Schulsozialarbeit in Stuttgart Sozialarbeit an Schulen wird ausgebaut

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An Schulen tritt die unterschiedliche soziale Herkunft der Schüler als Bildungsgefälle stärker denn je zutage. Um so mehr muss jetzt Schulsozialarbeit helfen und vermitteln. Den Ausbau lässt sich die Stadt in diesem und im nächsten Jahr 1,8 Millionen Euro kosten.

Die Schulen in Stuttgart brauchen die Unterstützung von Sozialarbeitern. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko
Die Schulen in Stuttgart brauchen die Unterstützung von Sozialarbeitern. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Stuttgart - Die Schulsozialarbeit in Stuttgart soll ausgebaut und verfeinert werden. Der Gemeinderat hat während der Haushaltsplanberatungen das Geld dafür frei gemacht, jetzt legte das Referat Jugend und Bildung ein Konzept vor. Es ist geplant, die Aufstockung des Personals um mehr als 13 Stellen an den spezifischen Bedarfen der Schulen auszurichten.

Bei weiterführenden Schulen wurde anhand von Kennzahlen ihre so genannte soziale Heterogenität ermittelt: Eine Kennzahl ist die Gesamtzahl der Schüler, eine andere die Zahl der Bonuscard-Kinder und eine dritte die Zahl inklusiv beschulter Kinder. Liegen zwei dieser Kennzahlen über dem Mittelwert (in den die Zahlen aller öffentlichen Schulen einfließen), ist von einer besonderen sozialen Heterogenität auszugehen. 14 Schulen – darunter Realschulen, Grund- und Werkrealschulen, Gemeinschaftsschulen und lediglich ein Gymnasium – haben laut Vorlage dieses Kriterium erfüllt und erhalten nun zusätzliche Sozialarbeiterstellen. 13 weitere Schulen, die die Kriterien ebenfalls erfüllen, können ihre Schulsozialarbeit mit Hilfe frei werdender Kapazitäten kostenneutral ausbauen. In den meisten Fällen ist dort der Bedarf an Vorbereitungsklassen aufgrund rückläufiger Zuwanderungszahlen gesunken. Ferner werden drei Grundschulen bedacht, die bisher keine Sozialarbeit hatten, sowie zwei Schulen, die neue schulische Ansätze der Inklusion erproben wollen.

Nicht zu Lasten der bisherigen elf Träger

An den beruflichen Schulen war Schulsozialarbeit bisher nur Klassen zugänglich, die Übergänge schufen wie Berufsvorbereitungsklassen oder Klassen zur beruflichen Orientierung. Derzeit ist das an 15 von 20 Schulen der Fall, die geschäftsführenden Schulleitungen haben aber den Einsatz von Jugendsozialarbeit an allen beruflichen Schulen und für alle Klassen gefordert. An fünf weiteren Schulen soll deshalb die klassenbezogene Sozialarbeit auf die ganze Schule ausgedehnt werden, an den anderen beruflichen Schulen soll sich die Schulsozialarbeit sukzessive weiteren Zielgruppen öffnen.

Der Ausbau soll nicht zu Lasten der elf Stuttgarter Träger gehen. Diese hatten sich vor drei Jahren bereits dagegen gewehrt, den weiteren Ausbau der Schulsozialarbeit über Gebühr mitzutragen und machten insbesondere geltend, dass die gemeinnützigen Gesellschaften mit Spendengeldern die Aufgaben von Stadt und Land tragen würden. Ein Jahr später lehnten Fachleute und die Mitglieder des Jugendhilfeausschusses den Einsatz von Freiwilligendienstlern in der Schulsozialarbeit ab. Jetzt hat der Gemeinderat für den Ausbau der Personalstellen rund 400 000 Euro in 2020 und 750 000 Euro in 2021 im Haushalt bereitgestellt und zudem den Eigenanteil des Träger um rund 700 000 Euro für die Jahre 2020/21 reduziert.

Schulsozialarbeit genießt laut Jugendamtsleiterin Susanne Heynen ein hohes Ansehen. Sie trage dazu bei, Bildungsbeteiligung zu sichern, Ängste abzubauen und Zukunftsperspektiven zu entwickeln. Isabel Fezer, Bürgermeisterin für Jugend und Bildung (FDP), betonte, dass man mit Schulsozialarbeit Schülerinnen und Schülern „eine Unterstützung jenseits des Unterrichts bietet, die gerade in Corona-Zeiten besonders wichtig ist“. Derzeit sind 140 Fachkräfte im Einsatz für rund 87 000 Schüler öffentlicher Schulen in der Stadt.




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