Hannovermesse Bei der digitalen Zukunft ist Vertrauen gefragt

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Die Industrie wirbt auf der weltgrößten Industriemesse in Hannover für eine stärkere Zusammenarbeit mit den USA. Dabei geht es auch um die Vorteile der Kooperation mit Deutschland und die Frage, warum Vertrauen für die digitale Zukunft wichtig ist und wer von der Industrie 4.0 profitiert.

Erdnussriegel mit der Aufschrift „First peanuts, then Obama“ (zuerst Erdnüsse, dann Obama) liegen auf der Hannover-Messe. Die USA sind dieses Jahr Partnerland der Messe. Der US-Präsident hält sich für einen zweitägigen Besuch in Deutschland auf Foto: dpa
Erdnussriegel mit der Aufschrift „First peanuts, then Obama“ (zuerst Erdnüsse, dann Obama) liegen auf der Hannover-Messe. Die USA sind dieses Jahr Partnerland der Messe. Der US-Präsident hält sich für einen zweitägigen Besuch in Deutschland auf Foto: dpa

Hannover - Die Industrie wirbt für eine stärkere Zusammenarbeit mit den USA. Die Vereinigten Staaten sind Partnerland der diesjährigen Industriemesse in Hannover, die an diesem Montag die Pforten für das Publikum öffnet – einen „besseren Partner“ hätte man nicht finden können, sagte Michael Ziesemer, der Präsident des Zentralverbands Elektrotechnik und Elektronikindustrie (ZVEI), bei der Eröffnungsfeier. Schon heute würden sich beide Länder in engem Austausch befinden. So sei die USA für den deutschen Maschinenbau und die deutsche Elektroindustrie der wichtigste Absatzmarkt im Ausland. Eine verstärkte Zusammenarbeit lohne sich für beide Ländern, weil „sie Stärken einbringen können, die sich ergänzen: die USA ihre IT- und Internetkompetenz, Deutschland sein Wissen um industrielle Prozesse“, sagte der ZVEI-Präsident.

Aber auch Deutschland will mit der Verbändeplattform Industrie 4.0 bei digitalen Technologien vorankommen. Der Startschuss dazu ist vor einem Jahr in Hannover gefallen. Doch damit allein sieht Ziesemer Deutschland noch nicht auf einem guten Weg. „Unsere gemeinsame Aufgabe ist nunmehr, die gesellschaftlichen Fragen der Digitalisierung stärker als bisher zu diskutieren.“ Dazu gehören seiner Ansicht nach die neue Arbeitswelt und Fragen des Datenschutzes. „Nur wenn es gelingt, Vertrauen herzustellen, werden wir die Chancen der digitalen Welt nutzen können.“

Siemens-Chef Joe Kaeser fördert stärke Bildung in Mint-Fächern

Joe Kaeser kann dem nur zustimmen. „Die Technologie ist bedeutungslos, wenn sie nicht den Menschen und der Gesellschaft zugutekommt“, sagte der Siemens-Chef auf einer Veranstaltung des BDI, des Bundesverbandes der deutschen Industrie, in Hannover. Als Beispiel nannte er die Musikindustrie; digitale Technologien hätten traditionelle Geschäftsmodelle umgewälzt und teilweise zerstört. Wichtig ist seiner Ansicht nach, dass die ganze Gesellschaft Nutzen aus der Digitalisierung ziehen. Es dürfe nicht sein, dass nur wenige, etwa Softwarespezialisten, davon profitierten und das Gros der Menschen, etwa in der Produktion, verlieren würde. Um dies zu verhindern, fordert er eine stärkere Bildung in Mint-Fächern – also in Mathematik, Ingenieurwissenschaften, Naturwissenschaften und Technik. Mitarbeiter müssten vermehrt weitergebildet werden. Denn die „Schraubenzieher verschwinden nicht ganz aus der Fabrik“, so Kaeser, aber zunehmend würden digitale Technologien die Diagnose bei Maschinenstörungen übernehmen.

Kosten reduzieren mit digitaler Technik – ein Surfbrett-Hersteller macht es vor

Nach Ansicht von Kaeser ist Industrie 4.0 nicht nur Thema für große Unternehmen, auch kleine profitieren davon. Als Beispiel nannte er einen Hersteller von Surfbrettern in den USA, der früher nur Einzelfertigung kannte. Durch digitale Techniken habe er seine Kosten drastisch reduziert – und 20-mal mehr Bretter mit der gleichen Anzahl von Mitarbeitern hergestellt. Auch heute arbeite er kundenspezifisch, aber für das Design eines Brettes benötige er gerade noch fünf Minuten, von zuvor zwei Stunden.