TV-Tipp „Frau Jordan stellt gleich“ Kämpfe im Muschibüro

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Pro 7 zeigt jetzt immer mittwochs die Joyn-Serie „Frau Jordan stellt gleich“. Was taugt der Feminismus-Spaß mit Katrin Bauerfeind?

Überzeugend auch in ihrer Serie: Katrin Bauerfeind Foto: 7TV / Christiane Pausch 12 Bilder
Überzeugend auch in ihrer Serie: Katrin Bauerfeind Foto: 7TV / Christiane Pausch

Stuttgart - Das Leben ist zu kurz, um es mit schlechten Serien vor dem Fernseher zu verschwenden. Unser Schnelltest verrät, ob es sich wirklich lohnt, sich auf eine neue Serie einzulassen. Wir haben für Sie gesehen: die ersten beiden Folgen von „Frau Jordan stellt gleich“.

Die Story in drei Sätzen Katrin Bauerfeind klatscht als Eva Margarete Jordan, als Chefin eines Gleichstellungsbüros, alle, jeden und jede an die Wand. Eine Wucht als Kämpferin fürs Gute. Mit ihrem Team – Philip (ganz süß: Alexander Khuon), Renate (ganz verplant: Mira Partecke) und Yvonne (ganz lesbisch: Natalia Belitski) – kümmert sie sich leidenschaftlich um eine Gärtnerin, die vom Chef sexuell belästigt wird, oder auch um eine alte Frau, die dafür kämpft, dass der örtliche Hindenburgplatz umbenannt wird, wegen den Nazis und so.

Was soll das alles? Vor der Ausstrahlung stellte Bauerfeind klar: „Bevor wir in die Feminismusdebatte einsteigen, muss ich sagen: Wir haben eine Comedyserie gemacht. Wir sind nicht die Serie zum Feminismus, wir wollten keine Emanzencomedy, und wir haben nicht die Witzeseite der „Emma“ verfilmt. Wir dachten, es ist an der Zeit, auch über das Thema zu lachen, was übrigens nicht dasselbe ist, wie sich darüber lustig zu machen.“

Wer steckt dahinter? Ralf Husmann, der „Stromberg“-Erfinder, hat die Drehbücher der ersten Serien-Eigenproduktion des Streamingdienstes Joyn geschrieben. „Stromberg“? Hallo, da liegt die Messlatte aber hoch! Gut, Frau Jordan hat nichts mit dem beliebten Büroekel gemein, aber prächtig politisch unkorrekt geht es ganz Husmann-typisch schon zu – bereits in der ersten Szene: Als Jordans Truppe noch darüber diskutiert, ob der italienische Eisverkäufer, also „der Spaghetti“, mit weiblichen Brüsten werben darf oder ob das schon „Titten“ sind – also böse böse sexistisch –, stopft sich Jordan, um in Verhandlungen mit dem Bürgermeister ihren Etat zu sichern, den BH aus: „Ich passe meine Körbchengröße seinen Dioptrien an.“

Die Sätze des Tages liefert natürlich Jordans Gegenspieler, der Bürgermeister Brinkmann (Ulrich Gebauer): „Die hat aber auch die Glocken raushängen lassen heute morgen! Ich habe schon überlegt, ob ich mich als Glöckner bewerben soll.“ Für ihn ist der „Gleichstellungsquatsch eine Mode, die vorbeigeht“.

Bitterböses 1 Dieser Obermichel kann den Mund noch so voll nehmen, er kann bis obenhin vollgestopft sein mit antiquarischem Sexismus – unsere Machorealität kann damit gar nicht überzeichnet werden.

Bitterböses 2 „Treten wir hier jetzt in einen Wettbewerb, wer belästigt wird?“, fragt die völlig verzweifelte Gärtnerin die Gleichstellungsbeauftragte. Frau Jordan hat die Erregbarkeit des Chefs getestet, konnte aber nicht bei ihm landen. Weil sie diesen Kerl mit dem grünen Daumen aber sehr attraktiv findet, mag sie das so nicht auf sich sitzen lassen.

Is’ klar In der vom Bürgermeister nur „Muschibüro“ genannten Feminismusabteilung wird angeblich aus jeder Mücke eine Elefantin gemacht.

Lieblings-Running-Gag Philip, der einzige männliche Mitarbeiter im Gleichstellungsbüro, wird vom Bürgermeister immer nur Fräulein genannt. Oder „Mitarbeiterin des Monats“.

Kaum zu glauben Es gibt tatsächlich auch schlichtweg rührende Momente. Wie einer daran glaubt, mit Grauburgunder aus einer Kratzbürste eine Königin zaubern zu können. Oder Hitler, der Papagei, der mit seiner Besitzerin im Glauben an das Gute zusammenlebt.

Wer soll das gucken? Nur, wer schon bereit ist, dem Feminismus und sämtlichen Gleichstellungsdebatten mit einem Augenzwinkern zu begegnen. Und wer generell kein Problem damit hat, vor dem Nachdenken zu lachen.

Bingewatch-Faktor Hoch. Dass am Ende der zweiten Folge zwei schlaue Kriegerinnen in den Kampf ums Bürgermeisteramt ziehen – Frau Jordan und Frau Sommerfeld (erfrischend eiskalt: Adina Vetter aus den „Vorstadtweibern“) –, hat in einer Gleichstellungscomedy Witz hoch zehn. Dass an dieser Stelle keine Vornamen genannt werden können, hat seinen guten, ganz handlungsorientierten Grund.

Gesamtnote 2

„Frau Jordan stellt gleich“ lief 2019 bereits auf der Streaming-Plattform Joyn. Pro 7 zeigt die Serie nun in Doppelfolgen immer mittwochs um 20.15 Uhr.