Handel in Stuttgart Was Krämern der Weihnachtsmarkt bringt

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Haushaltswaren, Schmuck oder Gürtel: Rund 80 Prozent der Stände auf dem Stuttgarter Weihnachtsmarkt verkaufen kein Essen. Aber lohnt sich das heutzutage noch? Wir haben bei Krämern nachgefragt.

Karl-Heinz Regele stand  als Kind auf dem Stuttgarter Weihnachtsmarkt. Foto: Lg/ Rettig 8 Bilder
Karl-Heinz Regele stand als Kind auf dem Stuttgarter Weihnachtsmarkt. Foto: Lg/ Rettig

Stuttgart - Seine Kunden kennt Karl-Heinz Regele längst in- und auswendig. Gerade noch sagt er: „Viele Hunde- oder Katzenbesitzer suchen an meinem Stand nach einer Figur von genau der Rasse, die sie zu Hause haben.“ In dem Moment nähert sich eine blonde Frau mit Brille. Kurz scannt sie die Auslage des Krämers, dann hat sie gefunden, was sie sucht: eine etwa zehn Zentimeter große Nachahmung eines Schäferhundes. Ja, sagt sie, freilich habe sie zu Hause ein echtes Exemplar.

Karl-Heinz Regele kennt seine Kunden und deren Wünsche auch deshalb so gut, weil er bereits als Kind mit seinen Eltern auf dem Stuttgarter Weihnachtsmarkt stand – damals noch vor dem Alten Schloss, nun auf dem Marktplatz. Aber lohnt sich das heutzutage noch: als Krämer Dekorationsartikel, Haushaltswaren oder Schmuck zu verkaufen, wo es doch so gut wie alles mittlerweile in den großen Supermärkten oder dem Internet gibt?

„Das reicht gerade noch zum Überleben“

„Ich darf mich nicht beklagen“, sagt Karl-Heinz Regele. Der Stuttgarter ist das ganze Jahr über auf Märkten unterwegs. „Das Geschäft hat sich natürlich gewandelt“, sagt er. Seine Eltern hätten anfangs ausschließlich Bürsten verkauft, dann kamen Christbaumkugeln dazu. „Doch mittlerweile kaufen viele ihre Kugeln im Supermarkt, darum setze ich nun auf Figürchen.“ Auf anderen Märkten bietet er nach wie vor Bürsten, Messer oder Gürtel an. „Manchmal ist es morgens eine schwere Überwindung, sich wieder auf den Markt zu stellen. Aber sobald der erste Kunde da ist, sind diese Gedanken weg.“

Weniger euphorisch klingt Isabel Klötzel. Die Stuttgarterin stellt aus Glas selber Schmuck, Kugeln und Vasen her und verkauft diese. „Wenn ich nicht so viele Stammkunden hätte, könnte ich mich schon lange nicht mehr retten“, sagt sie. „Das reicht gerade noch zum Überleben.“ Als die gelernte Glasapparaturbauerin vor 33 Jahren erstmals auf dem Weihnachtsmarkt stand, war vieles noch anders, sagt sie. „Die Leute hatten mehr Zeit. Ich habe Vorführungen gezeigt, wie ich arbeite. Heute rennen viele nur noch vorbei.“ Außerdem sei sie von der Glasindustrie aus China oder Tschechien überrascht worden. „Ich überlege mir schon, wie lange das noch gut geht.“

80 Prozent Krämerstände, 20 Prozent Essensstände

Viele gehen freilich auch nur auf den Weihnachtsmarkt, um dort zu essen und zu trinken. Dennoch war es schon immer so, dass es deutlich mehr Krämerstände als Essensstände gab, sagt Katja Flad von der Veranstaltungsgesellschaft in.Stuttgart, die auch den Weihnachtsmarkt organisiert. Die Relation liege in etwa bei 80 zu 20 Prozent.

Das Interesse der Betreiber an einem Stand unterscheide sich unterdessen sehr stark: „Die meisten Bewerbungen gehen für Imbissstände ein, vor allem für Glühweinstände. Gar keine Bewerbungen gehen mittlerweile für Spielwaren ein.“ Zugleich seien einige Händler bereits seit 200 Jahren auf dem Weihnachtsmarkt: „Bei vielen handelt es sich um ein Familiengewerbe, getreu dem Motto: ‚Der Urgroßvater hat’s auch schon so gemacht’.“

Auf dem Markt erfahren Krämer genau, was Kunden wollen

Ganz ähnlich ist es bei Peter Wermescher. Er hat BWL studiert und sich 2008 dazu entschieden, den Familienbetrieb Heirol zu übernehmen. Verkauft werden unter anderem Naturheilmittel, Kräuteröle und Balsame. „Für mich ist es wichtig, auf den Märkten an der Front zu stehen, um genau zu erfahren, was die Kunden wollen“, sagt er. Einen großen Teil des Umsatzes werde tagsüber gemacht, aber auch abends kämen noch Interessenten – teilweise auch welche, die schon etwas Glühwein intus hätten und denen dann einfalle, dass sie noch Geschenke brauchen. „Natürlich ist der Weihnachtsmarkt ein großer Aufwand. Aber letztlich muss unterm Strich etwas übrig bleiben. Und bisher bin ich da guter Dinge.“

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