Stadtentwicklung in Bietigheim-Bissingen Zu wenige Behausungen, zu viele Autos

Von Susanne Mathes 

Das Lothar-Späth-Carré in Bietigheim-Bissingen liegt schon lange brach, dabei werden Wohnungen dringend benötigt. Weil die Eigentümer der Flächen sich nicht über die Zuteilung der Grundstücke einig werden, wird das Gebiet jetzt schrittweise entwickelt. So können wenigstens einige Bauträger loslegen.

Weil wegen uneiniger Eigentümer auf dem Lothar-Späth-Carré schon seit geraumer Zeit nichts vorangeht, soll das Areal jetzt schrittweise entwickelt werden. Foto: factum/Granville
Weil wegen uneiniger Eigentümer auf dem Lothar-Späth-Carré schon seit geraumer Zeit nichts vorangeht, soll das Areal jetzt schrittweise entwickelt werden. Foto: factum/Granville

Bietigheim-Bissingen - Die Bauschilder werben zwar mit verheißungsvollen Ankündigungen wie „Endlich zu Hause“. Doch außer Unkraut sprießt auf dem ehemaligen Valeo-Areal in Bietigheim-Bissingen, das seit Herbst 2017 Lothar-Späth-Carré heißt, nichts in die Höhe. Der Grund: Die vier Bauträger kommen bei der Frage, wie die Zuteilung der Grundstücke aussehen soll, auf keinen gemeinsamen Nenner– in Zeiten von massiver Wohnungsknappheit ein kaum haltbarer Zustand.

Gemeinderat und Verwaltung haben die Faxen dicke

Stadträte und Verwaltung haben die Faxen jetzt dicke. „Wir wollen nicht ewig warten“, sagt der Oberbürgermeister Jürgen Kessing über das Areal, das derzeit einen Mix aus Industriebrache, gewerblich genutzten Grundstücken, einzelnen Wohngebäuden, großen Gartenflächen und einem Acker darstellt. Stattdessen wolle die Stadt nun „mit Macht voranschreiten“. Weil das wegen der festgefahrenen Situation auf dem Gesamtgelände nicht möglich ist, soll nun zumindest für ein zwei Hektar großes Teilstück des Lothar-Späth-Carrés ein Bebauungsplan her.

Wenn dieser eingetütet ist, könnten immerhin zwei der Bauträger, die in den Startlöchern stehen – darunter das kommunale Tochterunternehmen Bietigheimer Wohnbau selbst – mit der Bebauung beginnen. Dieser erste Bauabschnitt soll Platz für 175 Wohneinheiten bieten, darunter 24 vergünstigte Wohnungen für Menschen, die finanziell eng kalkulieren müssen. Die Stadt will zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: Ziel ist ein qualitativ hochwertiges Wohngebiet, das zudem den angrenzenden Stadtteil Buch stärkt und besser an die Kernstadt anbindet.

Anwohner befürchten Parkchaos

Der künftigen Bewohner Freud’ ist allerdings der aktuellen Anlieger Leid – zumindest, was das Thema Verkehr angeht. Im Westen grenzt das Lothar-Späth-Carré an die Bundesstraße 27. Östlich davon, in der lang gezogenen Gartenstraße, kommen aber schon jetzt die Autos kaum aneinander vorbei, zumal an Stellen, wo entlang der Fahrbahn geparkt werden darf. Freie Stellplätze sind Mangelware: „Ich suche manchmal eine halbe Stunde lang“, berichtete die Mitarbeiterin einer Kindertagesstätte bei einer Bürgerinformation zu den geplanten Veränderungen.

Die Stadt will im Vorgriff auf die Erschließung des Lothar-Späth-Carrés Gehwege, Parkplatz- und Straßenflächen in der Gartenstraße neu zuschneiden, die Situation für Fußgänger verbessern und einen Kreisverkehr bauen, um die Verkehrsströme besser zu leiten.

Doch wenn auf dem Carré die künftigen Bewohner einziehen, könne es dennoch zu gravierenden Problemen kommen, fürchten die Anwohner. Die vorgesehenen 1,2 Stellplätze pro Wohneinheit im Neubaugebiet seien deutlich zu wenig, monierten sie bei der Info-Veranstaltung. „Das ist doch unrealistisch. Die Familien haben heute zwei, drei, vier Autos. Wo sollen die dann alle stehen?“, wollte ein Anlieger wissen. Ein anderer fürchtete: „Wenn da noch 175 Wohnungen dazukommen, führt das zum Chaos.“

Kessing: „Wir setzen auf Bürger, die den ÖPNV nutzen“

Bei so nah am Bahnhof gelegenen Wohngebieten zähle die Stadt auf Bürger, die den Öffentlichen Nahverkehr nutzten, hielt Oberbürgermeister Jürgen Kessing dagegen. Er verwies auf das nahe gelegene Bogenviertel, auf dem die Stadt perspektivisch um die 1500 Menschen ansiedeln will. Dort liege der Schlüssel sogar bei nur 0,6 Stellplätzen pro Wohneinheit. Darauf kommentierte eine Anwohnerin: „Ich lasse mir ungern vorschreiben, ob ich ein Auto besitzen soll oder nicht.“