Historische Stadtführung Auf Spuren erfolgreicher Stuttgarterinnen

Die Teilnehmerinnen lesen, was auf den Infotafeln am Gerda-Taro-Platz steht. Foto: Lg/Julian Rettig
Die Teilnehmerinnen lesen, was auf den Infotafeln am Gerda-Taro-Platz steht. Foto: Lg/Julian Rettig

Beim Stadtspaziergang „Stuttgarter Frauen im Fokus“ erfahren die Teilnehmer jede Menge Fakten zu berühmten Stuttgarter Frauen und der Stuttgarter Historie im Allgemeinen.

WhatsApp E-Mail LinkedIn Flipboard Pocket Drucken

Stuttgart - Selbst diejenigen, die bereits einige Jahrzehnte in Stuttgart wohnen, können in der schwäbischen Landeshauptstadt immer noch Neues entdecken. Das zeigte sich diesen Sonntag bei einem Stadtspaziergang durch die Innenstadt: „Hier war ich ja noch nie“ und: „Wow, hier ist es ja total schön“, kommentierten einige Teilnehmer als sich die Gruppe die Gaisburgstraße und dann weiter über die ehemalige Esslinger Steige hinauf zum Eugensplatz bewegt.

Die Gruppe, die sich für die Führung zum Thema „Stuttgarter Frauen im Fokus“ bei Alexandra Birkert angemeldet hat, stoppt schließlich vor einem verwunschenen Gartengrundstück. Hier verfasste einst die Schriftstellerin Marianne Ehmann ihre Werke, während sie den Blick auf die Stadt genoss, wie Birkert erzählt: „Sie hatte hier ein Schreibpult aufgestellt und hat ihre Werke verfasst“, erklärt die Literaturwissenschaftlerin und Historikerin.

Den Blick auf ganz unbekannte Ecken lenken

Insgesamt führt der Weg die Gruppe an acht Stationen in der Stuttgarter Innenstadt vorbei, an denen Birkert die Geschichte berühmter Frauen erzählt. Den Anfang macht dabei das Stuttgarter Rathaus. „Ich wurde immer wieder gefragt, ob ich in einer Führung touristische Ziele ansteuern könnte. Deshalb habe ich überlegt, was typische Anlaufstellen in Stuttgart sind“, erklärt Birkert die Auswahl der Stationen. Wobei sie dennoch immer die Abwechslung auf der Wegstrecke im Auge behalten hätte. Und so vermittelt sie auf dem rund zweieinhalbstündigen Weg durch die Stadt auch viele Informationen zur Stadtgeschichte und lenkt den Blick auch auf ganz unbekannte Ecken.

Am Rathaus legt sie den Fokus auf das Glasbild im Festsaal, das man oberhalb der Eingangstür von außen erkennen kann. Es wurde von der Künstlerin Ida Kerkovius entworfen, die lange Zeit in Stuttgart lebte und die vor allem durch ihre farbgewaltigen Arbeiten überzeugt – wie Birkert anhand einiger Abbildungen beweist. Ebenfalls viele Jahre wohnte Jella Lepmann, die als Gründerin der Internationalen Jugendbibliothek in München gilt, in Stuttgart. Um sie geht es an der zweiten Station des Rundgangs: dem Tagblatt-Turm, wo Jella Lepmann als erste weibliche Redakteurin beim „Stuttgarter Neuen Tagblatt“ arbeitete.

Zum krönenden Abschluss geht’s zum Opernhaus

Danach folgt für die Gruppe ein Fußmarsch zum Gerda-Taro-Platz oberhalb des Olgaecks. Hier erfahren die rund 20 Teilnehmer viel Wissenswertes über die Fotografin Taro, die als erste Frau an der Kriegsfront fotografierte. Es folgt ein kurzer Abstecher zum ehemaligen Wohnhaus von Clara Zetkin an der Blumenstraße. Schließlich spaziert die Gruppe am Garten von Marianne Ehrmann vorbei zum Eugensplatz. Als krönender Abschluss geht’s zum Opernhaus, wo die Teilnehmer alles zur Primaballerina und Stuttgarter Ballettdirektorin Marcia Haydée erfahren.

Was viele der Teilnehmer im Laufe des Mittags besonders fasziniert, sind die Randinformationen, die Birkert auf dem Weg von Station zu Station immer wieder einstreut. Zum Beispiel, dass die Gaisburgstraße die frühere Esslinger Steige war und dass der Weg nach Esslingen vom Esslinger Tor durch das Dorf Gaisburg führte. Oder: „dass hier ein Stück Stadtmauer ist. Das wusste ich nicht“, so beispielsweise Herr Schreiber aus Stuttgart-Nord, der sich extra deshalb für diese Führung entschieden habe, weil „das Thema nicht so alltäglich ist“. Und so freuen er und seine Frau sich über den Input der Historikerin Birkert. Auch Barbara Reinhard aus Gaisburg ist schon nach wenigen Stationen ganz begeistert vom Thema und der Vermittlung: „Ich bin grundsätzliche neugierig und lerne gerne Neues dazu. Die Führung heute finde ich sehr interessant, weil ich über viele der Frauen bisher tatsächlich nichts wusste“, sagt die Rentnerin.

Monatelange Vorbereitung im Archiv

Und so ist es nicht ausgeschlossen, dass manche der rund zwanzig Teilnehmer sich auch in Zukunft mal wieder für eine der Führungen von Alexandra Birkert entscheiden werden. Schließlich ist es auch der Ansatz von Birkert, dass hier alle was Neues lernen: „Ich möchte Wissen vermitteln, das man so nicht nachlesen kann. Alle Themen recherchiere ich deshalb selbst“, sagt die Geisteswissenschaftlerin, die für die Vorbereitung einer solchen Führung schon mal mehrere Monate im Archiv verbringt. Und so gehen die Teilnehmer am Sonntag mit viel neuem Wissen nach Hause und freuen sich schon auf den nächsten Spaziergang durch die unbekannten und bekannten Ecken der Stadt. Oder wie es Birkert am Anfang der Führung zusammenfasst: „Zu den schönen, aber auch nicht so schönen Ecken Stuttgarts“.




Unsere Empfehlung für Sie