Analyse zum Remis gegen Osnabrück Die blanke Verzweiflung beim VfB Stuttgart

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Der VfB Stuttgart hat einen Sieg gegen den VfL Osnabrück verpasst – verdient wäre er auch nicht gewesen. Was ist schief gelaufen? Besteht Hoffnung auf Besserung? Unsere Spielanalyse „Fünferkette“.

Frustrierte VfB-Routiniers: Mario Gomez (links) und Gonzalo Castro Foto: Baumann
Frustrierte VfB-Routiniers: Mario Gomez (links) und Gonzalo Castro Foto: Baumann

Stuttgart - Niemand mag Geisterspiele, doch haben sie aus Sicht der Kicker auch einen entscheidenden Vorteil. Kein Sturm der Entrüstung entlud sich nach dem Schlusspfiff des Zweitligaspiels zwischen dem VfB Stuttgart und dem VfL Osnabrück auf den Rängen der Mercedes-Benz-Arena. Ohne Pfiffe und auf direktem Wege durfte sich die Mannschaft des Gastgebers in die Kabine begeben, nachdem sie gegen den Aufsteiger aus Niedersachsen bitter enttäuscht hatte. Der Gang vor die Fankurve – er wäre in normalen Zeiten zum Spießrutenlauf geworden.

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0:0 hieß es am Ende – für den VfB ein herber Rückschlag im Kampf um die Rückkehr in die Fußball-Bundesliga. Der Punkt für den leidenschaftlich kämpfenden Gegner sei verdient, erklärte Trainer Pellegrino Matarazzo, was zweifellos stimmte. Verdienter jedenfalls war er als der Punkt, der dem Konto des VfB zugeschrieben wurde. Es war der einzige aus sechs Partien gegen die Underdogs des SV Wehen Wiesbaden, von Holstein Kiel und dem VfL Osnabrück. Eine erschütternde Bilanz für eine Mannschaft, die nach Meinung von Sportdirektor Sven Mislintat auch in der Bundesliga mithalten könnte.

Woran hat es diesmal gelegen? Was macht Hoffnung für die verbleibenden vier Spiele? Das versuchen wir in unserer Spielanalyse „Fünferkette“ zu beantworten.

Spielidee: VfB-Trainer Pellegrino Matarazzo blieb seinem 4-1-4-1-System treu, in dem seine Mannschaft nach Ende der Corona-Zwangspause erst zwei Spiele verloren und dann zwei gewonnen hatte. Heißt: Als einzige Spitze sollte Hamadi Al Ghaddioui die Abwehr beschäftigen und Räume für die Mitspieler schaffen. Doch blieb er so wirkungslos wie die anderen Angreifer, die im Laufe des Spiels ihr Glück versuchten. Beherzter Einsatz reichte den spielerisch limitierten Gäste, um die vermeintlich beste Mannschaft der zweiten Liga vom eigenen Tor fernzuhalten.

Spielentscheidend: Pomadig und ideenlos agierte der VfB vom Anfang bis zum Ende und schaffte es nicht, sich nennenswerte Torchancen herauszuspielen. Auch von der Bank kamen keinerlei Impulse. Blass blieb wieder einmal Philipp Klement, während Silas Wamagituka so gut wie jeden Zweikampf verlor. Und Mario Gomez musste bis kurz vor Schluss warten, bis auch er noch aufs Feld durfte. Doch hatte sich da längst die blanke Verzweiflung breit gemacht.

Spielentscheider: Schmerzlich vermisst wird beim VfB nicht erst seit dem Osnabrück-Spiel ein Torgarant, wie es Mario Gomez in besseren Zeiten und Simon Terodde nach dem letzten Abstieg war. Der VfB hat keinen Spielentscheider in seinen Reihen, das ist eines der größten Probleme. Der unbedingte Siegeswille war am ehesten bei Holger Badstuber erkennbar, doch ist er nun einmal als Innenverteidiger tätig.

Wortspiel: „Da muss von uns mehr kommen – mehr Zug zum Tor, mehr Wille.“ Das sagte VfB-Torhüter Gregor Kobel und traf den Nagel auf dem Kopf. Beängstigend, dass es in dieser Phase der Saison, in der es um alles oder nichts geht, der Wille fehlt. Matarazzo hingegen konnte nicht erkennen, dass es an der nötigen Einstellung gemangelt habe – die gewaltigen Offensivprobleme räumte aber auch der VfB-Coach ein.

Spielplan: Beim Karlsruher SC geht es für den VfB am nächsten Sonntag (13.30 Uhr) weiter. An Brisanz wird es dem Derby auch ohne Zuschauer nicht fehlen. Die Badener kämpfen als Tabellen-16. um den Klassenverbleib – und dürften es als Herzensangelegenheit empfinden, dem VfB den Aufstieg zu vermasseln. Die Stuttgarter werden sich deutlich steigern müssen – fragt sich nur, wo die Leistungsexplosion so plötzlich herkommen soll. In den fünf Spielen nach der Corona-Pause hat der VfB nur in einer Halbzeit überzeugt: In den zweiten 45 Minuten gegen den HSV (3:2), als es nach dem 0:2-Rückstand nichts mehr zu verlieren gab. In Karlsruhe hingegen gibt es sehr viel zu verlieren.




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