Mögliche Endlager-Standorte Auch Baden-Württemberg wird im Endlager-Bericht oft genannt

Von red/dpa/lsw 

Über ganz Deutschland verteilt stehen 1900 Behälter mit Atommüll. Irgendwo müssten sie langfristig gelagert werden, aber niemand will sie haben. Ein Bericht zeigt nun, welche Gegenden geologisch - ganz grundsätzlich - in Frage kämen. Wirklich klar wird dadurch wenig.

90 Gebiete in Deutschland haben laut  der Bundesgesellschaft für Endlagerung günstige geologische Voraussetzungen für ein Atommüll-Endlager. Foto: dpa/Sebastian Kahnert
90 Gebiete in Deutschland haben laut der Bundesgesellschaft für Endlagerung günstige geologische Voraussetzungen für ein Atommüll-Endlager. Foto: dpa/Sebastian Kahnert

Berlin - Bei der Suche nach einem Atommüll-Endlager in Deutschland schließt eine erste Auswahl auch weite Gebiete Baden-Württembergs als möglichen Standort nicht aus. Sogenannte Teilgebiete liegen auch etwa in Bayern und Niedersachsen, ebenso in den ostdeutschen Ländern. Insgesamt haben 90 Regionen in Deutschland nach Erkenntnissen der Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) günstige geologische Voraussetzungen für ein Atommüll-Endlager.

Der Südwesten kommt demnach unter anderem bei Tongestein an der baden-württembergisch-bayerischen Grenze infrage. Ein weiteres sehr großes sogenanntes Teilgebiet erstreckt sich von Baden-Württemberg und Bayern über Thüringen, Sachsen-Anhalt, das südliche Brandenburg und Sachsen im Nordosten von Deutschland. Ebenfalls möglich wäre ein Standort im Schwarzwald als Teil einer Region, die sich Richtung Osten über Bayern bis an die tschechische Grenze zieht. Konkrete Regionen werden in dem Bericht nicht genannt.

Mögliche Standorte werden nach und nach eingegrenzt

Berücksichtigt man die Überlagerung einiger Gebiete, ist laut Bericht in Deutschland ein Anteil von 54 Prozent der Landesfläche als Teilgebiet ausgewiesen. Eine Vorfestlegung auf einen Standort ist damit aber noch nicht verbunden. In den kommenden Monaten und Jahren werden die möglichen Standorte nach und nach weiter eingegrenzt, indem weitere Kriterien - etwa die Bevölkerungsdichte - berücksichtigt werden.

Dennoch dürfte die Debatte über die Endlagerung von hoch radioaktivem Atommüll damit in Fahrt kommen - vor allem in den Gebieten, die nun näher unter die Lupe genommen werden sollen. „Mir ist auch klar, dass es da heute einiges an Unruhe geben wird“, sagte der baden-württembergische Umweltminister Franz Untersteller (Bündnis90/Grüne) dem Südwestrundfunk.

Das Endlager soll unterirdisch in Salz, Ton oder Kristallin, also vor allem Granit, entstehen. 2031 soll der Standort gefunden sein, ab 2050 sollen Behälter mit strahlendem Abfall unterirdisch eingelagert werden. Die bundesweite Endlagererkundung war angesichts des jahrzehntelangen hartnäckigen Widerstands gegen den Ende der 1970er Jahre ins Auge gefassten Standort im niedersächsischen Gorleben gestartet worden.

Aus Teilgebieten werden Standortregionen ausgewählt

Der BGE-Bericht listet erst einmal alle Regionen in Deutschland auf, „die günstige geologische Voraussetzungen für die sichere Endlagerung radioaktiver Abfälle erwarten lassen“, so schreibt es das entsprechende Gesetz vor. Deswegen sind es noch ziemlich viele und teils auch recht große Gebiete. In den kommenden Jahren werden aus den Teilgebieten sogenannte Standortregionen ausgewählt, die übertägig genauer erkundet werden. Einige davon werden dann auch untertägig erforscht.

Die FDP kritisiert das bisherige Verfahren als intransparent. „Das ist eine Überraschungstüte“, sagte der baden-württembergische Fraktionschef Hans-Ulrich Rülke der Deutschen Presse-Agentur. „Durch die mangelnde Transparenz verspielt die Bundesgesellschaft für Endlagerung die Chance, dass eine solche Suche und ihr Ergebnis auch akzeptiert werden.“ Ein Endlager könne aber nur durchgesetzt werden, wenn in dem Bundesland und auch in der Region, in der es gebaut werden solle, die Akzeptanz und das Vertrauen der Bevölkerung vorhanden seien.

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