Nach der Niederlage in Mainz Darum läuft es beim VfB Stuttgart noch nicht rund

Trainer Tayfun Korkut ist jetzt gefordert. Foto: dpa
Trainer Tayfun Korkut ist jetzt gefordert. Foto: dpa

Nach zwei Niederlagen des VfB Stuttgart ohne Treffer sehen sich Fans, Spieler und Verantwortliche mit einer neuen Realität konfrontiert. Eine funktionierende Einheit hat Trainer Tayfun Korkut noch nicht gefunden. Und jetzt kommen die Bayern. Sportdirektor Michael Reschke ist realistisch.

Sport: Heiko Hinrichsen (hh)
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Stuttgart - Am Tag nach der 0:1-Saisonauftaktniederlage in Mainz sitzt Michael Reschke in seinem Büro, surft im Internet und widmet sich auch der Statistik. Dann liest der VfB-Manager eine Zahlenreihe vor: „27, 25, 28“, sagt er – und meint damit die Anzahl an Siegen, die der FC Bayern in den vergangenen drei Bundesliga-Runden nach je 34 Saisonspielen geholt hat. „Es kann also sein, dass wir nach drei Spieltagen mit lediglich einem Punkt dastehen“, sagt Reschke zur aktuellen Lage rund um seinen Club. Schließlich geben die Münchner im ersten Heimspiel des VfB am Samstag (18.30 Uhr) ihre Visitenkarte in Stuttgart ab. Dann folgt die erste Länderspielpause, ehe es für die Weiß-Roten nach Freiburg geht.

„Ich habe schon genug Bundesliga-Jahre auf dem Buckel, um sämtliche Emotionen einordnen zu können. Die gehören ja auch zum Fußball“, sagt Reschke angesichts der ersten grauen Haare, die bei einigen Fans durch den Fehlstart ihres VfB in die Pflichtspielsaison dazugekommen sind. Die Euphorie jedenfalls, sie ist von den VfB-Akteuren auf dem Rasen angesichts zweier Niederlagen im Pokal in Rostock (0:2) sowie am Sonntag in der Liga in Mainz ohne ein eigenes geschossenes Tor im Nu gekillt worden.

Korkut vermisst die Effektivität

Dennoch, und das ist dem Manager Reschke wichtig, ist jetzt plötzlich nicht alles schlecht, was vorher gut war. „Es kann passieren, dass wir zu Saisonbeginn hinten reinrutschen“, sagt der Manager, der in Mainz starke erste 30 Minuten seiner Elf gesehen hat, die anschließend aber abbaute und in ihm auch erste leise Zweifel gesät haben dürfte, ob denn das Team die Erwartungen des Umfelds schnell erfüllen kann. „Ich bleibe dabei“, fährt Reschke dann fort: „Wir werden mit dem Abstieg im klassischen Sinn nichts zu tun bekommen. An den Träumen einiger, die sich bereits im Europapokal gesehen haben, habe ich mich nie beteiligt.“

Beim VfB sind sie also noch längst nicht im Zustand der Panik angekommen, dies ist auch am Montagvormittag auf dem Trainingsplatz zu spüren, wo die Reservisten mit Ball arbeiten, während sich die Spieler der ersten Elf im Kraftraum die Beine ausschütteln. „Wir besitzen nicht die Effektivität und Entschlossenheit wie in der vergangenen Rückrunde“, sagt der Trainer Tayfun Korkut: „Wir hatten auch in Mainz unsere Chancen – haben sie aber nicht gemacht.“

Wie bereits in Rostock war es Holger Badstuber, der mit einem individuellen Fehler die Niederlage einleitete. „Ich muss die Situation anders lösen. Es ist extrem ärgerlich. Ich werde die Lehren daraus ziehen und intensiv an mir arbeiten“, sagt der selbstkritische Verteidiger. Allerdings täuschen Badstubers-Patzer nicht über das generelle Problem beim VfB hinweg. Die Mischung stimmt noch nicht. Aus einem Kader, der im Vergleich zur Vorsaison mehr zu bieten hat, hat Korkut noch kein funktionierendes Kollektiv geformt. Wer harmoniert mit wem – welche taktische Strategie ist die erfolgversprechendste? Auf diese Fragen gibt es noch keine Antworten.

Viele kleine Probleme ergeben ein großes Problem

Genau genommen sind es nur drei Spieler, die keinen Stotterstart hingelegt haben: Dies ist neben dem an den Gegentoren komplett schuldlosen Torhüter Ron-Robert Zieler und dem Weltmeister Benjamin Pavard, der bei seinem Saisondebüt in Mainz gleich zum besten VfB-Akteur avancierte, noch der Sechser Gonzalo Castro. Der Neuzugang vom BVB fügte sich nahtlos ein und ist schon jetzt Ruhepol, Arbeitsbiene und Ballverteiler in Personalunion.

Alle anderen VfB-Spieler haben aber mehr oder weniger kleine Probleme, die sich in der Summe allerdings zu einem größeren summieren – und eine erste Verunsicherung verursachen. „Einige Spieler sind noch nicht bei hundert Prozent. Das wird nach fünf, sechs Spielen anders aussehen“, sagt Michael Reschke. Da sind etwa Santiago Ascacibar und Christian Gentner, die Teile der Vorbereitung mit Verletzungen verpassten, oder es ist Mario Gomez, der später aus dem WM-Urlaub kam. Da gibt es Erik Thommy, der von der alten Form weit entfernt ist, während Chadrac Akolo, Marc-Oliver Kempf oder Anastasios Donis um den Anschluss kämpfen – und es gibt neben Holger Bad­stuber, der vorerst mit der eigenen Form zu kämpfen hat, und dem auf Flankenläufe verzichtenden Emiliano Insua noch die jungen Neuzugänge Pablo Maffeo und Nicolás Gonzalez, „denen wir noch Zeit zugestehen müssen“, so Reschke, „damit sie ihr Potenzial voll entfalten“.




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