Fahrradverleihsystem in Stuttgart und Umgebung Regiorad kommt in der Region nicht in Tritt

Seit Frühjahr 2018 gibt es regionale Fahrradverleihsystem Regiorad Stuttgart. Doch der Regionalpolitik ist es bisher zu Stuttgart-lastig. Deshalb wird sich der Verband Region Stuttgart stärker engagieren – mit Förderung und Personal.

Verleihstation von Regiorad auf dem Marienplatz in Stuttgart Foto: Lichtgut/Julian Rettig
Verleihstation von Regiorad auf dem Marienplatz in Stuttgart Foto: Lichtgut/Julian Rettig

Stuttgart - Der Verband Region Stuttgart wird sich beim bisher im Stuttgarter Rathaus verantworteten und von einer Bahntochter betriebenen Fahrradverleihsystem Regiorad stärker engagieren. Dazu beschloss der regionale Verkehrsausschuss einstimmig ein ganzes Bündel Maßnahmen, die das Ziel haben, das bisher vor allem außerhalb Stuttgarts als unzureichend eingeschätzte Netz an Verleihstationen auszubauen und die Nutzerzahlen zu erhöhen. Dafür wird ein Förderprogramm aufgelegt, das in diesem Jahr mit 150 000 Euro, in den Folgejahren mit 300 000 Euro zu Buche schlägt. Besonders umstritten: die Region schafft die Stelle eines regionalen „Kümmerers“, der künftig im Stuttgarter Rathaus arbeitet.

Bis 2026 Vertrag mit Bahntochter

Kurzer Rückblick: Vor einigen Jahren gab es in Stuttgart und in den umliegenden Kreisen noch zwei Fahrradverleihsysteme – in Stuttgart Call-a-bike von der Deutschen Bahn, und drumherum eines von Nextbike, das über ein Landesförderprogramm aufgebaut worden war. Beide Systeme waren nicht kompatibel, was dazu führte, dass in Stuttgart ausgeliehene Räder nicht in Nachbarkommunen abgegeben werden konnten – und umgekehrt. Seit dem Frühjahr 2018 gibt es nach einer europaweiten Ausschreibung nur noch ein System – das von der DB-Tochter Connect betriebene Regiorad, in anderen Städten als Call-a-bike bekannt. Der bis 2026 gültige und mit 8,3 Millionen Euro honorierte Vertrag umfasst dabei nicht nur Stuttgart, sondern ihm sind auch rund 40 Kommunen in der Region beigetreten.

Viele Station in Stuttgart

Allerdings wurde in der Region eine starke Stuttgart-Lastigkeit beim Einsatz der rund 800 Räder und 500 Pedelecs an etwa 180 Stationen kritisiert, wovon aber mehr als 100 in der Landeshauptstadt sind. Von den 26 263 Kunden (Stand Ende 2019) sind 15 702 aus Stuttgart, in den Kommunen der Region bewegt sich Zahl im niedrigen drei- oder sogar nur zweistelligen Bereich.

Auch die 178 140 Fahrten nehmen sich im Vergleich zu anderen Ballungsräumen aus der Sicht der Region eher bescheiden aus. „Trotz des erheblichen Ausbaus bleibt die Nutzung von Regiorad insbesondere außerhalb der Landeshauptstadt hinter den Erwartungen zurück“, heißt es dazu diplomatisch verklausuliert in einer Stellungnahme der Verbandsverwaltung. Das ist auch den Fraktionen der Regionalversammlung nicht verborgen geblieben: CDU/ÖDP, Grüne, Freie Wähler und SPD haben in Anträgen Verbesserungen gefordert.

Förderprogramm der Region

Diese Vorschläge wurden nun in ein Förderprogramm gegossen, das trotz kritischer Begleitmusik einstimmig beschlossen wurde. Kernpunkt ist ein Anreiz an Kommunen und öffentliche Einrichtungen, zusätzliche Ausleihstationen zu bauen. Je nach Modalität werden werden Bau und Betrieb mit 50 000 oder 25 000 Euro bezuschusst. Damit soll erreicht werden, dass es in den Städten und Gemeinden nicht nur eine Station (zumeist am Bahnhof) gibt, sondern mehrere, die es ermöglichen, nur einen Weg zurück zu legen und dann das Rad abzugeben. Zu den weiteren Maßnahmen gehören eine Marketingkampagne (45 000 Euro), um gezielt Freizeitfahrer und Touristen anzusprechen, die Möglichkeit der Gruppenbuchung gegen eine Gebühr von 100 Euro, ein einheitliches Beschilderungssystem (45 000 Euro) und 15 Freiminuten für polygocard-Inhaber bei einer Pedelecnutzung.

Nur CDU/ÖDP hat Bedenken gegen neue Stelle

Neben Details, so forderte die CDU/ÖDP-Fraktion 30 statt 15 Freiminuten, war vor allem die Stelle eines regionalen Ansprechpartners für die Regioradkommunen in den Kreisen umstritten, der die regionalen Interessen vertreten und bei Städten und Gemeinden Werbung für den Ausbau des Netzes machen soll. CDU/ÖDP kritisierte die Kosten, insbesondere aber, dass die Person im Stuttgarter Rathaus arbeiten solle. Dies wurde von den anderen Fraktionen aber zurückgewiesen. Dies alles sei mit Stuttgart abgesprochen, betonte der regionale Verkehrsdirektor Jürgen Wurmthaler. Das bestätigte Ralf Maier-Geißer, der im Rathaus für Regiorad zuständig ist: „Ich freue mich, dass die Stelle geschaffen wird.“ Er allein könne die Vernetzung zwischen DB Connect und den Kommunen nicht schaffen. Gerade angesichts der Haushaltsprobleme in Folge von Corona müsse verstärkt Werbung für das Angebot gemacht werden. Das Förderprogramm dere Region werde „die Motivation für den Bau von Stationen erhöhen.“




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