackungsmüll einfach dort zu entsorgen, wo man ihn nicht mehr braucht“, sagt sie. Seit Jahren häufe sich das, und „meiner Meinung nach ist dieses Problem dringender denn je. Dank Corona und geschlossener Lokale wird sich in den wärmeren Monaten dieses Ärgernis noch verstärken“.

Dass mit der Sonne auch der Müll kommt, dieses Phänomen ist nicht neu. „In Stuttgart hat die Vermüllung in den letzten Jahren deutlich zugenommen. Unter den weggeworfenen Abfällen leiden das Erscheinungsbild unserer Stadt und das Wohlbefinden sowie die Lebensqualität der Bürger“, hatte der damalige OB Fritz Kuhn bereits im August 2017 moniert. Hotspot waren und sind beliebte Stadtplätze, etwa der Santiago-de-Chile-Platz in Degerloch. „Um der Vermüllung entgegenzuwirken, fährt die Stadt einen mehrgleisigen Kurs“, erklärt der Verwaltungssprecher Martin Thronberens. Über die Imagekampagne „Sauberes Stuttgart“ wird versucht zu sensibilisieren. Gleichzeitig wurden die Kontrollen verstärken und das Bußgeld erhöht. Neue Eimer wurden aufgestellt, außerdem werden die Tonnen häufiger geleert, teilweise sogar sonntags.

Pfandsystem als Lösung

Gabi Seiffer ist die Natur wichtig. Sie ist sowohl im Vorstand der Schutzgemeinschaft Filder als auch im Umweltbeirat der Stadt Filderstadt. Ihr schwebt schon lang ein Pfandsystem vor, um den To-go-Müll zu reduzieren. Einen „Filderbecher“ sähe sie gern. „Das geht nur über den Geldbeutel“, glaubt sie. Anderswo gibt es so was. In Stuttgart hat die Verwaltung im Oktober 2019 mit der Firma Recup ein Pfandsystem für Kaffeebecher initiiert, Esslingen hat seit Ende 2018 den Stadtbecher. Auch für Filderstadt gibt es Überlegungen, bestätigt Claudia Arold vom Umweltschutzreferat. Sowohl der Jugendgemeinderat als auch die Klimaschutzmanagerin arbeiteten an Ideen.

Liegt seit Corona tatsächlich mehr Müll rum? Ja, sagt Norbert Branz. Dem Filderstädter Tiefbauamtsleiter ist die Stadtreinigung unterstellt, und die habe mehr zu tun. „Die Sorglosigkeit der Menschen ist größer, und die Identifikation mit dem öffentlichen Raum hat abgenommen“, findet er. Die Verwaltung werde dem jetzt, wo sich wieder mehr Leute draußen aufhalten, mit mehr Einsatz begegnen. „Wir werden die Stadtreinigung stärken“, kündigt er an.

Auch in Stuttgart wird schon seit Jahren immer mehr Müll in Grünanlagen und in öffentlichen Mülleimern entsorgt, erklärt Martin Thronberens. „Manche Mitbürger lassen ihren mitgebrachten Müll einfach fallen, obwohl der nächste Mülleimer nur wenige Schritte entfernt ist.“ Seit Corona würden in öffentlichen Tonnen zudem verstärkt Hausmüll und Take-away-Reste entsorgt. „Die Einwurföffnungen werden zum Teil durch Pizzakartons blockiert. Hierfür sind sie jedoch nicht konzipiert und laufen daher über.“

Auch Wirte stören sich an Verpackungsmüll

Die Wirte wiederum haben in der Pandemie wenig Spielraum. Sie müssen ihre Speisen verpacken, um sie verkaufen zu können. Viele stören sich an den Müllbergen, die sie im To-go-Geschäft verursachen. Auch Hüseyin Kahraman, der Betreiber des Cafés Mela in Echterdingen, ärgert sich, „aber ohne Verpackung geht es nicht“. Er hat da, wo es geht, auf biologisch abbaubare Boxen umgestellt, außerdem bietet er Becher und Bowls im Pfandsystem an. Das klappe aber nur mäßig. „Leider sind die Kunden nicht bereit, das zu zahlen, obwohl sie das Geld zurückbekommen.“




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