Kirchheim erschließt neues Wohngebiet Gründerzeit-Stimmung im Steingau

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Am städtebaulichen Scharnier zwischen Bahnhof und Innenstadt entstehen in Kirchheim mehr als 70 Gebäude. Die Architektur soll sich an den Gründerzeit-Idealen orientieren.

Noch ist es Zukunftsmusik, doch die Weichen sind gestellt. Bald werden auch im Kirchheimer Steingau-Areal die Baukräne in den Himmel reichen. Foto: dpa
Noch ist es Zukunftsmusik, doch die Weichen sind gestellt. Bald werden auch im Kirchheimer Steingau-Areal die Baukräne in den Himmel reichen. Foto: dpa

Kirchheim - Noch steht kein Kran auf dem Baugelände, noch ist keine Wasserleitung gelegt und noch kein Fundament ausgehoben, da hat die Kirchheimer Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker die Latte für die Bebauung des Steingau-Quartiers hoch gehängt. „Ein starkes Stück Stadt“ nennt sie das Projekt, an dessen Ende bis zum Jahr 2021 insgesamt 70 neue Gebäude stehen sollen. Das am Rande der Innenstadt, nur einen Steinwurf vom S-Bahn-Halt entfernt gelegene Gelände eröffne der Teckstadt „eine einmalige Chance an prominenter Stelle“, schwärmt die Oberbürgermeisterin.

Der geplante hohe Anteil an geschlossenen Wohnblöcken lehnt sich an die architektonischen Ideale der Gründerzeit an – und auch die von der Rathausspitze verbreitete Aufbruchstimmung entspricht dem ganz historischen Vorbild. „Wir bauen hier eine europäische Stadt, auf Kirchheimer Verhältnisse projiziert“, sagt der Leiter der Abteilung Städtebau und Baurecht, Gernot Pohl. 600 Menschen könnten bis in drei Jahren auf dem Gelände wohnen, auf dem einst rund 800 Arbeiter der Kirchheimer Traditionsweberei Kolb & Schüle an mehr als 300 Webstühlen Bettbezüge gefertigt haben. Als das Unternehmen zu Beginn der 1990er Jahre unter dem Druck des Strukturwandels in der Textilindustrie seine Fertigung nach Griechenland verlegte, wurde die Kirchheimer Spinnerei nach China verkauft.

Die Stadt hat das Gelände für gut neun Millionen Euro gekauft

Der Dornröschenschlaf hatte sich Jahrzehnte lang auch über das Steingau-Quartier gelegt. Dabei reichen die Versuche, das ehemalige Gewerbegebiet vor den Toren der Innenstadt für Wohnzwecke zu nutzen, bis in des Jahr 1997 zurück, krankten aber immer daran, dass die Stadt keinen direkten Zugriff auf das Gelände hatte. Nach Jahren zäher Verhandlungen konnte die Rathauschefin schließlich am 1. Januar 2017 ihre Unterschrift unter den Kaufvertrag setzen. Gut neun Millionen Euro hat sich die Teckstadt die Chance kosten lassen, das städtebaulich bedeutsame Scharnier zwischen Bahnhof und Innenstadt zu bebauen.

Jetzt soll der Gemeinderat Nägel mit Köpfen machen. In der ihrer nächsten Sitzung am Mittwoch, 4. Oktober, soll die Ratsrunde nicht nur über „duktile Gussrohre DN 100 mit Zementmörtelauskleidung“ entscheiden, die als Hauptleitungen für das Wasserleitungsnetz zum Einsatz kommen sollen, sondern auch über die Vergabe der ersten beiden Baufelder. Dabei kommen zuerst die Ankernutzer zum Zuge. Das sind die Unternehmen, die auch die unverzichtbaren Tiefgaragen unter den Wohnblöcken bauen. Unterm Strich soll die Bauherrschaft im Quartier aber so bunt zusammengesetzt sein wie die künftigen Bewohner. Nicht nur Bauträger, sondern auch Baugruppen, Genossenschaften, Familien, Wohngemeinschaften und Einzelpersonen können sich um den Zuschlag für einen Bauplatz auf dem 34 000 Quadratmeter großen Gelände bemühen. Zwischen 400 Euro und 700 Euro pro Quadratmeter stellt die Stadt für einen Bauplatz in Rechnung. „Damit schreiben wir im Haushalt eine schwarze Null“, sagt Angelika Matt-Heidecker

Stadt geht in Vorleistung

Noch in diesem Jahr geht die Stadt mit dem Bau der Versorgungsleitungen und des Straßennetzes in Vorleistung. Im Sommer 2019 werden die Fundamente für die ersten Häuser gelegt. Im Herbst 2020 steht der erste Einzugstermin an. Wenn auch der letzte Bewohner eingezogen ist, dann werden im Steingau-Quartier rund 600 Menschen leben. Zudem wird es, angrenzend an das benachbarte Marktkauf-Gelände, eine Handelsfläche mit Büros geben.




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