Fellbach ist Sitz des Vereins Waldtrachtbeobachter Süd. Die Mitglieder beschäftigen sich vor allem mit Bienenvölkern und Lausbeobachtung.

Fellbach - Mit der Namenswahl bei Vereinen ist es manchmal so eine Sache. Beim Sportverein, dem Handarbeitszirkel oder dem Kegelklub ist schon bei oberflächlicher Betrachtung klar, was die Mitglieder in ihrer Freizeit so anstellen. Was aber bitte machen denn die Angehörigen des Fellbacher Vereins Waldtrachtbeobachter Süd?

„Wir sind ein Wanderverein“, sagt Thomas Lorenz lachend. Der Oeffinger ist Gründer sowie Vorsitzender des vor wenigen Monaten gegründeten Vereins und meint damit eine sehr spezielle Art des Wanderns. Bienenhalter verstehen darunter das Verstellen ihrer Bienenkästen an Plätze mit besonders guter Nahrungsversorgung.

Wichtig für eine reiche Honigernte

Diese sogenannte „Tracht“ aus Pollen, Nektar und Honigtau ist einerseits für ein gesundes Volk, andererseits aber auch für eine reiche Honigernte elementare Grundbedingung. Während in den Niederungen des Remstals nach der Obstblüte beim Nektarfluss oft Ebbe herrscht, kommt die Rapsblüte auf der rauen Schwäbischen Alb dann erst in Schwung.

Die Waldtrachtbeobachter Süd beschäftigen sich jedoch nicht mit dem Vorkommen von Blüten, sondern hoffen auf Honigtau, aus dem ihre Immen Waldhonig herstellen können. Letzterer ist ein besonders geschätzter Honig, der für Berufsimker auch wirtschaftlich von enormer Bedeutung ist: „Eine gute Waldtracht bringt das Jahresergebnis ins Plus“, sagt Thomas Lorenz, der zwar immerhin 16 Bienenvölker besitzt, seinem Broterwerb aber als Mechanikermeister an der Universität Stuttgart nachgeht.

Waldhonig gibt es nicht jedes Jahr

Brauner Waldhonig von Fichten, vor allem aber der fast schwarze Tannenhonig ist sehr aromatisch und erzielt üblicherweise höhere Preise als Blütenhonig. Die Angelegenheit hat jedoch einen Haken: Waldhonig gibt es nicht jedes Jahr, denn er ist vom massenhaften Vorkommen von Läusen abhängig. Lebewesen mit so sperrigen Namen wie Rotbraun bepuderte Fichtenrindenlaus oder Grüne Tannenhoniglaus saugen den zuckerreichen Saft ihrer Wirtspflanzen. Weil die Sechsbeiner jedoch nach dem nur spärlich darin enthaltenen Eiweiß gieren, geben sie den gefilterten Zuckersaft wieder ab. Ameisen und andere Insekten freuen sich über die kalorienreichen, wasserklaren Tröpfchen, aus denen Honigbienen Waldhonig produzieren.

Um den Honigtau ausnutzen zu können, müssen Imker rechtzeitig wissen, wann und wo mit einem Vorkommen zu rechnen ist. Deshalb ist in deutschen Wäldern ein ganzes Netzwerk von Bienenvölkern verteilt, die auf elektronischen Stockwaagen stehen. Gewichtsveränderungen melden die Geräte per Internet an spezielle Homepages wie stockwaage.de. So können Mitglieder erkennen, an welchen Orten es sich lohnt, Bienenvölker aufzustellen.

Auch Hobbyimker sind fasziniert

Imker können auf diese Weise in guten Waldhonigjahren reiche Ernten einfahren. Das fasziniert neben Berufsimkern auch viele Hobbyimker wie Thomas Lorenz, der seit dem Jahr 2001 Bienen hält: „Ich habe in meinem zweiten Imkerjahr gesehen, dass die Waldtracht gut ist für die Sommerernährung der Bienen.“ Im Jahr darauf besuchte er einen Kurs beim damals an der Landesanstalt für Bienenkunde an der Universität Hohenheim tätigen „Waldtrachtpapst“ Gerhard Liebig. Immer mehr vertiefte sich Thomas Lorenz in die Materie und ist seit 2012 Obmann für Waldtrachtbeobachtung und Wanderung beim Landesverband Württembergischer Imker.

Die bereits seit 2006 bestehende Lausbeobachtergruppe Remstal überführte Thomas Lorenz nun in einen Verein. Aus dem Stand heraus zählen die Waldtrachtbeobachter Süd rund 65 Mitglieder, darunter Berufsimker aus ganz Süddeutschland. Fast alle haben eine eigene Stockwaage und stellen ihre Daten der Gemeinschaft zur Verfügung. „Die Mitglieder, die in unserem Verein sind, müssen schon eine gewisse Bereitschaft zur Kooperation haben“, sagt Thomas Lorenz, denn der Informationsaustausch ist die Basis des Vereins.

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