Steillagen-Weinbau im Kreis Ludwigsburg Wie auf dem Weinberg von Roßwag wieder Reben wachsen

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Überall im Kreis Ludwigsburg beginnt die Weinlese. Damit dies auch auf dem Weinberg von Roßwag in Steillagen möglich ist, wird die Trockenmauer aufwändig saniert – mit einem schwäbischen Finanztrick.

Die Trockenmauer des Weinbergs bei Roßwag wird saniert – Agrarminister Peter Hauk hilft symbolisch dabei mit. Foto: factum/Weise 6 Bilder
Die Trockenmauer des Weinbergs bei Roßwag wird saniert – Agrarminister Peter Hauk hilft symbolisch dabei mit. Foto: factum/Weise

Vaihingen/Enz - Was für ein Ausblick! Im Tal schlängelt sich die Enz in einer vollendeten Schleife, das malerische Weinbauörtchen Roßwag mit seinen 1200 Einwohnern schlummert vor sich hin. Steil ist es, die engen Steinstufen führen direkt den Abhang hinunter. Die Trauben sind schon reif und verlocken zum Naschen. Hier in dieser schönen Landschaft steht aber auch ein Kran, es wird gearbeitet, Naturstein wird auf Naturstein gesetzt.

Denn die verwitterte Trockenmauer des Weinbergs soll wieder bewirtschaftet werden – und auch für Tiere einen Unterschlupf bieten. Seit sechs Jahren ist daher Johannes Schmid mit seiner Gartenbaufirma in der schwer zugänglichen Höhe aktiv, um 700 Quadratmeter Mauerwerk zu sanieren. Eine anspruchsvolle Aufgabe. „Es gilt, ökologische Anforderungen mit Handwerkskunst zu verbinden“, sagt der Firmenchef, „das ist für uns schon etwas Besonderes.“

Der Minister tut so, als würde er arbeiten

Und so nutzt auch der Agrarminister Peter Hauk (CDU) diesen warmen, aber windigen Nachmittag, um sich diese Großbaustelle inmitten des Weinberges anzuschauen. Mit weißem Hemd klettert er die steile Treppe hinunter, greift zu Hammer und Eisen und bearbeitet einen Naturstein. „Es soll so aussehen, als würden Sie daran arbeiten“, meint ein Fotograf. Der leutselige Minister grinst und sagt in seinem schönsten Walldürner Badisch: „Das glaubt mir doch sowieso kein Mensch.“ Dann ist er aber voll des Lobes für dieses Projekt.

Peter Hauk war auch mal CDU-Fraktionschef und galt als Gegenspieler des ungeliebten Ex-Regierungschefs Stefan Mappus. Nach dessen Abwahl gewann er 2011 den Machtkampf gegen die Mappus-Vertraute Tanja Gönner und wurde fünf Jahre später in der grün-schwarzen Regierung Agrarminister. Wieder muss man sagen, denn das war er schon von 2005 bis 2010. Nun ist Hauk, kann man ohne Übertreibung sagen, im Zenit seiner Karriere angekommen – und der 57-Jährige scheint das Amt zu genießen, das ihn oft auf solche Termine führt. Später steht er auf einem Gerüst am Steilhang und ist beeindruckt.

Schwäbisch-ökologische Finanzierung

Diese wildromantische Szenerie ist wohl der maximale Kontrast zu den kalten Ministerbüros in der Landeshauptstadt. Und ein wenig ist diese Trockenmauer-Sanierung auch eine politische Sensation. Denn das mehrere Hunderttausend Euro teure Projekt, das die Landsiedlung Baden-Württemberg beauftragt hat, wird durch den Verkauf von so genannten Ökopunkten finanziert – was der Minister für ein schwäbisch-cleveres Modell hält. Um das zu verstehen, muss ein wenig ausgeholt werden. Das Naturschutzgesetz sieht vor, dass jeder Eingriff in die Landschaft ausgeglichen werden muss. Wenn etwa ein Wohngebiet oder eine Fabrik entsteht. Nicht immer kann aber der Bauherr an anderer Stelle Grünflächen wieder herstellen.

Deswegen gibt es ein so genanntes „Ökokonto“: Wer Gutes für die Natur tut, bekommt dafür Ökopunkte gutgeschrieben und kann sie an denjenigen verkaufen, der woanders zubetoniert. Und so ist es auch hier: Die Winzer leisten mit der Renovierung der Trockenmauer Hilfe für Eidechsen oder Bienen – und verkaufen die Ökopunkte an andere, die bauen wollen. „So können die Winzer einen Großteil der hohen Kosten finanzieren“, sagt Hauk.

Schwarz-grüne Politik ganz konkret

Der CDU-Mann würde sich wünschen, dass noch mehr Winzer oder Grundstücksbesitzer im Ländle dem Roßwager Beispiel folgen würden. „Es geht auch um die Erhaltung der Kulturlandschaft“, so der Minister. Dieses Schlagwort darf schließlich in keiner Politikerrede fehlen, schon gar nicht, wenn es sich um den Agrarminister handelt. Und damit nachher der Berg auch bewirtschaftet wird, bekommt der Winzer für Steillagen 3000 Euro pro Hektar Zuschuss vom Land – jedes Jahr.

Das ist eine gute Botschaft für den Weinort Roßwag. Apropos Wein: Der ist in diesem Sommer wegen der Hitze so früh reif wie noch nie. Wenige Kilometer weiter in Mundelsheim eröffnet am Freitag Herzog Michael auf dem württembergischen Weingut die Lese. Es wird Herbst.