Studie der AOK zu Rückenschmerzen Baden-Württemberg hat es im Kreuz

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Jeder sechste AOK-Versicherte ist wegen chronischer Rückenschmerzen in ärztlicher Behandlung. Gerade Frauen leiden unter diesen Beschwerden. Mittlerweile ist Kreuzweh die häufigste Ursache für Krankschreibungen. Die Ursachen sind vielfältig.

Immer mehr Menschen benötigen die Hilfe von Physiotherapeuten, weil Rückenmuskulatur und Foto: Adobe Stock/WavebreakMediaMicro
Immer mehr Menschen benötigen die Hilfe von Physiotherapeuten, weil Rückenmuskulatur und Foto: Adobe Stock/WavebreakMediaMicro

Stuttgart - Die Volkskrankheit Nummer eins im Land sind chronische Kreuzschmerzen. Mehr als jeder sechste AOK-Versicherte in Baden-Württemberg sei wegen andauernder, unspezifischer Rückenbeschwerden in ärztlicher Behandlung, heißt es in dem aktuellen Heilmittelbericht des Wissenschaftlichen Instituts der Krankenkasse (WIdO), der unserer Zeitung exklusiv vorliegt. Im Jahr 2017 gingen demnach 705 055 der 4,4 Millionen AOK-Versicherten wegen andauernder Kreuzschmerzen beim Doktor. Mehr als ein Viertel dieser Patienten (25,7 Prozent) hat sich in den vergangenen fünf Jahren deshalb öfter von Ärzten behandeln lassen.

Im vergangenen Jahr zählten Erkrankungen des Muskel-Skelett-Systems, zu denen Rückenschmerzen gehören, mit zu den häufigsten Ursachen für Krankschreibungen, noch vor den Atemwegsinfektionen. Etwa jede fünfte Krankschreibung in Baden-Württemberg war auf diese Beschwerden zurückzuführen. Dabei sind Rückenleiden branchenübergreifend Spitzenreiter als Fehlzeitenursache.

Die Volkskrankheit Nummer 1

Dabei seien es vor allem Frauen, denen chronisch der Rücken schmerze. Deren Anteil unter den deshalb behandelten Patienten, das zeigt die Auswertung der Krankenkasse, liegt bei 58,9 Prozent. Jede fünfte AOK-Versicherte hat sogar chronische Probleme. Bei den Männern ist es etwa jeder Sechste. Allein im vergangenen Jahr hat die Kasse im Land 110 Millionen Euro für die Behandlung von Rückenleiden aufgewendet. Fünf Jahre zuvor waren es noch 97 Millionen Euro; das ist ein Anstieg um mehr als 13 Prozent.

„Die Zahlen zeigen, dass der Rückenschmerz zu Recht als Volkskrankheit bezeichnet wird“, sagt Jutta Ommer-Hohl, die Fachbereichsleiterin Gesundheitsförderung bei der AOK Baden-Württemberg. „Zu den Hauptursachen für Rückenschmerzen zählen einseitige Belastung in Beruf und Alltag sowie die zu schwache Ausbildung der den Haltungsapparat stützenden Muskeln. Die Folge ist häufig eine verminderte Leistungsfähigkeit in Alltag und Beruf“, erklärt ein AOK-Sprecher.

Bewegung beugt vor

Allerdings liegt auch ein Zusammenhang mit dem Körpergewicht als Ursache für Rückenprobleme nahe. Die Verbindung von starkem Übergewicht und Rückenbeschwerden hat die AOK nicht erfasst. Aber es lässt sich sagen, dass Personen mit dokumentierten Rückenleiden 60 Prozent häufiger auch Fettleibigkeit attestiert bekommen als Patienten ohne chronische Probleme. Ommer-Hohl empfiehlt, nicht erst Hilfe zu suchen, wenn die Schmerzen akut werden, sondern durch regelmäßige Bewegung dafür zu sorgen, dass die Beschwerden gar nicht auftauchen. Viele Kassen haben mittlerweile Präventionsangebote im Programm, teilweise kooperieren sie auch untereinander, um die Vorsorge zu verbessern.

Naturgemäß steigt mit zunehmendem Lebensalter die Rate der Betroffenen. Bei beiden Geschlechtern ist der Anteil der Rückenleiden-Patienten in den Jahren vor dem Renteneintritt am höchsten. Die Behandlung zieht sich teilweise über Jahre hin: Von den Rückenschmerzpatienten des Jahres 2017 waren 65,1 Prozent bereits 2016 in Behandlung und 25,7 Prozent dauerhaft seit 2013. Etwa drei Viertel dieser Patienten, egal ob Mann oder Frau, bekamen Schmerzmittel verordnet.

Frauen nutzen Physiotherapie wesentlich früher

Unterschiede gibt es indes bei der Inanspruchnahme von Krankengymnastik. Von den Frauen ließ sich jede dritte Patientin physiotherapeutisch behandeln (34,8 Prozent), bei den Männern war es nur jeder Vierte (25,3 Prozent). Zudem suchen Frauen schon deutlich früher die Hilfe von Krankengymnasten. Die meisten Verordnungen registrierte die AOK bei Frauen im Alter von 50 bis 54 Jahren. Bei Männern ist die größte Altersgruppe derer, die zur Physiotherapie gingen, die der 75- bis 79-Jährigen. Bei beiden Geschlechtern seien aber Rückenschmerzen die häufigste Ursache für einen Besuch einer physiotherapeutischen Praxis.