InterviewFritz Wepper und „Um Himmels Willen“ „Der Wöller ist einmalig“

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Die neue Staffel von „Um Himmels Willen“ startet. Im Gespräch verrät Fritz Wepper, wie ähnlich ihm die Figur des Oberbürgermeisters ist.

Wie ein altes Ehepaar: Schwester Hanna (Janina Hartwig) und Fritz Wepper in seiner Paraderolle Foto: ARD/Barbara Bauriedl
Wie ein altes Ehepaar: Schwester Hanna (Janina Hartwig) und Fritz Wepper in seiner Paraderolle Foto: ARD/Barbara Bauriedl

Stuttgart - Seit fast 20 Jahren spielt Fritz Wepper in der ARD-Serie „Um Himmels Willen“ den ausgebufften Bürgermeister Wolfgang Wöller. Am 7. Januar startet die neue Staffel. Wepper verrät: Es wird hier nicht nur um Kloster Kaltenthal gehen.

Herr Wepper, haben Sie schon mal einen leibhaftigen Wolfgang Wöller getroffen?

Nicht wirklich. Er ist einmalig, und ich bin immer noch auf der Spur, ihn einzuatmen und wahrzunehmen.

Sie lassen sich also nicht von Typen inspirieren, die Sie im Leben treffen?

Nein, das ist nicht meine Art. Einen Schauspieler machen Fantasie und Vorstellung aus. Man setzt sich mit einem Charakter persönlich auseinander. Wir sind alle einmalig – und so ist es auch der Wöller. Das gilt es umzusetzen.

„Um Himmels Willen“ läuft seit fast zwanzig Jahren. Ist das eher Fluch oder Segen?

Fluch überhaupt nicht. Segen ist vielleicht auch übertrieben, passt aber eher.

Hat der Wöller das Angebot an Rollen nicht auch eingeschränkt?

Nein, überhaupt nicht. Es ist eine Einmaligkeit, und ich mache es zu gerne. Es macht Spaß, ich habe wunderbare Kollegen, wir haben gute Bücher. Ich freue mich schon auf die nächsten Bücher, wir fangen im Frühjahr wieder an zu drehen.

Sind Sie beim Drehen Perfektionist oder eher spontan und fürs Improvisieren?

Das spielt beides mit. Die Vorgabe ist natürlich der Text, aber wir haben die Freiheit, die Texte mundgerecht zu gestalten, wobei die Drehbücher an sich schon mundgerecht geschrieben sind.

Würde Fritz Wepper gern in Wöllers Haus wohnen?

Für uns sind das Kulissen. Wöllers Haus ist okay, so wohnt er halt. An seinem ehemaligen wilhelminischen Büro habe ich mich aber tatsächlich gestört. Das war überhaupt nicht mein Geschmack und auch nicht typisch für Wöller. Da ist jetzt die neue Dekoration besser.

Wöller ist Autohändler . . .

Leider kommt der Autohändler ja nicht mehr in der Werkstatt vor. Diese Szenerie und wie er mit den Mitarbeitern umgeht, vermisse ich ein bisschen.

Mögen Sie denn große, schnelle Autos?

Ich habe ein sehr gutes Auto.

Was halten Sie von einem Tempolimit?

Wenn jemand 130 fahren will, kann er das. Aber mein liberaler Geist hat es ungern, von unzulänglichen Politikern gesteuert zu werden.

Sind Sie ein politischer Menschen?

Sicher denke ich politisch. Seit meinem 15. Lebensjahr habe ich eine europäische Gesinnung. Ich kenne Europa, ich finde es als Option großartig. Über siebzig Jahre Frieden sind eine große Errungenschaft.

Blicken Sie optimistisch ins neue Jahr?

Es gibt verschiedene Aspekte, Privatleben, Berufsleben und das Politische. Die Welt ist komplizierter geworden. Wir haben große Probleme mit Umwelt und Klima, da muss man zusammenstehen. Aber ich bin zuversichtlich, dass die richtigen Geister die richtigen Weichen stellen.

Ihre Frau ist vor einem Jahr gestorben. ­Haben Sie in der Arbeit Trost gesucht oder eher bei Familie und Freunden?

Das betrifft die Familie, die Kinder und Enkelkinder. Wir haben einen seelischen Schulterschluss im Empfinden, Verlieren und Vermissen. Es ist nicht einfach, der Verlust ist für uns alle unsagbar schwer.

Sind Sie gläubig?

Ja. Ich bin evangelisch, habe darüber hinaus aber auch eine großartige Erfahrung gemacht mit einem japanischen Zen-Meister. Ich bin in den Zen-Buddhismus eingeführt worden, den ich in Form einer Meditation praktiziere.

Was treiben Sie privat, haben Sie Hobbys?

Ich bin Fischer und Jäger, wir haben eine Eigenjagd, die man betreuen muss. Ich bin auch Taucher und Skifahrer. Derzeit muss ich aber nach einer Operation erst einmal wieder muskulär auf die Beine kommen, sprich: trainieren.

Wie halten Sie es mit der Musik? Lieber Volksmusik oder Kammerkonzert?

Musik ist Musik. Ich kenne alles, ich habe Klavier gespielt und liebe die klassische Musik. Ich bin aber auch mit dem Rock ’n’ Roll aufgewachsen und habe Frank Sinatra kennengelernt.

Wenn Sie abends eine Platte auflegen, was ist das dann?

Ich habe, glaube ich, 700 Platten. Dazu ein Premium-Abo fürs Internet. Ich höre den Gefangenenchor und bin ein großer Fan der klassischen Tenöre, aber auch Helene Fischer singt mir manchmal was ins Ohr.

Eher Fernsehen oder Theater?

Alles. Ich gehe ins Theater, ich gehe ins Kino, ich sehe Netflix, bin im Internet. Der Fernseher strahlt ja manchmal auch „Um Himmels Willen“ aus . . .

Das schauen Sie sich an?

Für mich ist es wichtig, die Sendung anzuschauen, wenn sie gesendet wird, damit man weiß, in welcher Spannung man steht, wie das Wetter ist, was die anderen Sender zeigen. Manchmal sehe ich auch eine Wiederholung an. Es ist spannend zu sehen, wie man sich verändert hat, welche Falten dazugekommen sind.

Können Sie sich ein Leben ohne Kamera vorstellen?

Ohne Kamera schon, aber nicht ohne meinen Beruf. Ich habe ja auch Theater gespielt. Ich wüsste zwar, was ich sonst noch machen könnte, aber ich liebe meinen ­Beruf zu sehr. Ich bin mit ihm erwachsen und älter geworden, er ist auch seelische Bestärkung. Der Wöller wird ja auch älter wie der Wepper, da zeigen sich andere Einsichten, eine andere Körpersprache.

Hat sich Wöller verändert, oder ist er nicht letztlich immer das Schlitzohr geblieben?

Nein, das wäre zu wenig. Er hat auch seelische Empfindungen. Es hätte keinen Charme, wenn es nur eine kämpferische Auseinandersetzung wäre. Deshalb haben Janina Hartwig und ich uns geeinigt, als Schwester und Oberbürgermeister wie ein älteres Ehepaar augenzwinkernd mit den Themen umzugehen.

In der neuen Staffel wird es vermutlich um Kloster Kaltenthal gehen?

Nicht nur. Aber ich will nicht zu viel verraten. Ich glaube, dass unsere Kundschaft sich zurücklehnen und entspannen kann und gut unterhalten werden wird.