Handball-WM Uwe Gensheimer sorgt für Wirbel

Wieder einmal steht Uwe Gensheimer bei einem großen Turnier mit der Nationalmannschaft mit leeren Händen da. Foto: dpa/Sascha Klahn
Wieder einmal steht Uwe Gensheimer bei einem großen Turnier mit der Nationalmannschaft mit leeren Händen da. Foto: dpa/Sascha Klahn

Immer wieder kommen Zweifel auf, ob Uwe Gensheimer als Kapitän der deutschen Handballer der Richtige ist. Nun setzt sich der Linksaußen mit deutlichen Worten zur Wehr. Die Kritik an ihm nervt den Mannheimer.

Sport: Jürgen Frey (jüf)

Kairo - Wer die schillernde Karriere des Uwe Gensheimer beschreibt, muss eigentlich immer zwei Geschichten erzählen. Die erfolgreiche mit seinen Clubs Rhein-Neckar Löwen und Paris Saint-Germain, mit denen er Titel gewann. Und die weniger erfolgreiche mit der Handball-Nationalmannschaft, in der er auch mit 34 Jahren noch auf einen großen Coup wartet. Vielleicht liegt es also auch an dieser nicht vom großen Glück gekrönten Verbindung, dass der Unvollendete nach dem verpassten WM-Viertelfinale genervt und wenig selbstkritisch auf die Frage nach seiner Rolle reagierte: „Och, eigentlich habe ich gar keinen Bock, auf die Frage zu antworten“, moserte Gensheimer, „Die Statistiken sprechen für sich. Ich weiß, dass ich besser Handball spielen kann“, sagte er nach dem 31:24 (16:12) gegen Brasilien.

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Er verwies aber auch darauf, dass das deutsche Spiel zu rechtslastig angelegt sei. Und dann legte der Linksaußen so richtig los. „Ich weiß nicht, ob es der Vereinszugehörigkeit geschuldet ist, Missgunst und Neid sind manchmal schon ein bisschen da“, sagte der Mannheimer, ohne zunächst seine Sicht der Dinge näher auszuführen. Erst am Sonntag stellte er klar, dass er mit dieser Aussage nicht seine Mitspieler gemeint hat: „Ich habe mich nie negativ über Spieler und Trainer geäußert und werde dies auch nicht tun. Wer mir Böses unterstellt, irrt“, sagte er in einer DHB-Mitteilung. „Die ständige externe Kritik empfinde ich als respektlos und mangelnde Wertschätzung.“

Gislason stützt seinen Kapitän

Immer wieder kommen Zweifel auf, ob Gensheimer als Kapitän der Richtige ist. „Vielleicht ist es zu viel für ihn: Ein wichtiger Spieler zu sein und Kapitän der Mannschaft. Seine Körpersprache erstaunt mich. Uwe wirkt im Nationalteam nicht so aufrecht, nicht so selbstbewusst wie bei den Löwen“, hatte Weltmeister Markus Baur im Interview mit unserer Zeitung gesagt. Alfred Gislason will solchen Diskussionen keine neue Nahrung geben. Gensheimers Amt stehe „überhaupt nicht zur Diskussion – im Gegenteil: Er macht seinen Job intern als Kapitän sehr gut, keiner im Team zweifelt an ihm“, sagte der Bundestrainer am Sonntag. Auch die Teamkollegen und Sportvorstand Axel Kromer stärkten Gensheimer den Rücken: „Unsere Innensicht ist und bleibt klar: Uwe Gensheimer ist als Kapitän unserer Nationalmannschaft ein Rückhalt für jeden Spieler und jedes Delegationsmitglied“, teilte Kromer mit.

Am Montag gegen Polen

Dennoch steht vor dem letzten Hauptrundenspiel an diesem Montag (20.30 Uhr/ARD) gegen Polen fest: Gensheimer ist einer der Verlierer dieser WM. Genauso wie Torwart Andreas Wolff, der gegen Brasilien gar nicht im Kader stand. Seine unnötige Kollegenschelte hatte für viel Unruhe gesorgt, umso mehr lagen der Fokus und auch der Druck auf ihm. Der EM-Held von 2016 konnte seinen eigenen Ansprüchen nie gerecht werden. Seine indiskutable Fangquote in den Schlüsselspielen gegen Ungarn (28:29) und Spanien (28:32) gab der ohnehin unsicheren Abwehr keinen Halt. „Im Torwartbereich und im Defensivverbund fehlte die Stabilität“, stellte auch Bob Hanning, der Vizepräsident des Deutschen Handballbundes (DHB), in seiner Analyse fest.

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Zu passiv und wenig antizipativ präsentierte sich die Deckung. Hinzu kamen individuellen Schwächen, vor allem bei WM-Neuling Sebastian Firnhaber. „Gerade in diesem Bereich nehmen wir viele Lerneffekte mit, da sich diese Spieler aufgrund der neun Ausfälle weiterentwickeln konnten“, sagte Hanning. Hin- und hergerissen zeigte sich auch Gislason: „Es herrscht immer noch eine leichte Enttäuschung vor. Aber trotzdem Kompliment ans Team. Wir haben auch vieles gut gemacht“, bilanzierte der 61-Jährige. Er meinte damit die Lichtblicke Johannes Golla am Kreis, Spielmacher Philipp Weber und den Göppinger Marcel Schiller, der vor allem als Siebenmeterschütze glänzte. „Für sie war das Turnier extrem wichtig, um in höheren Hierarchieebenen besser zu funktionieren“, befand Hanning. Gislason sah ebenfalls viele gute Ansätze: „Was die Jungs geschafft haben in kurzer Zeit, ist sehr beachtlich“, stellte er zufrieden fest. „Wir haben ein Grundgerüst, das uns auch im März helfen wird.“

Olympia-Quali im März

Dann stehen vom 12. bis zum 14. März die Olympia-Qualifikationsspiele auf dem Programm. Wahrscheinlich wieder mit Uwe Gensheimer, der in Tokio im Deutschland-Trikot einen weiteren Anlauf nehmen will, seine letzte große Sehnsucht zu erfüllen.

Torschützen gegen Brasilien Golla (7), Kühn (5), Weber (5), Gensheimer (4), Häfner (4), Schiller (3/3), Drux (1), Firnhaber (1), Kastening (1).

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