Filmkritik: „Snowden“ Im Zeitalter der Menschenfresser

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Oliver Stone war mal der wilde linke Wüterich Hollywoods. Unerwartet ruhig erzählt er in „Snowden“ die Geschichte des Whistleblowers Edward Snowden. Aber Zweifel lässt er keine: Im von Joseph Gordon-Levitt gespielten Geheimdienstaussteiger sieht er einen Helden der Demokratie.

Dieser Experte für Überwachung kämpft mit großen Skrupeln: Edward Snowden (Joseph Gordon-Levitt) will nicht länger Gesetze brechen. Foto: Universum Filmverleih Foto:   21 Bilder
Dieser Experte für Überwachung kämpft mit großen Skrupeln: Edward Snowden (Joseph Gordon-Levitt) will nicht länger Gesetze brechen. Foto: Universum Filmverleih

Stuttgart - Auch der große Bruder, diese Metapher für den Überwachungsstaat, setzt sich aus lauter kleinen Brüdern zusammen, aus ganz normalem Individuen, die dem Moloch ihr Wissen, ihr Können, ihre Findigkeit leihen. Edward Snowden ist einer von ihnen. Er arbeitet für die CIA, und als er sich dort bewährt, wird er zur NSA geholt, einem Dienst, der lange so geheim war, dass seine Mitarbeiter das Kürzel als „No Such Agency“ entschlüsselten, also als „Uns gibt es gar nicht“.

Mittlerweile weiß die ganze Welt, dass das geheime Arbeitsbeziehung zwischen Snowden und der National Security Agency nicht gehalten hat, dass aus dem Talent auf der Karrierespur der bestgehasste Whistleblower Amerikas im vermutlich sehr trostlosen Moskauer Exil wurde.

Die Kleinen und die Großen

Für das Zerwürfnis von Großem Bruder und kleinem Diener findet Oliver Stones Biopic „Snowden“ sein bestes Bild, eine Szene, die ihn schon ganz alleine sehenswert macht. Snowden betritt da einen gediegenen Konferenzraum der NSA, an der Wand ein Großmonitor. Wie groß der ist, wird uns erst klar, als er eingeschaltet wird: tyrannengroß nämlich.

Snowden, sehr überzeugend gespielt von Joseph Gordon-Levitt, führt ein Bildtelefonat mit einem Mann, den man nicht unbedingt seinen Vorgesetzten nennen sollte. Es ist ein tief in Washingtons Politgetriebe verflochtener Hierarch der Geheimdienstwelt, dem die Konkurrenz der Behörden mindestens so wichtig ist wie der Krieg gegen den Terrorismus. Er hat Snowden bislang als einen seiner Informanten in der NSA betrachtet. Aber er weiß, dass dieser Knotenknüpfer am Netz der Datenfischerei Zweifel hat, und stellt ihn zur Rede.