Landwirtschaft auf den Fildern Streit um die Felder geht weiter

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Um Flächen auf dem Birkacher Feld ist ein Streit entbrannt. Die Stadt Stuttgart muss ihn noch dieses Jahr schlichten. Spiegelt sich in dem Konflikt ein Verteilungskampf oder eher ein persönliches Gerangel unter den Bauern?

Äcker auf dem Birkacher Feld (im Hintergrund der Asemwald) sind zum Zankapfel geworden. Foto: Julia Bosch
Äcker auf dem Birkacher Feld (im Hintergrund der Asemwald) sind zum Zankapfel geworden. Foto: Julia Bosch

Filder - Michael Gehrung hat kein Mitleid. Der Obmann der Plieninger Bauern besteht auf die Äcker auf dem Birkacher Feld. Die acht Hektar, von denen er spricht, gehören der Stadt Stuttgart und stünden nach seinem Dafürhalten Stuttgarter Landwirten zu. Zur Erinnerung: Im Dezember hatte der gemeinderätliche Wirtschaftsausschuss entschieden, dass die Stadt auswärtigen Bauern die Pachtflächen kündigen darf, um sie an Stuttgarter Bauern zu verteilen. Anlass ist der voranschreitende Flächenfraß auf der Filderebene. Allein durch das Projekt Stuttgart 21 gehen der Landwirtschaft auf den Fildern – vor allem auf der Gemarkung Plieningen – 40 Hektar verloren.

Der Beschluss der Stadträte trifft vor allem einen Landwirt: Walter Schwaiger, dessen Hof nach eigenen Angaben zweigeteilt ist. Er lebt in Plattenhardt, beackere aber sowohl in Filderstadt als auch in Stuttgart Felder. In Birkach ist die Hofstelle seiner Schwiegereltern, dort hat die Familie einen Hofladen. Und auf dem Birkacher Feld bewirtschafte seine Familie „seit rund 40 Jahren“ Boden, den sie unter anderem von der Stadt gepachtet habe. Und genau um den geht es. Schwaiger sagte unserer Zeitung, er sorge sich um die Zukunft, sollte er den Boden tatsächlich hergeben müssen. Die städtischen Flächen seien nicht zusammenhängend, seine Äcker, die er dort ansonsten noch habe, wären folglich zerstückelt. „Die Bewirtschaftung wäre total ungünstig.“

Was ist eigentlich ein „auswärtiger“ Bauer?

Es steht Aussage gegen Aussage: Während Schwaiger betont, dass er kein auswärtiger Bauer sei, argumentiert der Plieninger Obmann Gehrung dagegen. Entscheidend ist aus Sicht des Plieninger Landwirts, wo ein Betriebsinhaber wohne und bei welchem Landwirtschaftsamt der Hof gemeldet sei.

Stuttgarter Bauern sind bei der Behörde in Ludwigsburg registriert, Filderstädter Landwirte in Esslingen. Reinhold Klaiber, Leiter des Landwirtschaftsamts in Esslingen, bestätigt, dass der Schwaigersche Hof bei ihnen gemeldet sei. Den Begriff „auswärtiger Bauer“ hat er aber noch nie gehört. „Das hat die Stadt Stuttgart neu eingeführt.“ Die Landeshauptstadt steht mit dem Vorgehen übrigens nicht alleine da. Beispiel Leinfelden-Echterdingen, dort sei die Stadt laut dem Sprecher Sven Buchmaier ebenfalls dazu bevollmächtigt, auswärtigen Bauern städtische Felder zu kündigen. Buchmaier verweist auf Nachbarkommunen, die denselben Weg gehen würden. Er sagt aber auch, dass es sich um einen Einzelfall handele, es gebe derzeit nur einen auswärtigen Bauern, mit dem die Stadt einen Pachtvertrag habe.

So geht es konkret weiter

Doch wie geht es nun konkret weiter im Gerangel ums Birkacher Feld? Laut Christian Ammon, Mitarbeiter im Referat von Bürgermeister Michael Föll, müssen die Plieninger Bauern nun mit Zahlen belegen, dass sie die Ackerflächen tatsächlich brauchen. Die Liste hat Michael Gehrung bereits parat. Und er wird um jeden Hektar kämpfen. Ebenso wie Schwaiger.

Für Außenstehende ist kaum zu erkennen, ob sich in dem Konflikt der zunehmende Verteilungskampf spiegelt oder ob es sich eher um persönliche Reibereien handelt. So oder so, die Stadt wird ihn dieses Jahr schlichten müssen. Die Pachtverträge könnten laut Beschluss zum 31. Oktober 2019 gekündigt werden.

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