Eine-Welt-Laden Weil der Stadt Wenn der Kaffee fair ist, schmeckt er doppelt gut

Von Regine Brinkmann 

Der Peruaner Santiago Paz Lopéz spricht im Eine-Welt-Laden über sein Lieblingsgetränk.

Santiago Paz López ist beeindruckt von der Anzahl der Zuhörer. Foto: factum/Granville
Santiago Paz López ist beeindruckt von der Anzahl der Zuhörer. Foto: factum/Granville

Weil der Stadt - Woher kommt eigentlich der Kepler-Kaffee, der nicht nur im Weil der Städter Rathaus die Lebensgeister weckt? Und was bedeuten Gepa, Fair Trade und ein Biosiegel tatsächlich für die Kleinbauern in den Erzeugerländern wie zum Beispiel Peru? Eine ganze Menge, wie Santiago Paz López von der nordperuanischen Cooperativa Agraria Norandino, vor den Mitgliedern des Weil der Städter Eine-Welt-Ladens erklärt hat. Denn das Leben der Bauern und der Dorfgemeinschaften in den peruanischen Anbaugebieten für Kaffee, Kakao und Rohrzucker hat sich entscheidend verbessert, seit das Kleinbauern-Projekt Pidecafé mit der Unterstützung des deutschen Agrarwissenschaftlers Rudolf Schwarz aus Tübingen richtig durchstarten konnte.

Vom Student zum Manager

„Das war Mitte der 90er Jahre“ erzählt Hildegard Hornung. Sie ist zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit des Vereins Partnerschaft mit der Dritten Welt Eine-Welt-Laden e.V. und kennt die Initiative in Peru persönlich. Damals kam der Kaffeeanbau einfach nicht in Schwung, auch, weil Kaffee aus Peru aus Qualitätsgründen zu der Zeit als nahezu unverkäuflich galt. Fünf Jahre lang arbeitete der damalige Student Paz López umsonst in der Kooperative, bis es endlich aufwärts ging. Heute ist der Peruaner Exportmanager bei Norandino, dem Dachverband der Kleinbauern-Initiative. Im Rahmen seines Besuchs auf der Nürnberger Weltleitmesse BioFach hat er auch in Weil der Stadt Halt gemacht, um den Mitgliedern des Eine-Welt-Ladens in Weil der Stadt von der Kooperative zu berichten.

Er hat eine Menge beeindruckender Zahlen und Daten im Gepäck: Rund 7000 Kleinbauern sind der Kooperative angeschlossen, im Schnitt beackert ein Bauer mit seiner Familie zwei Hektar Land. Die Norandino-Genossenschaft vermarktet die Ernte, 5000 Tonnen Pidé-Kaffee waren es im vergangenen Jahr, 25 000 Tonnen insgesamt. Sie vergibt Kredite an ihre Mitglieder, und sie sorgt vor allem für die Weiterbildung: „Die Bauern mussten anfangs lernen, die Kaffeebäume zu pflegen, ökologisch zu arbeiten und die Kaffeebohnen richtig zu bearbeiten“, erzählt Paz López. Durch den ökologischen Anbau und die hohe Qualität besitzt der Pidecafé heute ein Alleinstellungsmerkmal, das ihn unabhängiger macht vom Kaffeeweltmarktpreis und so den Bauern ein Einkommen sichert.

40 Prozent des Kaffees werden nach Deutschland verkauft, davon ein recht geringer Teil, nur 3 Prozent, an die Gepa, den Vorreiter für ökologische, nachhaltig angebaute und fair gehandelte Produkte in Deutschland. Doch mit Gepa hat das Projekt angefangen, und das Unternehmen, das von kirchlichen Institutionen gegründet wurde, gibt den Bauern bis heute Sicherheit.

Faire Preise kommen Bauern zugute

Die Kooperative hat ihr Engagement seit einigen Jahren auch auf Rohrzucker und Kakao ausgeweitet, auch hier ist es gelungen, durch Wissensvermittlung, ökologischen Anbau und faire Preise das Leben der Bauern deutlich zu verbessern. Auf den Kakao scheint Paz López besonders stolz zu sein: 10 Prozent des besten Kakaos, 1000 Tonnen, kommen inzwischen aus Peru. Und für diesen Kakao werden unabhängig vom Weltmarktpreis horrende Preise bezahlt: Während für eine Tonne Kakao von mittlerer Qualität rund 2500 US-Dollar bezahlt werden, bringt der „Cacao exclusivo“ bis zu 10 000 US-Dollar pro Tonne.

Die Frage aus dem Zuhörerraum kommt auf, wie sehr die Bauern davon profitieren, wie viel sie denn gemessen am Durchschnittsverdienst mehr bekommen? Das ist nicht leicht zu beantworten, findet auch Übersetzer Harald Binder, der viele Jahre als Lehrer in Peru gelebt hat. „Das kann man so nicht sagen“, übersetzt er, „die Bauern können ihre Kinder zur Schule schicken“, das ist für die Menschen sehr wichtig. Doch auch die Verbesserungen der gesamten Infrastruktur, der Ausbau der Straßen zum Beispiel, sind ein Zeichen des beginnenden, bescheidenen Wohlstands für die ganze Dorfgemeinschaft. „Früher hat ein Hotelzimmer bei uns ungefähr einen Dollar gekostet“, Paz López zückt den Taschenrechner, „heute zahlt man 20 Dollar.“ Auch das ein Maßstab für den Aufwärtstrend.

Doch der Klimawandel ist eine unübersehbare Gefahr für den Aufschwung, zögernd erzählt der Exportmanager von den aktuellen Problemen, den Überschwemmungen, den viel zu starken Regenfällen, die nicht nur Kakao- und Zuckerrohrfelder vernichtet, sondern auch schwere Schäden bei der Infrastruktur angerichtet haben. Der Klimawandel und El Niño Costero, wie das Wetterphänomen in Perus Küstenregionen genannt wird, stürzt die Kleinbauern in den betroffenen Gebieten zurück in die Armut. Umso wichtiger ist die Arbeit der Kooperative, die beim Wiederaufbau hilft, und die Unterstützung durch den fairen Handel, der zuverlässig bessere Preise für die Ernte und menschenwürdige Arbeitsbedingungen garantiert.

Santiago Paz López ist beeindruckt von der Anzahl der Zuhörer bei der Veranstaltung, „das gibt mir Kraft für meine Arbeit“, sagt er bewegt. Das ehemalige Refektorium im heutigen katholischen Pfarramt platzt auch fast aus allen Nähten.

Nicht verwunderlich, denn der Weiler Eine-Welt-Laden ist der größte im Kreis Böblingen, 200 Mitglieder zählt er, und er kann mit knapp 150 000 Euro brutto den höchsten Umsatz im Kreis verzeichnen. Unterm Strich konnten mit fast 35 000 Euro Hilfsprojekte in Indien, Peru und Guatemala und Lesotho unterstützt werden. Und ja, der Kepler-Kaffee stammt aus genau dieser Kooperative.




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