InterviewCDU-Politiker skeptisch gegenüber verschärftem Waffenrecht „Terroristen sollen keine Waffen haben“

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Der CDU-Politiker Marc Henrichmann zeigt Verständnis für Klagen von Sportschützen und Jägern. Er verspricht ihnen Erleichterungen.

Jäger sind verärgert über die geplante Novelle. Foto: dpa/Karl-Josef Hildenbrand
Jäger sind verärgert über die geplante Novelle. Foto: dpa/Karl-Josef Hildenbrand

Stuttgart - Der Christdemokrat Marc Henrichmann, 1976 in Münster geboren, vertritt seit 2017 den Wahlkreis Coesfeld/Steinfurt im Deutschen Bundestag. In seinem Zivilberuf ist er Rechtsanwalt. Henrichmann kümmert sich als Berichterstatter der CDU/CSU-Fraktion um das Waffenrecht.

Herr Henrichmann, warum wird das Waffenrecht schon wieder verschärft?

Wir müssen die Bestimmungen der EU-Feuerwaffen-Richtlinien umsetzen. Über die Sinnhaftigkeit einzelner Regeln kann man durchaus streiten. Bei manchen Punkten ist die EU übers Ziel hinausgeschossen. Ob alles wirklich der Sicherheit dient, wage ich zu bezweifeln. Zum Teil spielt da eher politisches Wunschdenken eine Rolle. Am Ende muss sich zeigen, ob diese Regeln den Praxistest bestehen. Da gibt es viele Baustellen.

Jägern und Sportschützen werden neue bürokratische Auflagen und Kontrollen zugemutet. Warum muss das sein?

Klar, die trifft es schon. Ich habe aber noch keinen Sportschützen oder Jäger gehört, der nicht auch sagt: Terroristen sollten keine Waffen haben. Ziel der Novelle muss sein, Kriminelle und Terroristen von Waffen fernzuhalten. Es geht nicht um weitere Erschwernisse für redliche Sportschützen und Jäger, die sich schon bisher rechtstreu verhalten haben. Die wollen wir nicht vor den Kopf schlagen. Sie fallen in der Kriminalstatistik auch nicht auf.

Haben Sie Verständnis für die Kritik?

Die Bedürfnisprüfung ist der Hauptaufreger. Wir suchen nach einer Lösung im Sinne der Sportschützen. Ich bin da ganz optimistisch.

Umstritten ist auch die Regelabfrage beim Verfassungsschutz. Rechtstreue Waffenbesitzer fühlen sich unter Generalverdacht gestellt. Was sagen Sie dazu?

Das engmaschige deutsche Kontrollsystem ist vorbildlich in der ganzen Welt. Was die Regelanfrage beim Verfassungsschutz angeht: Da muss sich in der Praxis zeigen, welches Ausmaß an Bürokratie dabei entsteht. Das Bundesamt für Verfassungsschutz sagt, das sei technisch umsetzbar. Ich bin da skeptischer.

Kritiker rechnen damit, dass die Aufsichtsbehörden von den neuen Vorschriften überlastet sein werden. Warum immer mehr Bürokratie?

Mir ist vor allem daran gelegen, dass niemand mehr eine waffenrechtliche Genehmigung bekommen kann, der Mitglied einer verfassungsfeindlichen Organisation ist. Solche Leute dürfen gar nicht erst in den Besitz einer Waffe kommen. Das wäre ein wirklicher Sicherheitsgewinn. Die Aufsichtsbehörden werden mächtig was zu tun bekommen. Was den Vollzug und die Umsetzung angeht, habe ich durchaus Bauchschmerzen.