Nach Angriff auf Polizisten Streit um Polizeieinsatz von Leipzig

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Die Leipziger Polizei schwächt ihre Angaben zu den Verletzungen des angegriffenen Polizisten nach einem Medienbericht ab. Es wird weiter wegen Mordversuchs ermittelt.

Der Polizeieinsatz von Leipzig-Connewitz soll aufgeklärt werden. Foto: AFP/Sebastian Willnow
Der Polizeieinsatz von Leipzig-Connewitz soll aufgeklärt werden. Foto: AFP/Sebastian Willnow

Berlin - Drei Tage nach dem mutmaßlich linksextremistisch motivierten Angriff auf Polizisten im Leipziger Szeneviertel Connewitz ist ein Streit um die offizielle Darstellung der Ereignisse entbrannt. Der sächsische Innenminister Roland Wöller (CDU) kündigte am Freitag an, den Polizeieinsatz aufzuarbeiten.

In einer Recherche der „tageszeitung“ (taz) wird nahegelegt, dass die Angaben der Polizei zur Schwere der Verletzungen eines Beamten übertrieben worden seien. Die Zeitung berichtet unter Berufung auf Quellen aus dem Krankenhaus, dort habe man sich über die offizielle Darstellung einer Notoperation „verwundert geäußert“. Der Polizist sei unter lokaler Betäubung an der Ohrmuschel operiert worden. Es habe keine Lebensgefahr bestanden. Augenzeugen berichteten der Zeitung, der Mann habe beim Abtransport einen Helm getragen.

Es gab keine Notoperation

Die Polizei selbst hatte ihre ersten Angaben schon zuvor abgeschwächt: Die Darstellung einer Notoperation, die in der Silvesternacht verbreitet worden war, wurde in einer späteren Mitteilung nicht mehr wiederholt, allerdings nicht offiziell korrigiert. Die Aussage mit der Notoperation habe dem Kenntnisstand der Silvesternacht entsprochen, sagte ein Polizeisprecher dazu am Freitag. Die Polizei müsse sich den „Schuh anziehen, dass es sicherlich besser gewesen wäre von einer operativen Maßnahme zu sprechen statt von Not-OP“. Die Behauptung, dass Lebensgefahr bestanden hätte, war schriftlich nicht aufgestellt worden. Ein Polizeisprecher war jedoch mit den Worten zitiert worden, der Verletzte befinde sich „außer Lebensgefahr“.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt trotzdem weiterhin wegen versuchten Mordes an dem 38-jährigen Beamten. Durch die massiven Einwirkungen sei der Tod des Mannes aus niedrigen Beweggründen billigend in Kauf genommen worden. Die Täter hätten auf Körper und Kopf eingewirkt. Innenminister Wöller sagte, der Verletzte sei bewusstlos ins Krankenhaus eingeliefert worden. Nach Angaben des Polizeipräsidenten Thorsten Schultze erlitt der Polizist ein Schädel-Hirn-Trauma. Seine Einheit sei beim Versuch getrennt worden, Angreifer dingfest zu machen, sagte Schulze der „Leipziger Volkszeitung“. „Als einer der Beamten schon das Bewusstsein verloren hatte, wurde er weiter getreten.“ Die Zeitung berichtet auch, dem Polizisten seien die Ohren eingerissen, als der Helm vom Kopf gerissen wurde.

Esken fordert Aufklärung

Unterdessen hat die Debatte um den Polizeieinsatz auch die Bundespolitik erreicht. Die SPD-Chefin Saskia Esken forderte Aufklärung darüber, ob die Taktik angemessen gewesen sei. „Sollte eine falsche Einsatztaktik Polizistinnen und Polizisten unnötig in Gefahr gebracht haben, liegt die Verantwortung dafür beim sächsischen Innenminister“, sagte sie. Dieser entgegnete, die Expertise scheine zu steigen, je weiter man vom Einsatzgeschehen entfernt sei. FDP-Chef Christian Lindner twitterte, die SPD falle der Polizei in den Rücken. „Wer für uns die Knochen hinhält, sollte den Rücken gestärkt bekommen. Hier werden Täter und Opfer vertauscht“, hieß es in der Nachricht weiter. Auch Eskens Amtsvorgänger Sigmar Gabriel sagte, man müsse die Gewalttäter politisch bekämpfen anstatt aus der Ferne über die Strategie der Polizei zu schlaumeiern.