Neu- oder Umbau in Ludwigsburg Die Stadt dringt auf einen neuen Bahnhof

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Er ist hässlich, verwinkelt, unübersichtlich und viel zu eng: Der Bahnhof gilt als städtebauliche Sünde in Ludwigsburg. Jetzt will die Stadt das ändern. Das Problem: Das Gebäude gehört ihr gar nicht.

Eher ein Kaufhaus  als eine  Mobilitätsdrehscheibe: der Ludwigsburger Bahnhof. Foto: factum/Granville
Eher ein Kaufhaus als eine Mobilitätsdrehscheibe: der Ludwigsburger Bahnhof. Foto: factum/Granville

Ludwigsburg - Die Stadt Ludwigsburg will mit dem Münchner Immobilienentwickler Dibag über einen Neu- oder Umbau des Bahnhofsgebäudes verhandeln – und hat sich dafür in der jüngsten Sitzung des Stadtentwicklungsausschusses die breite Rückendeckung der Stadträte gesichert. Das Ziel sei es, das Gebäude und das Areal im Umfeld so zu entwickeln, „dass es für Ludwigsburg angemessen und würdig ist“, sagte der Oberbürgermeister Matthias Knecht. „Der Bahnhof muss die Visitenkarte der Stadt sein, aber das ist er momentan nicht.“

Das Problem ist, dass das Rathaus wenig Handlungsspielraum hat, weil das Bahnhofsgebäude der Dibag gehört. Allerdings hat das Unternehmen offenbar signalisiert, dass es bereit ist, den Bahnhof zu modernisieren. „Das Gebäude ist doch sehr in die Jahre gekommen“, sagte der Chefstadtplaner Martin Kurt. „Daran muss irgendwann etwas gemacht werden, und jetzt haben wir dazu eine gute Chance.“ Um eine feste Grundlage für die anstehenden Gespräche mit der Dibag zu haben, hat die Verwaltung Sanierungsziele definiert und einen Bebauungsplan entwickelt – die Inhalte wurden in der Sitzung einstimmig beschlossen. Die Stadträte aller Fraktionen lobten ausdrücklich, dass Bewegung in die Angelegenheit kommt.

Kaufhaus mit Gleisanschluss

Das aus den späten 1980er Jahren stammende Gebäude ist architektonisch wenig ansprechend, unübersichtlich, verwinkelt und zu eng, um der stetig wachsenden Zahl an Fahrgästen gerecht zu werden. Das liegt auch daran, dass es sich mehr um ein Kaufhaus als um einen klassischen Bahnhof handelt. Dass die größte Einzelhandelsfläche, der ehemalige Saturn, seit langer Zeit leer steht, rundet das trübe Erscheinungsbild ab. Die jetzt beschlossenen Eckpunkte sehen eine Vielzahl an Verbesserungen vor: ausreichend Warte- und Aufenthaltsflächen innen und außen, ein modernes Leitsystem, bessere Barrierefreiheit, bessere Anbindung an die Bahnsteige und den benachbarten Busbahnhof, Beschränkung auf bahnhofsaffinen Einzelhandel wie Bäckereien oder Zeitschriftenläden, eine neue Fassade.

In den Sanierungszielen heißt es: „Das moderne Bahnhofsgebäude wirkt freundlich und einladend. Mit der aufgefrischten Optik entspricht es von außen in höherem Maß dem Charakter eines modernen Mobilitätszentrums. Im Innern bestätigt sich dies durch eine Neuorganisation der Flächen.“ Kurt deutete an, dass auch ein Neubau denkbar sei. Dann bestünde die Möglichkeit, das Gebäude kleiner zu dimensionieren, um Fläche für den extrem beengten Vorplatz zu gewinnen. Rund 70 000 Fahrgastbewegungen täglich werden über den Bahnhof und den Busbahnhof abgewickelt. Die Zahl ist seit den 1980er Jahren stark gestiegen, und Experten gehen davon aus, dass sie in den kommenden zehn Jahren um weitere 30 Prozent anwachsen wird. Schon heute gilt das Bahnhofsumfeld als Gefahrenstelle für Fußgänger, weil so wenig Platz vorhanden ist.

Kommt jetzt endlich der „Wohlfühlbahnhof“?

Über Verbesserungen wird in Ludwigsburg seit vielen Jahren diskutiert, doch obwohl der ehemalige Oberbürgermeister Werner Spec einst angekündigt hat, aus dem hässlichen Klotz einen Wohlfühlbahnhof zu machen, ist kaum etwas passiert. Damit sich das ändert, hat die Verwaltung intern eine Projektgruppe ins Leben gerufen. Wohl wissend, dass alle Veränderungen „nur im Einvernehmen mit dem Eigentümer“ möglich sind, so Kurt. In den Gesprächen mit der Dibag werde man darstellen, dass ein hohes öffentliches Interesse an dem Vorhabe vorhanden sei. „Das Allgemeinwohl muss an dieser wichtigen Stelle berücksichtigt werden.“




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