FARC-Rebellen in Kolumbien Fremdeln mit dem Frieden

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In Kolumbien finden die entwaffneten FARC-Rebellen nur schwer ins zivile Leben. Die Regierung unterstützt sie dabei nur unzureichend, sie hat viele der vereinbarten Reformen immer noch nicht umgesetzt.

Sehnsucht nach Frieden: Immer demonstriert die Bevölkerung für eine Versöhnung zwischen den einstigen Kriegsparteien. Foto: dpa
Sehnsucht nach Frieden: Immer demonstriert die Bevölkerung für eine Versöhnung zwischen den einstigen Kriegsparteien. Foto: dpa

Mariana Páez - Man kann sich Diego Gutiérrez nur schwer in Uniform vorstellen, mit Marschgepäck und Karabiner. Oder schießend, tötend und Minen legend. Dem jungen Mann von 30 Jahren sind von seinem halben Leben bei den Revolutionären Streitkräften Kolumbiens (FARC) nur die dunklen Gummistiefel und der militärische Haarschnitt geblieben. Gutiérrez trägt ein hellblaues T-Shirt und eine beige Hose, und er klingt eher wie ein Diplomat als wie ein Rebell, wenn er von der Chance spricht, die der Friedensvertrag zwischen der Linksguerilla und der Regierung für Kolumbien bedeutet. „Mehr Chancen für alle“, sagt er. „Wachstum und eine Gesellschaft ohne Gewalt“.

Bis zum September des vergangenen Jahres war der junge Mann, der so eloquent den Frieden verteidigt, Mitglied des Generalstabes der 40. Front der FARC, die hier im Departement Meta in den grünen und sanften Hügeln Zentralkolumbiens das Sagen hatte. Hier waren die Rebellen über Jahrzehnte Staat im Staat.

Heute ist Gutiérrez einer der beiden Verantwortlichen der „Übergangs- und Normalisierungszone Mariana Páez“. Das Lager wurde vor Monaten hastig und unvollständig im Rahmen des Friedensabkommens im Niemandsland nahe der Gemeinde Mesetas errichtet. Bis in die Hauptstadt Bogotá sind es mit dem Auto sieben beschwerliche Stunden.

Wichtige Etappenziele sind schon erreicht

26 dieser Lager wurden zu Jahresbeginn im ganzen Land errichtet, die allermeisten davon liegen in weit abgelegenen Gebieten. 10 000 ehemalige Kämpfer und Mitglieder urbaner FARC-Zellen lernen hier den komplizierten Weg vom Krieg zum Frieden gehen.

Wichtige Etappenziele sind aber schon erreicht: die Rebellen sind aus den Bergen abgestiegen, sie sind aus dem Dschungel gekommen, haben die Uniform gegen zivil getauscht und die Waffen abgegeben. „Der lange Friedensmarsch liegt hinter uns“, sagt Diego Gutiérrez.

Aber die „Farianos“ fremdeln noch mit dem Frieden. Fast alle Frauen und Männer tragen noch Teile ihrer Uniform oder die typischen FARC-Gummistiefel, manche bauen an Unterkünften, andere erzählen sich Geschichten aus den Tagen des Kampfes. Aber eine richtige Zukunftsperspektive fehlt. Die meisten Ex-Kämpfer in der Normalisierungszone kennen nichts als Krieg. Viele sind als Kinder schon zu den FARC gestoßen, andere wurden zwangsrekrutiert.




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