Mario Adorf plant Abschiedstournee „Der Gedanke ans Sterben macht mir zu schaffen“

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Das Alter seiner Mutter, die 92 Jahre wurde, wäre ein schönes Ziel: Die Schauspieler-Legende Mario Adorf will nicht um jeden Preis hundert werden – und fürchtet sich davor, ein Pflegefall zu werden.

Vital ist er auch mit 88: Mario Adorf, Schauspieler, Sänger, Rezitator Foto: dpa
Vital ist er auch mit 88: Mario Adorf, Schauspieler, Sänger, Rezitator Foto: dpa

Stuttgart -

Der Schauspieler Mario Adorf (88) denkt immer öfters ans Lebensende. „Der Gedanke ans Sterben macht mir schon zu schaffen. Es sollte kein langwieriger und schmerzhafter Prozess sein, ich möchte kein Pflegefall werden oder im Rollstuhl enden, nur um weiterzuleben“, sagte Adorf im Gespräch mit der „Stuttgarter Zeitung“ und den „Stuttgarter Nachrichten“ (Mittwochsausgabe). Das Alter seiner Mutter, die 92 Jahre wurde, wäre ein schönes Ziel. „Ich will nicht unbedingt 100 werden, überhaupt nicht. Ich will kein elendes Alter erleben müssen“, sagte der Schauspieler. In den letzten Stunden seiner Mutter sei er an ihrem Bett gesessen und habe ihr Dahinscheiden als „Vorerfahrung des eigenen Sterbens“ wahrgenommen. „Aber auch eine Vorerfahrung ersetzt nicht die Erfahrung, das Sterben lässt sich nicht probeweise vorwegnehmen“, so Adorf, der auf der Bühne und im Film als Bösewicht vom Dienst unzählige Tode gestorben ist.

Zu seiner Altersvitalität trage auch sein stabiles Privatleben bei, erklärte Adorf. „Ich gehöre nicht zu denjenigen, die sagen: Ich bin unglücklich, also nehme ich eine andere und jüngere Frau. Ich will mit meiner Ehefrau Monique durchs Leben gehen und sehen, wie sie und ich, die wir mal jung waren, gemeinsam alt werden – eine schöne und wertvolle Erfahrung“, so der abwechselnd in Paris und München lebende Darsteller. An die klassische Ehe glaube er zwar nicht unbedingt, aber dass man um eine Beziehung kämpfen und sich fragen muss, wo die eigene Schuld bei Problemen liege, steht für ihn fest: „Nach dem ersten Seitensprung fängt die Ehe erst an“. Man müsse zu einer Beziehung stehen, ebenso wie zu seinem Alter, zu Altersflecken, Zipperlein und Gebrechlichkeit: „Man sollte nicht jünger sein wollen, als man ist.“

Er sorgt sich um unsere Demokratie

Sorgen macht ihm die politische Entwicklung. Dass es nach dem Krieg in Deutschland je wieder Nazis geben würde, habe er für unmöglich gehalten. Da habe er sich gründlich getäuscht. „Ich mache die Erfahrung, dass es in der Geschichte der Menschheit nichts gibt, was ein für alle Mal feststeht. Alles kann ins Bröckeln geraten“, so Adorf: „Auch die Demokratie könnte jetzt untergehen. Wir müssen sie wie eine empfindliche Pflanze verteidigen und hegen, zusammen mit der Idee des geeinten Europas, hinter der ich seit Jahrzehnten stehe. Zu beidem, zu einem demokratischen Europa, sehe ich weit und breit keine Alternative, die besser wäre.“

Im Mai startet Mario Adorf in der Stuttgarter Liederhalle nach eigener Auskunft seine letzte Tournee. Unter dem Titel „Zugabe“ präsentiert er ein Best-of-Programm seines Schaffens als Schauspieler, Sänger, Rezitator und Entertainer. Die Abschiedsshow führt ihn in zehn deutsche Städte, darunter Baden-Baden, München, Frankfurt, Hamburg und Berlin.

Das ganze Interview mit Mario Adorf lesen Sie hier.