Bilanz für 2016 Elring-Klinger sieht sich für E-Autos gerüstet

Ein Produktionsmitarbeiter kontrolliert in Dettingen an der  Erms, dem Firmensitz von Elring-Klinger,  eine Zylinderkopfdichtung. Das ist laut Vorstandschef Stefan Wolf  das einzige Produkt der Firma, das bei einem E-Fahrzeug nicht benötigt werde. Foto: Elring-Klinger
Ein Produktionsmitarbeiter kontrolliert in Dettingen an der Erms, dem Firmensitz von Elring-Klinger, eine Zylinderkopfdichtung. Das ist laut Vorstandschef Stefan Wolf das einzige Produkt der Firma, das bei einem E-Fahrzeug nicht benötigt werde. Foto: Elring-Klinger

Der Autozulieferer Elring-Klinger will mit seiner Sparte Elektromobilität 2017 erstmals schwarze Zahlen schreiben. Groß geworden ist der baden-württembergische Autozulieferer mit Zylinderkopfdichtungen. Doch mittlerweile sind zusätzlich ganz andere Produkte verstärkt gefragt.

Wirtschaft: Andreas Schröder (sö)

Stuttgart - Der Chef des baden-württembergischen Autozulieferers Elring-Klinger, Stefan Wolf, hält den Abgesang auf den Verbrennungsmotor für deutlich verfrüht, Diesel-Fahrverbote für nicht zielführend und obendrein für einen „massiven Eingriff in die Eigentumsrechte“ der Bürger. Gleichwohl hat Wolf sein Unternehmen nach eigenen Worten in den vergangenen Jahren so umgebaut, dass es für die Herausforderungen der Elektromobilität gerüstet sei. „Die Zylinderkopfdichtung ist das einzige unserer Produkte, das bei einem vollelektrischen Fahrzeug nicht zum Zuge kommt“, sagte Wolf bei der Bilanzvorlage in Stuttgart. „Wir sind schon lange kein reiner Dichtungshersteller mehr.“

Leichtbaukomponenten verbessern E-Auto-Reichweite

Die Vorinvestitionen der vergangenen Jahre in die Elektromobilität zahlten sich für Elring-Klinger aus, so der Firmenchef. Sollten Benzin- und Dieselmotoren in der Produktion der Autohersteller keine Rolle mehr spielen, könne der Automobilzulieferer mit Teilen für den Elektroantrieb sowie Leichtbaukomponenten den Wegfall des Dichtungsgeschäfts mehr als ausgleichen.

Dabei machte Wolf am Beispiel Leichtbauteile deutlich, dass innovative Produkte unabhängig von der Antriebsart von Vorteil sein können: „Autos mit Verbrennungsmotor stoßen weniger Schadstoffe aus, wenn sie leichter sind. Beim Elektroauto verbessert sich die Reichweite.“

Autobauer machen Druck bei E-Autos

Das Unternehmen will mit seiner Elektromobilitätssparte 2017 zum ersten Mal einen kleinen Gewinn erwirtschaften. Noch trägt die Sparte, zu der unter anderem die Herstellung von Komponenten für die E-Auto-Batterie gehört, weniger als ein Prozent zum Umsatz bei und produzierte in den vergangenen Jahren Verluste. Das soll sich laut Wolf ändern, auch weil die Autohersteller durch den Abgasskandal bei Volkswagen, durch schärfere Vorgaben der Politik und durch den Druck von Umweltschützern ihr Angebot schneller auf E-Autos umstellten. Daimler beispielsweise wolle neue Elektro-Modelle schon bis zum Jahr 2022 auf den Markt bringen. „Solche Entwicklungen verschaffen uns Rückenwind“, meinte Wolf.

Nicht zuletzt durch die im Herbst 2016 bekannt gegebene Beteiligung an der Hofer AG, deren Tochter Hofer Powertrain (Nürtingen) Spezialist für den elektrischen Antriebsstrang ist, will Elring-Klinger weitere Aufträge an Land ziehen. Im vergangenen Jahr erhielt das Unternehmen einen Großauftrag von einem „innovativen Elektroautohersteller in Kalifornien“ in dreistelliger Millionenhöhe; damit meint Wolf den E-Auto-Pionier Tesla.

Aus für Verbrenner bis 2030 „total unrealistisch“

Doch noch hält es der Elring-Klinger-Chef für unabdingbar, für alle Eventualitäten gewappnet zu sein: „Wir beschäftigen uns mit verschiedenen Antriebskonzepten.“ Benzin- und Dieselmotoren gehören da für ihn weiterhin dazu. Das von den Grünen geforderte Verbot von Verbrennungsmotoren von 2030 an hält Wolf, der auch Vorsitzender des Arbeitgeberverbandes Südwestmetall ist, für „total unrealistisch“. Er sagte aber auch, dass es generell „bei Verbrennungsmotoren keine bahnbrechenden Neuerungen mehr“, sondern eher Weiterentwicklungen geben werde.

Der Gewinn von Elring-Klinger ist 2016 um 14,2 Prozent auf 78,6 Millionen Euro zurückgegangen. Im vergangenen Jahr kam das Unternehmen mit der Produktion nicht nach, es gab Engpässe in der Schweiz, die hohe Kosten für Sonderfrachten nach sich zogen; Teile der Produktion wurden nach Ungarn verlagert. Das drückte auf den Gewinn. Der Umsatz ist leicht um 3,3 Prozent auf 1,56 Milliarden Euro gestiegen. Mit einer genauen Prognose für 2017 hat sich Wolf zurückgehalten. Genauer legte sich der Firmenchef für das Jahr 2020 fest: Bis dahin soll der Umsatz auf knapp zwei Milliarden Euro gestiegen sein.

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