Debatte um S 21 am Flughafen Bei Anrainern der Gäubahn bleiben Wünsche offen

Von Josef Schunder 

Ein Gäubahn-Tunnel am Flughafen wäre ja schön und recht, meinen Guido Wolf (Justizminister) und Stefan Belz (Böblinger OB). Aber ein großes Problem bestehe fort, finden die beiden Interessensvertreter der Gäubahn-Anrainer.

Guido Wolf sorgt sich um die Anschlussmöglichkeiten der Gäubahn, wenn am Hauptbahnhof Gleise abgebaut werden und am Flughafen noch keine neue Verbindung existiert. Foto: dpa/Christoph Schmidt
Guido Wolf sorgt sich um die Anschlussmöglichkeiten der Gäubahn, wenn am Hauptbahnhof Gleise abgebaut werden und am Flughafen noch keine neue Verbindung existiert. Foto: dpa/Christoph Schmidt

Stuttgart - Der CDU-Politiker Guido Wolf ist angetan von den neuen Überlegungen für den Schienenverkehr am Flughafen Stuttgart mit einem zusätzlichen Tunnel für die Gäubahn. „Das könnte eine echte, ja historische Chance sein“, sagte der baden-württembergische Justizminister unserer Zeitung in seiner Funktion als Vorsitzender des Interessenverbandes Gäu-Neckar-Bodensee-Bahn. Die Führung der Gäubahn über Flughafen und Messe sei für die Gäubahn-Anlieger „unverzichtbarer Bestandteil des Projektes Stuttgart 21“. Die vorgesehene Verbindung von S-Bahn, Regional- und Fernverkehr durch die Erweiterung des bestehenden S-Bahnhofs am Flughafen um ein drittes Gleis sei jedoch stets die Achillesferse dieser zwingenden Anbindung gewesen. Die neue Lösung mit einem zusätzlichen Tunnel, der die Gäubahn besser anbinden und weniger anfällig für Verspätungen machen würde, wäre nach Wolfs Auffassung „ein Meilenstein“. Es wäre zwar ein großes und umfangreiches Projekt, doch die Vorteile für die Gäubahn und die Anlieger wären gleichfalls erheblich, meinte Wolf.

Man dürfe die Gäubahn allerdings auch in der Bauzeit für so einen Tunnel nicht aus dem Blick verlieren, forderte der Politiker. Es gelte in der Interimszeit eine vernünftige Lösung zu finden. Skeptisch ist er, was die Bestrebungen von Landesverkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) angeht, ein zusätzliches Gleis vom Bereich Nordbahnhof zum Hauptbahnhof weiterzuführen, während das Gleisfeld hinter dem bisherigen Kopfbahnhof abgeräumt wird. Zur Realität gehöre auch, dass die Stadt Stuttgart so schnell wie möglich mit der Bebauung des Rosenstein-Quartiers beginnen wolle. Solange Hermann die städtischen Repräsentanten nicht im Boot habe, sei die Weiterführung eines zusätzlichen Gleises zum Hauptbahnhof „schlichtweg nicht realistisch“.

Böblingens Verwaltungschef sieht kapitales Problem ungelöst

Der Böblinger OB Stefan Belz (Grüne) hieb in die gleich Kerbe. Er sagte unserer Zeitung, der Appell, den er mit 18 Kollegen aus anderen Anrainerkommunen der Gäubahn im Oktober an das Verkehrsministerium gerichtet habe, sei auch in der jetzigen Debatte auf der Agenda. Man könne die Überlegungen zu einem Gäubahn-Tunnel am Flughafen ja grundsätzlich begrüßen, aber das löse nicht das Grundproblem der Kappung der Gäubahn, wenn am Hauptbahnhof bisherige Gleisanschlüsse abgeräumt werden. Ein paar Monate ohne direkten Anschluss an den Hauptbahnhof wären vielleicht akzeptabel gewesen, aber länger nicht – „und schon gar keine jahrelange Kappung“. Das bedrohe die Wirtschaft und das Ziel, viel mehr Fahrgäste auf die Schiene zu bringen. Er wünscht sich einen Direktanschluss, auch in der Interimszeit. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass man lange Zeit Reisende auf dem Weg aus dem Süden des Landes beispielsweise nach Hamburg mit den Koffern am Stuttgarter Nordbahnhof umsteigen lässt“, sagte Belz. Außerdem werde die Panoramastrecke der Gäubahn in Stuttgart als Rückfallebene bei Störfällen im S-Bahn-Netz gebraucht. Da gebe es bisher keine Lösung.

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