Krankenhaus Ludwigsburg Psychiatrie: Ärzte fordern mehr Personal

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Immer mehr Patienten, immer mehr Bürokratie: Die Ärzte der Ludwigsburger Psychiatrie sind am Limit. Sie fordern die Bundesregierung auf, ihnen mehr Personal zu genehmigen – sonst drohe eine Unterversorgung.

Zu wenig Personal, immer mehr Patienten: Die Ärzte der Ludwigsburger Psychiatrie im Klinikum schlagen Alarm. Foto: /Andreas Weise
Zu wenig Personal, immer mehr Patienten: Die Ärzte der Ludwigsburger Psychiatrie im Klinikum schlagen Alarm. Foto: /Andreas Weise

Ludwigsburg - In den vergangenen 25 Jahren hat sich die Zahl der Patienten in der Psychiatrie des Ludwigsburger Krankenhauses fast verdoppelt: von 450 auf mehr als 850. „Die Personalausstattung hat sich allerdings nicht mitentwickelt“, sagt Michael Glock, der Bereichsleiter für Pflege und Psychiatrie. Dazu kämen immer anspruchsvollere Aufgaben, eine ständig wachsende Bürokratie und der enorme Kostendruck durch die Krankenkassen.

„Wir sind am Limit“, sagt die Oberärztin Daniela Siewerdt-Werner, die am Donnerstag zu einer Protest-Mittagspause im Ludwigsburger Klinikum aufgerufen hat. Die Ärzte haben eine landesweite Petition an den Bundestag mit unterzeichnet, in der mehr Personal gefordert wird.

Die Aufgaben der 20 Ärzte und des Pflegepersonals in der Psychiatrischen Klinik Ludwigsburg sind vielfältig: Sechs Stationen sind zu betreuen, darunter eine geschlossene, drei Tageskliniken, etwa in Marbach, oder die Notfallambulanz. Gerade diese Anlaufstation ist nach Schilderung der Mediziner völlig überlaufen – auch weil es im Landkreis an niedergelassenen Nervenärzten fehlt.

Papierkram statt Patientengespräch

„Das ist wie ein Kreislauf“, sagt ein anderer Psychiatrie-Arzt, „es kommen immer mehr Patienten, der Takt wird dichter, und es gibt etwa für ältere Patienten keine psychiatrischen Pflegeplätze.“ Oft kämen mitten in Nacht Notfälle rein, etwa Suizidpatienten. Wenn der diensthabende Arzt morgens seine Arbeit beginnt, seien häufig schon acht oder neun neue Patienten über Nacht dazu gekommen.

Vor allem die immer umfangreichere Dokumentation macht den Doktoren zu schaffen. Ein Phänomen, das den ganzen Verbund der Regionalen Klinikenholding betrifft, wie der Sprecher Alexander Tsongas unterstreicht. Die Psychiatrie-Ärzte berichten davon, dass 40 bis 60 Prozent ihrer Arbeitszeit dafür draufgehe, Daten zu erfassen und Papiere auszufüllen.

Für einen Kranken kämen schon mal acht Formulare zusammen. „Sogar wenn wir von einem Patienten auf dem Flur kurz angesprochen werden, müssen wir das dokumentieren“, berichtet eine Ärztin. Alle Eingaben müssen zudem kontrolliert werden. Dafür sind wiederum extra ausgebildete Experten notwendig.

So bleibt immer weniger Zeit für die Arbeit mit den psychisch erkrankten Menschen. „Gerade in der Psychiatrie ist das direkte Gespräch mit dem Patienten durch nichts zu ersetzen“, sagt die Oberärztin Daniela Siewerdt-Werner. Stattdessen sitze man an Papierkram: „Wenn es nur eine kleine Unstimmigkeit gibt, streicht der MDK die Zuschüsse.“

Der MDK ist der Medizinische Dienst der Krankenkassen, in deren Auftrag er Einrichtungen überprüft und Abrechnungen kontrolliert. Nun gibt es für die Psychiatrie-Ärzte zwar durch eine neue Verordnung einige Minuten mehr pro Patient. Doch das reicht nicht – die Ärzte fordern bis zu 25 Prozent mehr Personal. Michael Glock sagt: „Sonst wird die Qualität der Versorgung immer weiter sinken.“