Intervention des Ordnungsamts in Stuttgart Hygieneauflage für Schule schlägt Wellen

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Ist Stuttgart eine Spaßbremserhauptstadt? In diese Richtung gehen viele Kommentare, nachdem unsere Zeitung darüber berichtet hat, dass das Ordnungsamt zeitweilig aus Hygienegründen die Spielstadt an der Altenburgschule geschlossen hatte. Was bedeutet das für künftige Schulfeste?

Wollt ihr etwa Salmonellen? Foto: Wolfgang Horsch
Wollt ihr etwa Salmonellen? Foto: Wolfgang Horsch

Stuttgart - Ist Stuttgart die Hauptstadt der Spaßbremser? Kontrolliert jetzt das Ordnungsamt auch noch jedes Schulfest? Ist das alles „lächerlich und überzogen“? Und haben „die Kids in einer Lektion gelernt, dass man, bevor man etwas anfängt, ganz viele Gesetze und Verordnungen liest“? In diese Richtung gehen viele Facebook-Kommentare, nachdem unsere Zeitung darüber berichtete, dass das Ordnungsamt die Spielstadt an der Altenburgschule in Bad Cannstatt aus Hygienegründen zeitweise geschlossen hatte. Nun fragen sich viele Eltern, wie man künftig noch Schulfeste gestalten kann.

Der Lebensmittelkontrolleur des Ordnungsamts, der am Montag das Schülerprojekt zur Demokratie mit 700 Beteiligten stoppte, hat bei den Gastroangeboten der Kinder vier Dinge moniert: fehlende Kenntlichmachung von Allergenen, fehlenden Spuckschutz, fehlende Handwaschmöglichkeiten mit heißen Wasser und fehlende Aufsicht.

In den Klassenzimmern haben die Waschbecken nur Kaltwasser

Dank einer erfahrenen Schausteller-Mutter konnte die Schule das Verlangte nachliefern und durch eine aufwendige Umgestaltung die Projektwoche doch noch retten. Aber ein Schmuddelimage wollte Rektorin Katrin Steinhülb-Joos nicht im Raum stehen lassen. „Hygienische Standards zum Beispiel beim Backen von Waffeln müssen auf jeden Fall erfüllt sein – falls nicht, muss selbstverständlich nachgebessert werden“, erklärte sie. Und: „Selbstverständlich waschen die Kinder vor dem Kochen und Zubereiten der Speisen ihre Hände – aber in den Klassenzimmern haben wir halt nur Kaltwasser.“ So ist es auch an vielen anderen Schulen.

Dass fürs Waffelbacken Heißwasser für die Hände vorgehalten werden muss, ist auch Andreas Hein nicht bekannt. Der Leiter des Schulverwaltungsamts kennt sich zwar beim Mensabau bestens aus, denn da ist die Stadt als Schulträger bei den Ganztagsgrundschulen rechtlich zuständig. Doch mit dem Catering werden für gewöhnlich Profis beauftragt. Aber Hygienestandards bei Schulveranstaltungen? „Ist nicht unsere Baustelle“, so Hein. Er habe dafür auch keine Checkliste.

Ordnungsamt: Wir gehen nicht standardmäßig auf Schulfeste

Die würde sich zwar Rektorin Steinhülb-Joos wünschen, weil das vieles vereinfachen würde. Doch die hat auch Thomas Stegmanns nicht, der Leiter der Lebensmittelüberwachung im städtischen Ordnungsamt. Er stellte auch klar: „Wir gehen nicht standardmäßig auf Schulfeste.“ Schließlich hätten seine 23 Mitarbeiter 11 000 kommerzielle Lebensmittelbetriebe zu kontrollieren.

Ein Kommentator schreibt hierzu auf Facebook: „Was man der Stuttgarter Lebensmittelüberwachung nicht vorwerfen kann, ist, dass sie nicht kontrollieren oder aber wegschauen würde.“ Er verweist auf die Veröffentlichungen von Kontrollen mit erheblichem Befund im letzten halben Jahr: „Das sind in Stuttgart 24 Seiten.“ Und er ergänzt: „Ein Schulfest ist etwas Schönes und Tolles. Aber gleichzeitig will doch wirklich niemand sein eigenes Kind nach dem Fest mit einer Salmonellen-Infektion daheim liegen haben.“

Stegmanns berichtet von 90 bis 100 Anrufen pro Jahr, weil es Personen nach dem Essen im Restaurant schlecht gegangen sei, zum Teil seien das auch Gruppenerkrankungen mit mehr als 100 Leuten.

Kaum eine Schule ordert Spuckschutzvorrichtungen

Und nun? Werden wohl auch weiterhin bewirtschaftete Feste oder Projekttage an Schulen stattfinden. Ob diese vorab Spuckschutzvorrichtungen beim Schulverwaltungsamt geordert haben, ist möglich, aber unrealistisch. Antwort einer Facebook-Kommentatorin auf das Lob für die Kontrolleure: „Dann hoffe ich mal für Sie, dass Sie nie auf Schulfesten von Kuchen oder Salaten essen, die von Eltern zu Hause hergestellt wurden! Denn da wissen Sie auch nicht, unter welchen hygienischen Bedingungen die entstanden sind.“ Die Schüler der Altenburgschule haben inzwischen genau vermerkt, welche Allergene ihre Waffeln und Falafel enthalten.

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