Mit neuer Folge des Podcasts EZ Talk Was macht eigentlich eine...Diätassistentin?

Von Simone Weiß 

Diätassistentin Judith Leßlauer vom Klinikum Esslingen erklärt, was es mit ihrem ungewöhnlichen Beruf auf sich hat. Im Artikel finden Sie das Gespräch mit Judith Leßlauer auch als Podcast - hören Sie rein!

In der umtriebigen Atmosphäre der Großküche fühlt sich Judith Leßlauer als Diät­assistentin ganz in ihrem Element. Foto: Roberto Bulgrin
In der umtriebigen Atmosphäre der Großküche fühlt sich Judith Leßlauer als Diät­assistentin ganz in ihrem Element. Foto: Roberto Bulgrin

 

 

Esslingen - „Sagen Sie mal, wie kann ich denn am besten abnehmen?“ Judith Leßlauer ist eine ausgeglichene Frau mit einem angenehm ruhigen Temperament, aber bei dieser Frage wird sie energisch: Ja, sie ist Diätassistentin. Nein, sie ist nicht vorrangig für Gewichtsreduzierung zuständig – trotz der „Diät“ in ihrer Berufsbezeichnung. Die 37-Jährige entwickelt Speisepläne und kocht für die Patienten am Klinikum Esslingen, die wegen gesundheitlicher Probleme auf eine besondere Ernährung angewiesen sind.

Kein Job für Zartbesaitete

Kurz nach 11 Uhr in der Großküche am Klinikum Esslingen. Teller werden gespült, Salatblätter geputzt, Speisen vorbereitet. Keine Hektik. Aber konzentrierte Anspannung. Nichts für Zartbesaitete. Jeder Handgriff sitzt, jeder Arbeitsablauf passt, jeder weiß, was zu tun ist. Und mittendrin ist Judith Leßlauer und sagt: „Das Team muss sich aufeinander verlassen können.“ Hier ist sie in ihrem Element. Hier fühlt sie sich wohl. Hier läuft die Berlinerin zur Höchstform auf. Jeder Tag ist anders, nichts geht nach „Schema F“, das Arbeitsklima gefällt ihr – rau, ehrlich, hemdsärmelig, kumpelhaft, offen: „Ich rede gerne viel und laut – und das kann ich hier schon von Berufs wegen.“

 

Sie liebt das Organisieren, das Kreieren von Speiseplänen, das Kochen. Als Diätassistentin ist sie für die Ernährung von Patienten mit gesundheitlichen Einschränkungen, für Menschen mit Schluckbeschwerden, Erkrankungen von Magen, Bauchspeicheldrüse, Niere oder Leber, für Personen mit Allergien oder Lebensmittelunverträglichkeiten zuständig. Einmal in der Woche geht sie zu den Kranken auf die Station und spricht mit ihnen die Speisepläne durch. „Wir sind natürlich kein Fünf-Sterne-Restaurant“, stellt die dreifache Mutter klar. Aber bei der Zubereitung der Speisen werde auf Qualität und Zufriedenheit der Patienten geachtet: „Essen ist etwas Wichtiges und ein Stück Lebensqualität.“ Sie hat sogar ihre eigene Job-Philosophie entwickelt: Respekt vor Lebensmitteln und so wenig Reste wie möglich.

Bewusste Berufswahl

Kurz nach 11.30 Uhr in der Großküche am Klinikum Esslingen. Tabletts wurden gerichtet, Suppen in Schüsseln gefüllt, Gerichte auf Platten drapiert. Noch immer herrscht angespannte Konzentration. Es gilt ein strenger Dresscode. Hygiene ist wichtig, darum bekommen auch Besucher die wenig kleidsamen weißen Häubchen für die Haare und lange, weiße Schutzmäntel. In Kostüm und Pumps zur Arbeit zu stöckeln, ist sowieso nicht nach dem Geschmack von Judith Leßlauer. Hier, in der Großküche des Klinikums Esslingen, ist sie die richtige Frau am richtigen Platz – davon ist sie überzeugt. Ihre Berufswahl hat sie bewusst getroffen: Bei ihrem Bruder wurde im Alter von acht Jahren Diabetes diagnostiziert. Eine schwierige Situation für die ganze Familie. Mit acht Jahren sind die Zukunft und das Erwachsenenalter noch weit weg. Disziplin beim Essen, um Folgeschäden in späteren Jahren zu vermeiden – wie soll ein kleiner Junge das verstehen? Doch eine einfühlsame Diätassistentin hat Judith Leßlauer und ihren Angehörigen damals geholfen und sie begleitet. Das hat ihr imponiert – sie hatte ihren Traumberuf gefunden. Diätassistentinnen, erklärt sie, werden manchmal auch als „halbe Ärzte“ bezeichnet. Denn sie leisten ganze Arbeit. Sie mag den Umgang mit Menschen, freut sich, wenn Patienten zufrieden sind. Und trotz der „Diät“ in ihrer Berufsbezeichnung, weiß sie auch privat ein gutes Essen zu schätzen: „Schokolade – so ab und zu. Na und? Wir Diätassistenten sind auch nur Menschen.“

Noch immer ein Frauenberuf

Kurz vor 12 Uhr. Fototermin draußen im Patientengarten des Klinikums Esslingen. Der Lärm, die Geräusche, das Tellergeklapper, die konzentrierten Kolleginnen und Kollegen sind weit weg. Ungewohnt für Judith Leßlauer. Nach ihrem Schulabschluss absolvierte sie ihre dreijährige Ausbildung zur Diätassistentin an einer Schule bei Berlin. Theorieunterricht etwa in Ernährungslehre, Biochemie, Psychologie oder Lebensmittelkunde wechselten sich mit Praxisteilen ab. Noch immer ist es ein Frauenberuf: „Ab und zu verirrt sich mal ein Mann zu uns. Während meiner Ausbildung waren nur zwei Männer in meiner Klasse.“ Auch in Reha-Einrichtungen, Arztpraxen, Kliniken, Seniorenheimen, in der Ernährungsberatung, Fitnessstudios oder bei Krankenkassen kommen Diätassistenten zum Einsatz. Doch Judith Leßlauer entschied sich für die umtriebige Großküche. Nach ihrer Ausbildung blieb sie noch ein paar Jahre in Berlin, 2007 kam sie ans Klinikum Esslingen. Arbeit an Wochenenden und den Feiertagen gehören mit zum Berufsbild. Aber auch das stört sie nicht. Und wie ist das nun mit dem Abnehmen – kann sie dazu gar nichts sagen? Doch. Kann sie natürlich schon. Ernährung in ihrer ganzen Vielfalt ist ihr Job. Einmal braucht es zum Abnehmen Geduld. Über Nacht zur Bohnenstange – das geht nicht: „Es hat ja auch länger gedauert, um Gewicht zuzulegen.“ Und sie empfiehlt ein Glas Wasser vor jeder Mahlzeit – das dämpft das Hungergefühl und füllt schon ein wenig den Magen. Aber genießen, so meint die Diätassistentin, genießen sollte man sein Essen schon.

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